Mittwoch, 14. April 2021
Donnerstag, 11. März 2021

Digitale Berufsbildung inzwischen auf hohem Niveau

Papsdorf Franziska und ThomasFoto: Ute Ressl/privat

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau/Beilrode. ?Franziska und Sebastian Papsdorf sind Mitarbeiter der Fortbildungsakademie der Wirtschaft Leipzig und tätig als Praxisberater an den Oberschulen Nordwest in Torgau und Beilrode. Ziel des Projekts „Praxisberater“ ist es die Schüler, der Klassenstufe 7 und 8, bei der Berufsorientierung zu unterstützen sowie individuell und zielgerichtet zu fördern.

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TZ: Das Online-Jobportale großen Zulauf an Nutzern haben, ist bekannt. Eine digitale Ausbildungsmesse - was halten Sie ganz persönlich davon?

Franziska Papsdorf: ?Online Angebote sind zeitgemäß und aktuell dringend notwendig. Treffen in Präsenz und das persönliche Gespräch sind essenziell und die Basis für ein gutes Miteinander und das auf allen Ebenen und in allen Beziehungen. Darüber sind wir Beide uns einig. Dennoch bringt eine digitale Ausbildungsmesse auch Vorteile mit sich.

Beispielsweise fühlen sich eher schüchterne Schüler in der digitalen Version besser aufgehoben, da sie sich ohne große Fragen, ein breites Bild über aktuelle Ausbildungsberufe machen können. Einen weiteren Vorteil sehen wir in dem großen Zeitfenster, welches Schülern und Eltern zur Verfügung gestellt wird. So lässt es sich für jeden einrichten alle Berufsgruppen ganz in Ruhe zu erkunden und gegebenen Falls öfter in bestimmte Bereiche zu gehen um Antworten zu später aufkommende Fragen zu finden. 

Wie gestalteten sich die Berufsvorbereitung und das Bewerbungstraining bisher im Rahmen des Unterrichts an Ihrer Schule?

Franziska Papsdorf: ?Die Oberschule Nordwest Torgau ist stolzer Träger des Qualitätssiegels für Berufs- und Studienorientierung. Dies ist eine Auszeichnung, die für sich spricht. Seit vielen Jahren bekommt die Berufsorientierung ein hohes Maaß an Aufmerksamkeit, sei es durch die Arbeit mit dem Berufswahlpass, durch die Berufs- und Familienmesse der Schule, durch die Berufsorientierungswoche oder viele weitere Angebote für unsere Schüler.

Ich selbst bin seit einem Jahr an der Oberschule Nordwest tätig. Für das Schuljahr 2020/2021 habe ich verschiedene Angebote, wie Betriebserkundungen und Messebesuche, geplant. Leider konnten diese bisher situationsbedingt nicht umgesetzt werden. Glücklich bin ich über die Umsetzung der Potenzialanalysen in der Klassenstufe 7.

Während dieser Analyse haben die Schüler in Gruppen- und Einzelaufgaben die Möglichkeit, ihre Stärken in drei verschiedenen Kompetenzfeldern zu zeigen. Diese Potenzialanalyse bildet die Grundlage für die individuelle Zusammenarbeit mit dem Schüler. In Einzelgesprächen werden die Stärken mit den Berufswünschen der Schüler verglichen und ein individueller Entwicklungsplan wird erstellt. 

 

Sebastian Papsdorf: ?Grundlage für die Berufsorientierung an der Oberschule Beilrode ist das schuleigene Konzept zur Berufsorientierung. Darin verankert sind Themen und Aktivitäten, wie die regionalen Berufsinformationstage (BIT) und das Kennenlernen verschiedener Berufsbilder, die bereits lange fester Bestandteil der Berufsvorbereitung sind.

Als Praxisberater unterstütze ich diese Tätigkeiten und erweitere das Spektrum um eigene Module, wie Betriebserkundungen und Messebesuche sowie Besichtigung von Berufsschulzentren in der Region. Ausgangspunkt bildet auch an der Oberschule Beilrode die Potentialanalyse in der Klassenstufe 7.

Das Erstellen von Bewerbungsunterlagen, oft im Zusammenhang mit Bewerbertraining, findet in der Klasse 9, einerseits im Rahmen der „Projektwoche Jobsuche“ und andererseits im Rahmen des Unterrichts, statt. Situationsbedingt, ist es im Schuljahr 2020/2021 möglich, dieses Bewerbertraining durch den Praxisberater auch in Klasse 9 zu unterstützen.

Haben Sie im Nachgang auch mit Schülern über eventuell stattgefundene Messebesuche vom Wochenende gesprochen? Bisher fand die AZUBI-EXPO ja am Torgauer BSZ im Repitzer Weg statt.

Sebastian Papsdorf: ?Jedes Berufsorientierungsangebot, dass durch den Praxisberater angeboten und gemeinsam mit Schülern umgesetzt wird, beinhaltet eine Reflektion. Je nachdem, ob die ganze Klasse oder nur eine Gruppe interessierter Schüler daran teilnimmt, erfolgt diese im Anschluss entweder am Anfang einer Unterrichtsstunde im Kollektiv oder in den Pausen bzw. im Anschluss an den Regelunterricht ganz individuell.

