Mittwoch, 14. April 2021
Montag, 8. März 2021

"Größtmögliche Transparenz"

Andreas Hempel erläutert den Stadträten den Aufbau und die Funktionen des Bahnhofsgebäudes. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Die Stadträte und Oberbürgermeisterin besichtigten am Freitag das alte Bahnhofsgebäude. Dabei gab es jede Menge zu entdecken.

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Am Freitag besichtigten Oberbürgermeisterin Romina Barth, Bauordnungsamtsmitarbeiter Andreas Hempel, Torgaus Pressesprecherin Eileen Jack und einige Stadträte noch einmal das alte Bahnhofsgebäude. „Größtmögliche Transparenz“, lautete Romina Barths Begründung für die Aktion. Zwar befinde sich das Gebäude bereits im Abriss, aber man wollte sich so nochmals von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugen. Während die Stadtoberen das Gebäude inspizierten, formierten sich vor dem Bauzaun Reinhard Wehner und einige seiner Mitstreiter, um für den Erhalt des Bahnhofs zu demonstrieren. „Jetzt sieht man es – es ist doch ein Denkmal“, beharrte Reinhard Wehner auf seinem Standpunkt.

Ist noch was zu retten?
Die Stadträte Dieter Glimpel, Edwin Bendrin, Henry Goldammer, Peter Nowack, Axel Klobe, Mandy Jäckel, Corinne Heise, Claus Höfner und Ulf Podbielski führt ein Mitarbeiter des Abrissunternehmens Bothur  durch das Gebäude. Exem-
plarisch zeigt der Abrissexperte einige der Schäden. „Retten kann man hier nichts mehr“, ist sich Henry Goldammer sicher. Ist die Besichtigung eine letzte Chance, doch noch umzuschwenken? „Über den Punkt sind wir schon hinaus“, verneinte Romina Barth. Die Stadtoberen haben sich lediglich von der Richtigkeit ihrer Entscheidungen überzeugt. „Wir sind alle keine Bauexperten und darum auf die Expertise von außen angewiesen“, ordnet Corinne Heise ein. Ulf Podbielski kriecht in jede Ecke, fotografiert quasi alles. „Für den Geschichtsverein“, tut er kund. Als dessen Mitglied fühlt er sich in der dokumentarischen Pflicht. Außerdem verarbeitet er damit auch ein Stück Familiengeschichte. „Mein Großvater hat hier gearbeitet“, blickt er zurück. Auch Edwin Bendrin hegt nostalgische Gefühle. „Ich bin quasi auf den Schienen groß geworden“, schwelgt er in Erinnerungen.

„Der Balken ist vom Pilz durchdrungen", so der Abrissexperte
zu Peter Nowack und Henry Goldammer (r.).

Bloß nicht verlaufen
Das Gebäude präsentiert sich den Besuchern nicht von seiner besten Seite. Überall liegen Trümmer, teilweise Müll und stellenweise bereits entfernte Bausubstanz. Vor allem wirkt das Bahnhofsgebäude extrem verbastelt und verwinkelt. Im Laufe der Jahre scheint immer wieder was an-, um- oder abgebaut worden zu sein. So gibt es für die einzelnen Etagen mehrere Treppenhäuser, die auch noch einander tangieren. Vielfach geht es erst bis ganz rauf, um dann wieder ein paar Stufen runter in die Dachkammer zu steigen. Im bunkerartigen Keller sind noch Reste mindestens zweier älterer Heizanlagen zu sehen. Von den drei Säulen im ehemaligen Café Alfonso ist nur die mittlere, frei im Raum stehende aus Metall. In der Wartehalle sind große, hölzerne Rahmen freigelegt. An diesen sind Blechsstreifen angeschraubt, die wahrscheinlich im eingebauten Zustand schweißtechnisch bearbeitet wurden – in einer Art, dass es dem geneigten Metallbauer die Fußnägel bis zu den Ohren aufrollt. Offensichtlich wurde dabei das Holz der Rahmen gleich mit angekokelt. Einen guten und brauchbaren Eindruck machen nur die Fenster im Obergeschoss. Dort sieht man an den Decken die Spuren des eingedrungenen Wassers. „Landkarten“, sagt Edwin Bendrin zu den braunen Flecken. Im Endeffekt erscheint es mehr als fraglich, ob der Originalzustand aus dem Jahr 1872 überhaupt hätte wiederhergestellt werden können.

Schutthaufen und Notsicherung im Obergeschoss.

Wogen geglättet?
Es wäre sicherlich gut gewesen, auch Gerhard Schumann und Reinhard Wehner mit auf die Entdeckungstour zu nehmen. Eine intensive Erkundung des Gebäudes würde die zwei bestimmt davon überzeugt haben, dass eine Sanierung unwirtschaftlich wäre. „Ich hätte mich gerne eines Besseren belehren lassen – dass ich den Zustand zu optimistisch bewertete“, sagt Gerhard Schumann, der zuletzt als Investor für das Gebäude auftrat.


Hinweis: Ursprünglich hieß es, die Rahmen in der Eingangshalle seien aus Metall und die Bleche dort direkt aufgeschweißt.

Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.


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