Samstag, 27. Februar 2021
Freitag, 19. Februar 2021

"Es kehren viele junge Familien wieder zurück in die alte Heimat" 

René Vetter vor dem GemeindeamtFoto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Im großen TZ-Jahres-Interview spricht Beilrodes Bürgermeister René Vetter über Bauboom, steigende Kinderzahlen, ehrgeizige Projekte und Rückschläge durch Corona:

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Im großen TZ-Jahres-Interview spricht Beilrodes Bürgermeister René Vetter über Bauboom, steigende Kinderzahlen, ehrgeizige Projekte und Rückschläge durch Corona:

Herr Vetter, wir kommen um das Thema nicht drumherum. Wie bremst die Pandemie den Aufschwung in Ihrer Gemeinde?

Ich denke, die finanziellen Folgen von Corona sind momentan noch gar nicht abschätzbar. Wir bekommen schon dieses Jahr weniger Schlüsselzuweisungen vom Freistaat Sachsen und wir wissen nicht, wie sich die Einnahmen im Bereich Gewerbesteuer, Umsatzsteuer und Einkommenssteuer entwickeln.

Steht der neue Haushalt der Gemeinde trotzdem mit den geplanten Investitionen?

Wir haben den ersten Entwurf im vergangenen Jahr im Gemeinderat diskutiert und anschließend innerhalb der Verwaltung nachgearbeitet. Bei der nächsten Ratssitzung kommt das Papier wieder auf die Tagesordnung. Ich hoffe, dass wir den neuen Doppelhaushalt für 2021/ 22 im Frühjahr beschließen können.

Was wäre denn die größte Investition in diesem Jahr?

Das wird die Neuanschaffung eines Einsatzfahrzeuges für die Feuerwehr Beilrode sein. Weiterhin stehen der Umbau bzw. die Sanierung der Grundschule und der Oberschule Beilrode im Bereich Digitalisierung ganz oben in der Liste. Das umfasst zugleich die elektrotechnische Ertüchtigung.

Das hat also nichts mit einer Erweiterung der räumlichen Kapazität zu tun?

Nein. Aber hier gibt es tatsächlich sowohl im Schul- als auch im Kita-Bereich Überlegungen. Die Kitas in Beilrode, Zwethau und Dautzschen sind nahezu zu 100 Prozent ausgelastet. Wir müssen zukunftsnah handeln.

Also gibt es auch für die Bildung von zwei 5. Klassen an der Oberschule Beilrode diesmal keine Probleme?

Der Oberschulstandort in unserer ländlichen Region bietet viele Vorteile und ist auch für Schüler und Eltern interessant, die nicht in Ostelbien leben. Ich gehe davon aus, dass die Zweizügigkeit erreicht wird. Unsere Schulleiterin, Frau Silke Dartsch, ist sehr aktiv und steht für Fragen und Informationen jederzeit gern bereit!

Es hieß zuletzt, dass die Geburtenzahlen in der Gemeinde gestiegen sind?

Zwischen 30 und 40 Babys erblicken jedes Jahr das Licht der Welt. Das schwankt natürlich etwas. Hinzu kommt noch die Gemeinde Arzberg, die ebenfalls zum Einzugsgebiet der Oberschule gehört. Außerdem rechnen wir damit, dass uns die neuen Eigenheimstandorte mehr Zuwachs an Kindern bescheren, wenn sich junge Familien ansiedeln.

Gutes Stichwort: Wie sieht es mit der Fläche im Sportplatzweg aus?

Hier sind von sechs Grundstücken zwei vergeben. Vier Parzellen sind noch verfügbar.

War da nicht in den vergangenen Monaten von einem Los-Verfahren wegen der großen Resonanz die Rede?

Das stimmt. Es gab im Vorfeld sehr viele Interessenbekundungen. Aber ein Teil der Personen hat davon Abstand genommen, weil sie sich woanders schon einen Bauplatz gesichert haben. Also, wer Interesse hat, kann sich gern in der Gemeindeverwaltung melden! Derzeit werden notarielle Kaufverträge erstellt. Ich gehe davon aus, dass noch dieses Jahr Bautätigkeit am Standort einsetzt.

Nun gab es noch eine zweite Fläche in Beilrode. Wie ist hier die Situation?

Im Oktober lagen die neuen Entwürfe für den Eigenheimstandort „An der Siedlung“ im Gemeinderat vor. Damit steht fest, dass das angrenzende Wäldchen komplett erhalten bleibt, was bei den Anwohnern Konsens fand. Ein privater Investor möchte 28 Grundstücke schaffen. Die Auslegung des neuen Entwurfes des Bebauungsplanes erfolgt im Frühjahr. Dann ist noch ein dritter Standort in Döbrichau in Planung, wo ebenfalls junge Familien in Zusammenarbeit mit der Kommune Bauplätze schaffen möchten. Bis zu zehn Grundstücke sollen entstehen. Auch hier können sich Interessenten gern in der Gemeinde melden.

Was macht Sie so optimistisch, dass derart viele Flächen einen Käufer finden?

