Mittwoch, 14. April 2021
Freitag, 26. Februar 2021

"So mancher hat einfach die Nase voll vom Stadtleben"

Herbert Schröder. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Trossin. Im großen TZ-Jahres-Interview spricht Trossins Bürgermeister Herbert Schröder über erfreuliche Zahlen bei der Bevölkerungsentwicklung, neue Standorte für Eigenheime, Breitbandausbau, Investitionen und Corona: 

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Trossin. Im großen TZ-Jahres-Interview spricht Trossins Bürgermeister Herbert Schröder über erfreuliche Zahlen bei der Bevölkerungsentwicklung, neue Standorte für Eigenheime, Breitbandausbau, Investitionen und Corona: 

Herr Schröder, die Pandemie beherrscht noch immer fast täglich die Schlagzeilen. Wie groß ist die Geräuschkulisse in Trossin? 

In der ersten Welle hatten wir das Gefühl, Corona geht an uns völlig vorbei. Es gab 0 Fälle im Gemeindegebiet. In der zweiten Welle wurden bislang fünf infizierte Einwohner festgestellt. Wir mussten auch den Kita-Betrieb zehn Tage komplett einstellen, weil ein Kind positiv getestet war. Inzwischen hat die Einrichtung aber seit Montag wieder normal geöffnet. 

Also ist auch die Notbetreuung Geschichte? 

Ja wie überall in Sachsen. Bis 10. Februar lief die Notbetreuung mit 34 Kindern. Dann musste die Kita, wie erwähnt, wegen des positiven Befundes schließen. Das Landratsamt reagierte sofort und führte am 11. Februar zahlreiche Testungen durch. Glücklicherweise war alles negativ, so dass die Schließung zum 19. Februar wieder aufgehoben werden konnte. Nun ist die Einrichtung wieder für alle Kinder geöffnet. 

Vielerorts sind die Geburtenzahlen gestiegen. Reicht die Kapazität in Trossin? 

Ja. Derzeit sind 77 Kinder gemeldet. Zwar wären damit noch zehn Plätze frei, aber es gibt schon wieder sechs Neuanmeldungen für den Krippenbereich. Die Kita „Biberburg“ ist also gut ausgelastet. Elf Erzieher und eine Service-und Reinigungskraft kümmern sich um das Wohl der Kinder. Das Essen kommt übrigens aus der Großküche Wildenhain. 

Baulich gesehen war die Kita in den letzten Jahren selber ein Sorgenkind. Gerade im Bereich Brandschutz wurden zahlreiche Mängel festgestellt. Wie ist die Situation?

Wir haben im Großen und Ganzen alle Auflagen erfüllt. Der Abschlussbericht für die Brandschutztüren liegt noch nicht vor. Aber wir gehen davon aus, dass alles erledigt ist. 

Wie ist nun das ehemalige Schulgebäude aufgeteilt? 

Im Südflügel sind die Kindergartenkinder und im Mittelteil die Krippenkinder untergebracht. Der Hort musste jetzt aus dem Nordflügel, wo sich die Feuerwehr befindet, ausziehen, weil da auch das Einsatzfahrzeug der Johanniter steht. In Coronazeiten fiel die Entscheidung, die vorhandenen Toiletten nicht mehr gemeinsam mit den Rettungskräften zu nutzen. Die Hortkinder zogen in den Schulungsraum des Gemeindeamtes um, wo es separate Toiletten gibt. Das ist aber nur eine Übergangslösung. 

Es galt als Erfolgsmeldung, dass die Einsatzzeit der Johanniter in Trossin auf 24 Stunden erweitert wurde. Sind die Einwohner froh darüber? 

Ja natürlich. Der Gedanke, die schnelle Hilfe rund um die Uhr in der Gemeinde zu wissen, beruhigt sehr. Es gibt auch die Überlegung, eine neue Rettungswache in Trossin zu bauen.

Haben Sie schon eine Idee, welches Grundstück dafür in Frage kommt? 

Wir sind sehr interessiert daran, die leer stehenden Wohnblöcke in der Dahlenberger Straße und in der Kirchgasse wegzubekommen. Das Areal, auf dem der erste Block steht, würde sich optimal als Bauplatz anbieten. Aber es ist wahnsinnig schwierig. Die Eigentümerfirma existiert nicht mehr, die Grundstücke sind belastet durch Gläubiger, das Gelände besteht aus zahlreichen Flurstücken. Wir haben extra zwei Gemeinderäte beauftragt, sich mit den rechtlichen Fragen zu beschäftigen und Lösungen zu finden. Dann bräuchten wir auch Fördermittel für den Abriss wie in Dommitzsch. Später könnte man einen Bebauungsplan entwickeln und zusätzlich noch Eigenheime errichten lassen. 

Wie groß ist das Interesse an Bauplätzen in der Gemeinde? 

Es gibt Anfragen. Zum Beispiel haben wir zahlreiche Bungalowbesitzer aus dem Raum Leipzig, Halle oder Merseburg, die sich am Wochenende in der Natur erholen und die gerne ihren Hauptwohnsitz hier anmelden möchten. Das geht nicht so einfach im Bereich Hachemühle. Für sie wäre der Neubau eines Eigenheimes die Alternative. 

