Samstag, 27. Februar 2021
Montag, 15. Februar 2021

"Auch Überstunden werden nicht helfen alles aufzuholen"

In den Friseurläden liegt alles griffbereit für den Ansturm Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau/Sitzenroda. Kaum war die Meldung raus, dass die Friseurgeschäfte ab 1. März wieder öffnen dürfen, klingelten in den Salons auch schon die Telefone heiß.

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Kaum war die Meldung raus, dass die Friseurgeschäfte ab 1. März wieder öffnen dürfen, klingelten in den Salons auch schon die Telefone heiß. Eine Flut von Anfragen und Terminwünschen prasselte auf die Damen und Herren der Zunft nieder. Es herrscht Freude und Erleichterung, dass der Lockdown zumindest in dieser Branche vorbei geht. Und zwar auf allen Seiten, sowohl bei Inhabern, als auch bei jenen, die in den vergangenen Wochen mit ihrem Haarwuchs zu kämpfen hatten. 

Ein Geschenk 

„Wir sind sehr glücklich, unsere lieben Kunden ab 1. März wieder bei uns im Salon begrüßen zu dürfen“, sagt beispielsweise Nicole Wurow vom gleichnamigen Geschäft in der Torgauer Spitalstraße. Was neue Regelungen betrifft, konnte sie selber aufatmen. Unter anderem gelte die „1-Person-je-10-Quadratmeter-Vorschrift“. „Wir können vier Kunden im Salon gleichzeitig bedienen, was ein wirkliches Geschenk ist. Dafür fällt dann der Wartebereich weg“, so die Friseurmeisterin. 

Leider stellen diese neuen Regelungen für kleinere Salons und deren Mitarbeiter allerdings ein Problem dar. Einerseits dürfen Sie endlich öffnen, aber auf der anderen Seite können sich nur ein bis zwei Kunden gleichzeitig im Salon befinden. Das sei Ironie schlechthin, für Mitarbeiter und Salonbesitzer. Termine sollten vorab per Telefon ausgemacht werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Eintreten in den Salon ist nur mit medizinischem Mundschutz möglich, der während der gesamten Zeit getragen werden muss. Die Hände sind im Eingangsbereich zu desinfizieren. Und zwar mindestens 30 Sekunden lang, dies schreibe die BGW ( Berufsgenossenschaft) vor. 

Infektionen vermeiden 

„Jeder Kunde erhält seinen eigenen Garderobenständer, um Infektionen über Kleidung zu vermeiden. Wir werden auch weiterhin keine Zeitungen und Getränke anbieten, selbst wenn es unter bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt ist“, sagt Nicole Wurow. Ob wieder Kontaktdaten hinterlegt werden müssen, sei vergangene Woche noch nicht klar gewesen. Stühle, Arbeitsplätze und das verwendete Werkzeug werden nach jeder Behandlung gesäubert und Umhänge nur einmal verwendet. „Augenbrauen, Wimpern färben und Bartpflege wird von uns ebenfalls noch nicht angeboten“, so die Torgauerin. Eine weitere Vorschrift sei die wöchentliche Testung für Betriebsinhaber und Mitarbeiter. 

Was die Zeit des Lockdowns betrifft, hält sich Nicole Wurow lieber zurück. „Ich will gar nicht soviel schimpfen, lieber einmal mehr geschlossen halten, als das Risiko eingehen, liebe Menschen oder sich selbst zu infizieren oder zu verlieren. Aber es müssen bessere Voraussetzungen geschaffen werden, als dass wir Selbstständigen im finanziellen Fiasko versinken, ohne selbst Schuld daran zu tragen“, kritisiert sie. Im Gegensatz zum ersten Lockdown, als es die Soforthilfe gab – die tatsächlich sofort floss – sei es derzeit ziemlich „mau“ auf den Geschäfts- und Privatkonten der Berufskollegen. Laut Medienberichten gäbe es die Überbrückungshilfe III. Das Wort täuscht jedoch, wenn man glaubt, der Zeitraum vom ersten Tag der Schließung bis zum letzten werde überbrückt. „Nein, leider weit gefehlt. Denn durch ein Steuerbüro muss die Hilfe beantragt werden. Dies sei erst Mitte Februar durch den Steuerberater möglich, wenn ihm alle technischen Voraussetzungen gegeben sind. „Also ehe ein Antrag bearbeitet, eingeschickt, geprüft und am Ende ausgezahlt wird, vergehen weitere Wochen“, bemängelt die Friseurmeisterin. 

Nicht ganz so hart 

Trotz allem finde sie, dass die Friseure nicht ganz so hart betroffen sind wie andere Branchen. „Bisher waren wir immer die Letzten, die schließen mussten und die Ersten, die öffnen durften. Wenn man an die Kosmetiker, Gastronomen, Reisebüros, Hundeschulen und die gesamte Veranstaltungsbranche denkt, dann ist es mir manchmal sogar peinlich, dass in den Medien nur von Friseuren in Not berichtet wird“, resümiert sie. 

Scharfe Worte 

Scharfe Worte findet hingegen Nicole Steinfeldt, Inhaberin des Salons Haardesign Steinfeld, aus Sitzenroda. „Die Coronakrise hat mich und wie auch andere Branchen in eine finanzielle Schieflage gebracht. Die Überbrückungshilfen, wenn sie denn für einen in Frage kommen, konnten erst letzte Woche mit Hilfe der Steuerberater – die auch heillos überfordert sind – beantragt werden“, kritisiert sie. „Bislang hieß es: Privateinlagen und Erspartes auf das Geschäftskonto überweisen, ungeachtet eigener privater Kosten. Und in meinem persönlichen Fall darf ich noch von Glück reden, in Besitz des Salongebäudes zu sein“, betont Nicole Steinfeldt mit Blick auf Mietkosten. 

In der Lockdownzeit seien ihr zwei Salons mit Angestellten zur Übernahme angeboten worden, weil die Betreiber in Insolvenz gingen. Doch in dieser unsicheren Zeit werde sie natürlich kaum den Schritt wagen zu expandieren. Jetzt, wo die Öffnung zum 1. März bekannt wurde, laufen die Kunden auch in Sitzenroda Sturm. Die Telefondrähte glühen. Aber niemand könne zweieinhalb Monate wieder aufarbeiten, noch dazu bei den einzuhaltenden Hygieneregeln. „Wir geben trotzdem unser Bestmögliches, um unsere Kundschaft glücklich zu machen und nehmen gern Überstunden in Kauf“, so die Sitzenrodaerin. Doch selbst reichlich Überstunden würden kaum helfen, das zu erfüllende Pensum auszugleichen.


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