Die Azubi Expo in Torgau oder andere Messen, sind für Schüler und Eltern freiwillig. Deshalb nehmen in der Regel nur Interessierte daran teil. Oftmals ist der Praxisberater mit vor Ort und die Beteiligten besuchen das Angebot gemeinsam. Dann ergibt sich ganz automatisch ein Gespräch über den Erfolg und den Nutzen der Veranstaltung für den Einzelnen.

Zurück im Schulgeschehen erkundigt man sich in den Klassen, welche Schüler außerdem daran teilgenommen haben und ob diese etwas für sich und ihre spätere Ausbildungsberufswahl von diesem Tag mitgenommen haben. Eine persönliche Auswertung und Reflektion der digitalen Azubi Expo ist im Moment schwer umsetzbar. 

Welche Möglichkeiten eröffnen digitale Angebote wie dieses Ihnen und Ihren Kollegen für die Gestaltung der Berufsorientierungsprojekte? Was erhoffen Sie sich davon?

Franziska Papsdorf: ?Wichtige Projekte, wie Betriebserkundungen, konnten in diesem Schuljahr, auf Grund der Kontaktbeschränkungen, nicht stattfinden. Den Schülern dennoch durch digitale Veranstaltungen, einen Einblick in die Berufswelt zu ermöglichen und einen Überblick über regionale Firmen bieten zu können, sehen wir als große Möglichkeit und ist deshalb aktuell ein wichtiger Bestandteil für unsere Arbeit als Praxisberater. Mit Hilfe der digitalen Veranstaltungen, ist es für uns leichter, die Schüler bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz zu unterstützen.

Der Digitalpakt der Bundesregierung soll auch das Argument der mangelnden technischen Ausstattung der Bildungseinrichtungen hinsichtlich fortschreitender Digitalisierung an den Schulen aussetzen. Wie gut ist Ihre Oberschule mit Computern, Laptops, Tablets aufgestellt?

Franziska Papsdorf: ?Im Januar hat die Oberschule Nordwest zwei Gruppensätze Tablets zur Unterstützung des digitalen Fernunterrichtes erhalten. Unsere Schule ist mit interaktiven Tafeln, zwei gut ausgestatteten Informatikräumen und einem digitalem Schwarzen Brett im Foyer technisch sehr gut ausgestattet. Weitere Digitalisierungen sind bereits geplant, doch lässt die Umsetzung noch auf sich warten.

Sebastian Papsdorf: ?Die Schule verfügt derzeit über PC Kabinette, ebenso über Smartboards in einigen Räumen. Zugleich gibt es Laptops, die für Schüler individuell zu Einsatz kommen können. Im Zuge des Digitalpaktes kann sich die Schule demnächst über eine bessere Grundversorgung und eine erhöhte Ausstattung mit digitalen Medien freuen. Die Vorbereitungen und Umbauten finden gerade im Moment an der Oberschule Beilrode statt.

Hatten Sie schon Gelegenheit, mit Ihren Schülern über unsere Messe zu sprechen? Sie werden ja erstmalig - so es in Sachen Präsenzunterricht möglich ist - gemeinsam mit Ihren Lehrern und Mitschülern im Rahmen des Unterrichts einen Rundgang durch die 30 Ausstellerstände machen können. Auch nach dem Live-Event am 19. und 20. bleibt die Messeplattform noch eine Woche lang online, damit ihre Eltern zuhause dieselbe Möglichkeit haben wie sonst vor Ort: Einen Blick auf die zukünftigen Chefs der Sprösslinge zu werfen…

Sebastian Papsdorf: ?Momentan beschränkt sich unser Kontakt zu den Schülern auf die Kommunikation über das Portal LernSax. Über diesen Weg erhalten die Schüler von uns die aktuellsten Termine zu Veranstaltungen rund um die Berufs-, Ausbildungs-, und Studienwelt. Natürlich wäre es von großem Vorteil die Azubi Expo mit der gesamten Klasse zu besuchen.

Auf diesem Weg würden wir gemeinsam in alle Berufsgruppen gehen. Das könnte den Schülern helfen über den Tellerrand hinaus zu schauen und die eine oder andere Möglichkeit für sich zu sehen und als Ausbildungswahl in Erwägung zu ziehen. 

Was würden Sie sich für die Klassen, die nun die AZUBI-EXPO Digital „besuchen“ werden, wünschen?

Wir hoffen auf ein großes Interesse unserer Schüler und wünschen uns, dass die virtuellen Stände intensiv genutzt werden, um sich ein breites Bild der einzelnen Ausbildungsberufe zu machen und sich über regionale Firmen, Schulen und Berufsschulzentren zu informieren. Ebenso hoffen wir auf rege Teilnahme am Live-Event, um alle offenen Fragen loszuwerden. Und natürlich wünschen wir allen Schülern und Eltern viel Freude und viel Erfolg auf der Azubi Expo. 

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