Welche Flächen haben Sie denn gerade im Angebot?

Wir sind dabei, Standorte zu erschließen. Zum Beispiel in der Torgauer Straße in Roitzsch. Hier gibt es eine Fläche, die mal Ackerland war und auf der schon zwei Eigenheime stehen. Hier müsste man allerdings nochmal einen neuen Bebauungsplan genehmigen lassen. Dann haben wir noch ein Areal in der Straße Unter den Linden in Trossin im Blick, auf dem sich früher der Sportplatz befand. 

In der Ortslage selbst: Ist da was machbar? Das Mühlengrundstück am Teich sieht recht unbewohnt und verfallen aus? 

Das ist Privateigentum. Da können wir als Gemeinde nichts machen. Angeblich sucht der Besitzer nach einem Käufer. 

Das Schloss gilt als Wahrzeichen von Trossin. Wissen Sie, wie es mit der Immobilie weitergeht, nachdem der Besitzer verstorben ist? 

Die Kinder und Enkel haben die gesamte Anlage übernommen. Der Betrieb läuft. Hier ist ein Imkereifachhandel ansässig. 

Themawechsel. Nach der Wende hatte die Gemeinde mit einem starken Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Wie ist jetzt die Lage? 

Sehr erfreulich. Die Einwohnerzahl ist in den letzten drei Jahren sehr konstant geblieben, hat sich kaum verändert. Zum Jahreswechsel wurden 1252 Bewohner in allen vier Ortsteilen registriert. Natürlich sind solche Zeiten vorbei wie in den 80 er Jahren, als die Gemeinde fast 2000 Einwohner zählte, was mit der Landwirtschaft zusammen hing. Aber wir freuen uns, dass es wieder steigende Geburtenzahlen und Zuzüge gibt. So mancher hat die Nase voll vom Stadtleben. Neulich hat mir eine junge Mutter erzählt: Sie wohnt in einer Platte in Leipzig, braucht 45 Minuten zur Kita und dann noch mal 20 Minuten bis zur Arbeit. Sie würde gerne in unsere Gemeinde ziehen. 

Ländliche Idylle ist das eine. Infrastruktur das andere. Wie sieht es mit der ärztlichen Versorgung in Trossin aus? 

Sprechzeiten wie früher gibt es nicht mehr, aber die Ärzte machen in dringenden Fällen auch Hausbesuche. Und das Landambulatorium in Dommitzsch mit Arztpraxen und Apotheke ist gerade umfangreich saniert worden. Für ältere Menschen gibt es zudem private Fahrdienste oder die mobile Altenpflege. 

Ein Bürgerbus wie in Arzberg ist kein Thema mehr?

Doch. Die Gespräche laufen. Wir waren auch schon in Arzberg, um uns genau zu informieren. Auch ein gemeinsames Projekt mit Dommitzsch und Elsnig wäre denkbar. Aber die Anschaffung eines Fahrzeuges ist momentan das größte Problem. 

Wie weit ist der Breitbandausbau in der Gemeinde?

Die Tiefbauarbeiten sind erledigt. Jetzt werden die Hausanschlüsse installiert. Ich gehe davon aus, dass das schnelle Internet spätestens im zweiten Quartal nutzbar ist. 

Der Abwasserstreit sorgte viele Jahre für Schlagzeilen. Haben sich die Wogen geglättet?

Die dezentrale Entsorgung ist umgesetzt und es läuft sehr gut. 90 Prozent der Haushalte können das geklärte Wasser versickern lassen. Der Rest muss Sammelgruben nutzen, die dann abgepumpt werden. Wir streben ein gutes Verhältnis zur Stadt Dommitzsch an, treffen uns in regelmäßigen Abständen zu Beratungen und Gesprächen. Ohnehin wird an einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit unserer Verwaltungsgemeinschaft mit Bad Schmiedeberg gearbeitet. Das macht auch Sinn, weil viele unserer ehemaligen Bewohner dort im Pflegeheim sind. Ein Rufbus wäre zum Beispiel ein gemeinsames Ziel. 

Was sind größere Investitionen und Vorhaben für die Gemeinde Trossin?

Für den Mannschaftstransportwagen (MTW) der Feuerwehr Trossin wollen wir eine Garage bauen. Anfang März wird zudem am Stausee in Dahlenberg ein neuer Spielplatz errichtet. Drei weitere Bushaltestellen, zwei in Gniebitz, eine in Meltitz, sind in nächster Zeit barrierefrei umzugestalten. Sollte der Landkreis den Straßenbau in Gniebitz starten, sind wir als Gemeinde für Gehwege und neue Beleuchtung zuständig. Barrierefreie Zugänge sind am Friedhof in Roitzsch und am Vereinsraum des Heimat- und Kulturvereins Dahlenberg vorgesehen. Dann streben wir die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges HLF 10 für die Feuerwehr Falkenberg an, was wahrscheinlich erst 2022 klappt. Es stehen noch einige Vorhaben auf unserer Investitionsliste. Allerdings wird erst voraussichtlich im April mit Beschluss des kommunalen Haushaltes darüber entschieden.


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