Mittwoch, 14. April 2021
Mittwoch, 3. März 2021

"Wir werden es schon schaffen"

Tobias Jenisch mit einem seiner Autos auf dem Parkplatz am Bahnhof Torgau. Foto: Thomas Keil

von Thomas Keil & Yvonne Schmidt

Torgau. Torgaus Taxibranche lässt sich keine grauen Haare wachsen, auch wenn die Umsatzeinbrüche in manchem Fall extrem sind.

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Abends nach dem Kneipenbesuch – der letzte Bus ist weg. Wie nun nach Hause kommen? Dafür war bisher ein Kurzzeit-Mietwagen mit Chauffeur eine bevorzugte Lösung. Doch die Kneipen haben zu, diese Einnahmequelle für Taxis ist versiegt. Auch am Bahnhof ist nicht viel zu abzuholen. Trotzdem bleiben die Torgauer Fahrer gelassen und geben sich eher optimistisch für die Zukunft.

Stabile Einnahmequelle
Bereits seit 1988 ist Zocher senior in Torgau mit dem Taxi unterwegs. Sein Sohn Sven übernahm das Geschäft im Jahr 2017. Haupteinnahmequellen sind Fahrten für die Lebenshilfe Torgau und Krankenfahrten wie zum Beispiel zur Dialyse. „Momentan geht es schleppend“, sagt Sven Zocher. Im klassischen Taxibetrieb habe er rund 50 Prozent weniger Umsatz als vorher. Dagegen sind die Corona-Beschränkungen bei den Krankenfahrten kaum zu spüren. „Die Patienten müssen ja trotzdem zum Arzt“, so Sven Zocher. Fahrten zum Impfzentrum macht er auch. „Aber hier gelten die ganz normalen Taxigebühren, die vom Fahrgast selbst zu zahlen sind“, dämpft Sven Zocher die Erwartungen bezüglich Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Der Torgauer hat zehn feste und sechs Teilzeitmitarbeiter. „Momentan geht es noch ohne Kurzarbeit“, sagt Sven Zocher. „Die Auftragseinbrüche konnten wir mit Urlaub und dem Abbummeln von Überstunden ausgleichen“, erläutert er. Am Bahnhof auf Kunden warten? „Nein“, antwortet der 38-jährige. Das lohne sich nicht. „Da steht man drei Stunden für eine Fahrt“, winkt Sven Zocher ab. „So lange es noch halbwegs läuft, geht es ja noch“, blickt er optimistisch nach vorn.

Massiver Umsatzeinbruch
„Es ist recht durchwachsen“, fasst Tobias Jenisch die letzten Monate zusammen. Vor allem nachts gehe gar nichts. „Die Kneipen sind doch zu“, macht er klar. So sei insgesamt das Geschäft momentan sehr unregelmäßig. „Mir fehlen etwa 70 Prozent der früheren Umsätze“, sagt Tobias Jenisch. Das Unternehmen übernahm er 2016 von Peter Köhler. „Das war nach der Wende einer der ersten Taxifahrer in Torgau“, blickt Tobias Jenisch zurück. Zuletzt fuhr Peter Köhler als Angestellter immer noch die Nachtschichten. Doch Tobias Jenisch musste ihn und einen weiteren Angestellten entlassen. „Es geht mit den Betriebskosten immer noch, wenn man alleine ist“, sagt Tobias Jenisch. So fahren momentan er und seine Frau die anfallenden Einsätze. „Wir werden es schon schaffen“, denkt auch er positiv.

Vom Tanklaster zur Personenkutsche
Auch für Ralf Ludwig gilt: „Wo nichts los ist, ist nichts los.“ So fehlt momentan die Laufkundschaft komplett. „Vorher machte sie immer so rund 30 Prozent aus“, ordnet Ralf Ludwig ein. Immerhin gehen die Fahrten für medizinische Behandlungen wie Dialyse und Bestrahlungen normal weiter. „So komme ich über die Runden“, sagt der passionierte Kraftfahrer. Aktuell blieben ihm noch geschätzt 60 Prozent der bisherigen Umsätze. Den Taxistand am Bahnhof fährt er auch nur an, wenn er gerade in der Nähe ist. „Ansonsten lohnt sich das nicht“, ordnet er ein. Die meisten ankommenden und auf Abholung angewiesenen Reisenden ließen dies von Bekannten und Verwandten erledigen. Für seine Fahrten nutzt er Kleinbusse. „Da sitzen die Fahrgäste ganz hinten und so halten wir Abstand“, erläutert er. Laut seiner Aussage ist er Torgaus erster Taxiunternehmer. „Am 1. Februar 1990 habe ich das Unternehmen gegründet“, blickt er zurück. Bereits seit 1987 war er nebenberuflich als Taxifahrer unterwegs. „Damals war ich schon seit Jahren Kraftfahrer für Minol“, sagt Ralf Ludwig.

Pessimismus in Dresden
„Schlecht wäre untertrieben“, sagt Jan Kepper zur Lage der Taxiunternehmer in Sachsen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Landesverbands der sächsischen Taxi- und Mietwagenunternehmen in Dresden seien die Umsatzeinbußen zwar etwas geringer im Vergleich zum Frühjahr 2020, das liege aber auch daran, dass einige Unternehmen insolvent seien oder ihren Betrieb aufgegeben hätten. „Insgesamt kann man sagen, dass wahrscheinlich ein Drittel der Taxiunternehmen nach Corona nicht mehr da sein wird“, bemerkt Jan Kepper. „Wir sind ein Gewerbe, das mit Mobilität sein Geld verdient. Und das ist eben unter diesen Beschränkungen nicht möglich.“ Die Corona-Hilfen des Bundes könnten seinen Worten zufolge nur die Not lindern, aber nicht ansatzweise die Ausfälle ausgleichen. Die Kosten für die Fahrzeuge würden beispielsweise nicht mitberechnet werden. Nun würden viele Unternehmen auf die Überbrückungshilfe III hoffen.

Zum Impfen mit dem Taxi
Der Landesverband hätte außerdem den Vorschlag unterbreitet, die Menschen zu den Impfterminen zu fahren. Dafür müsste die Regierung des Freistaates eine finanzielle Förderung bereitstellen. Seitens des Wirtschaftsministeriums erhielt Jan Kepper jedoch eine Absage – ohne eine konkrete Begründung. Für ihn erscheint das unverständlich. „Man nimmt den Leuten in unserer Branche die Lebensgrundlage. Es war eine gute Idee, die in anderen Bundesländern ja auch schon so umgesetzt wird.“


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