Mittwoch, 14. April 2021
Sonntag, 7. März 2021

Worin unterscheidet sich medizinisches Cannabis von Produkten mit CBD?

In vielen Ländern wurde die Hanfpflanze in den 60er-Jahren verboten. Grund dafür war deren Einstufung durch die UNO als „psychoaktive Substanz ohne erkennbaren Wert“ bzw. als Droge.

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Dabei ist Hanf eine traditionelle Heilpflanze, die bereits vor Jahrtausenden in der Medizin zahlreicher Kulturen Fuß fasste. Das Konsumverbot verdrängte jedoch das kulturelle Erbe aus unserer modernen Welt.

Keine Einigkeit unter den Medizinern

Seit einigen Jahrzehnten beschäftigen sich medizinische Forscher verstärkt mit Cannabis. Mit der Isolierung des Wirkstoffes THC und der späteren Entdeckung des Endocannabinoid-Systems erstreckten sie ihre Untersuchungen auch auf die therapeutischen Wirkungen der Hanfpflanze. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind sich Mediziner jedoch über die Einordnung von Cannabis als Arzneimittel uneinig. Während Kauf und Besitz von THC-haltigen Rauschmitteln wie Haschisch in Deutschland strafbar ist, sind CBD-Blüten und Co. EU-weit legal. Grund für die unterschiedliche Einstufung ist Folgender: Sie beinhalten weniger als 0,2 Prozent THC und verfügen über keine psychoaktive Auswirkung.

Was bedeutet der Begriff „medizinisches Cannabis“?

Unser Recht hält keine konkrete Definition für die Bezeichnung bereit. Gleiches gilt für etwaige Erklärungen zu den Abweichungen von medizinischen sowie anderen Cannabis-Produkten. Der Hauptunterschied liegt in der gesetzlichen Handhabung: Ausschließlich medizinisches Cannabis muss vor der Vermarktung genehmigt werden. Das bedeutet, klinische Evidenz ist erforderlich. Durch sie werden sowohl die Wirksamkeit und Sicherheit als auch das Nichtvorhandensein schwerwiegender Nebenwirkungen belegt. Obwohl die WHO vor einer Zeit bestätigte, dass Cannabis diese Punkte erfüllt, ist es weiterhin illegal.

Fehlende klinische Evidenz durch zu wenig Finanzkraft

Die Genehmigung  muss von den zuständigen Behörden in jedem einzelnen Land, das den Produktverkauf anstrebt, erteilt werden. Die notwendigen klinischen Studien für die Arzneimittel zum Nachweis für dessen ordnungsgemäße Funktionstüchtigkeit sowie Gefahrlosigkeit für Patienten sind aufwendig und teuer. Die Kosten für die umfangreiche Prüfung von medizinischem Cannabis liegen im Durchschnitt bei knapp 60 Millionen Euro. Damit sind vielen Unternehmen Grenzen gesetzt. Investoren zeigen in diesem Bereich Zurückhaltung, denn ihnen ist das Risiko häufig zu hoch. Kapitalgebern fehlt der finanzielle Anreiz, darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass sich die Investition letztendlich wirklich als lohnenswert herausstellt. Zur Sicherstellung von Gewinnen legen sie daher in der Regel lieber in Produkte an, die patentierfähig sind – Pflanzen fallen nicht darunter.

EU und Cannabis

Der europäische Markt für Cannabisprodukte, die als legal eingestuft werden, befindet sich in starkem Wachstum. Die Patientenzahl, die medizinisches Cannabis in Ländern mit Legalisierung nutzt, steigt monatlich um 40 Prozent. Es kommen immer mehr Staaten hinzu, die es gleichfalls legalisieren. Trotzdem hat sich an der strengen Regulierung des Marktes bis heute nichts geändert. Sie betrifft unter anderem Bereiche wie:

 

  • Für wen ist der Anbau erlaubt?
  • Wer darf es besitzen bzw. verkaufen?
  • Welche Produkte können tatsächlich verwendet werden?
  • Wie viel medizinisches Cannabis darf gekauft werden?

 

Aufgrund der Tatsache, dass jedes Land seine eigenen Gesetze hat, herrscht innerhalb der EU Uneinigkeit über die Zuordnung von medizinischem Cannabis. Die Mitgliedstaaten debattieren seit langer Zeit, ob eine Gesetzesänderung zur Regulierung erfolgen sollte. Sowohl die Diskussion über die Begriffsbestimmung als auch die Unterscheidung von medizinischen und anderen Cannabis-Produkten erfolgt auf europäischer sowie nationaler Ebene. Weiterhin ist im Gespräch, ob Produkte, die für medizinische Zwecke zum Einsatz kommen, mit den Bezeichnungen „Hanf“ oder „natürliches Heilmittel“ versehen werden können.


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