Die Arbeitswelt hat sich gewandelt. Es kehren viele junge Familien, die damals abgewandert sind, wieder zurück in die Heimat. Die Attraktivität von Ostelbien wächst. Es gibt alles, was man braucht: Vom Kita-Platz über den Arzt bis hin zum S-Bahn-Anschluss in Richtung Leipzig und Cottbus. Für Bauland werden in unserer Region noch keine utopischen Preise verlangt wie in den Ballungsgebieten. Durch Corona hat zudem das Thema Homeoffice noch an Bedeutung gewonnen und durch den Breitband-Ausbau des Landkreises werden alle Voraussetzungen geschaffen, um schnelles Internet vielseitig nutzen zu können. Die Mobilität wächst außerdem weiter. Mit der Schaffung unseres Park & Ride-Areals am Bahnhof haben wir darauf entsprechend reagiert.

Wie weit ist der Breitband-Ausbau in der Gemeinde fortgeschritten?

Wir hoffen, dass spätestens im zweiten Quartal schnelles Internet funktioniert. Bei der Ratssitzung im März wird ein Telekom-Vertreter anwesend sein, um über den genauen Stand zu informieren. Was spezielle Probleme bei der Erschließung im Ortsteil Eulenau betrifft, laufen derzeit die Gespräche.

Haben Sie einen genauen Überblick über die aktuellen Bevölkerungszahlen?

Wir hatten 2018 genau 4196 Einwohner in der Gemeinde, 2019 waren es 4233 und 2020 wurden 4203 Einwohner registriert.

Sie hatten den S-Bahn-Anschluss erwähnt. Wie sind Sie mit der beabsichtigten Bahnhof-Sanierung voran gekommen?

Die Bahnhof-Sanierung ist der zweite Schritt nach Fertigstellung des Park & Ride-Geländes. Ende 2020 wurden die Planungen bis zur Leistungsphase 3(Anmerkung Redaktion: kurz vor        Einreichung Bauantrag)in Auftrag gegeben. Darin inbegriffen war auch eine Kostenschätzung. Wir gehen derzeit von rund zwei Millionen Euro Baukosten aus und haben einen Antrag auf Fördermittel gestellt. So viel steht fest: Ohne Zuschüsse wird es nicht funktionieren. Ziel ist, 2022 mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Wie soll das Bahnhofsgebäude genutzt werden?

Im Erdgeschoss möchten wir eine Bäckerei mit Café sowie den Polizeiposten unterbringen. Ebenso entstehen öffentliche Toiletten und Vereinsräume. Das Obergeschoss wird für Büroräume ausgelegt. Auch hier können sich Interessenten gern melden.

Das Thema Bürgerbus hat zuletzt mehrere Gemeinden im Altkreis bewegt. Aus Großtreben kam beispielsweise die Idee, das Arzberger Fahrzeug mit einzubeziehen, um Rentner aus ganz Ostelbien zum Impfen zu bringen. Wie sehen Sie die Problematik?

Was das Impfen angeht, gibt es gerade Abstimmungen zwischen dem Ostelbienverein, Landratsamt und uns. Einen Bürgerbus für ganz Ostelbien zu haben, ist organisatorisch schwierig. Abgesehen vom Fahrzeug bräuchte man auch einen großen Stamm ehrenamtliches Personal.

Themawechsel. Welche Investitionen sind in diesem Jahr noch in den Ortsteilen der Gemeinde geplant?

Wir werden Spielplätze in Döhlen und Kreischau errichten und dann sehen, was mit dem Spielplatz im Zwethauer Park noch möglich ist. Im Großtrebener Sportlerheim ist mit Blick auf die 100-Jahr-Feier des Sportvereins im Jahr 2024 eine energetische Sanierung geplant. Wir wollen in Döbrichau und in der Ernst-Thälmann-Straße in Beilrode die Bushaltestellen barrierefrei umbauen. In Dautzschen soll das übrigens nächstes Jahr passieren. Und dann ist noch eine Fußboden-Erneuerung in der Oberschule Beilrode, eine Schulhof-Sanierung und die Erneuerung des Gehweges in der Ernst-Thälmann-Straße vorgesehen.

Waren das alle Vorhaben?

Nein, die Liste ist noch länger. Zum Beispiel haben wir auch Fördermittel für die Sanierung der Jahnstraße beantragt. Hier handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von Gemeinde und Zweckverband. 2022 ist eine Heizungs-Erneuerung in der Kita Dautzschen angedacht. Ebenfalls 2022 möchten wir eine Schallschutzdecke in der Beilroder Kinderoase einbauen. Größere Sanierungsarbeiten sind noch am Dach der Ostelbienhalle nötig und die Trauerhalle in Beilrode muss modernisiert werden. Aber ohne Zuschüsse – nur mit Eigenmittel – ist das alles nicht zu realisieren. Wir müssen abwarten, wie wir zum späteren Zeitpunkt finanziell ausgestattet sind.

Sie hatten ja vorhin erwähnt, dass die Kitas zu fast 100 Prozent ausgelastet sind und dass es weitere Überlegungen gibt. In der Liste war jetzt keine Erweiterung enthalten?

Was daran liegt, dass die Pläne und Anträge noch etwas reifen müssen. Die Gemeinderäte haben sich erstmal klar positioniert, dass die Kita-Standorte in Dautzschen und in Zwethau erhalten bleiben. Mittelfristig planen wir darüber hinaus einen Ersatzneubau für die Kita „Kleine Strolche“ in Beilrode. Eine erste Kostenschätzung ergab 4 Millionen Euro. Allerdings wird das Vorhaben nicht vor 2023 umsetzbar sein. Es ist also noch Zukunftsmusik.


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