Dienstag, 26. Oktober 2021
Freitag, 12. März 2021

"Wäre nicht Corona, würden wir jetzt Einweihung feiern" 

Heike Karau Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Im großen TZ-Jahres-Interview spricht die Dommitzscher Bürgermeisterin Heike Karau über große Baumaßnahmen, ein neues Hortprojekt, interkommunale Zusammenarbeit und einen erfreulichen Aufschwung in der Gänsebrunnenstadt: 

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Frau Karau, Sie haben für den Fototermin mit der TZ extra das Landambulatorium gewählt. Wie ist denn der aktuelle Stand?

H. Karau. Die Sanierung ist bis auf kleine Restarbeiten abgeschlossen. Hätten wir nicht Corona, stünde jetzt eine große Einweihungsfeier ins Haus. Die baulichen Abnahmen sind durch. Und wie Sie sehen, können wir sehr stolz auf das Ergebnis sein. Alles wirkt neu, modern und schick. 

Wird der Parkplatz im hinteren Bereich noch gepflastert? 

Die Außenanlagen und die Gestaltung des Umfeldes waren von vornherein ausgeklammert. Hier sind wir dabei, über ein gesondertes LEADER-Programm noch einmal Fördermittel in Höhe von 80 Prozent zu erhalten. Mit rund 250 000 Euro möchten wir die Parkplätze für das Personal und den Gehweg um das Gebäude herum pflastern, eine Sitzgruppe und Fahrradständer anschaffen sowie eine Heckenbepflanzung vornehmen. 

Die Sanierung des Landambulatoriums gilt als größte Investition der letzten Jahre in Dommitzsch. Wieso war das so wichtig?

Wir haben seit 2017 dafür rund 2,28 Millionen Euro aufgewendet und etwas mehr als 50 Prozent Zuschüsse erhalten. Uns ging es in erster Linie darum, die ärztliche Versorgung in der ländlichen Region auch über einen längeren Zeitraum hinaus zu sichern. Ich denke, mit diesen modernen Räumen haben wir alle Trümpfe in der Hand, später auch jüngere Mediziner zu finden, die sich hier einmieten. Aber erstmal sind die ansässigen Praxen längerfristig gebunden. Alle Beteiligten sind sehr glücklich über die gelungene Sanierung und ich hoffe, dass wir im April vielleicht doch eine Übergabe im kleinen Rahmen mit Durchschneiden des symbolischen Bandes durchführen können. 

Wer ist im Landambulatorium ansässig?

Ein Hausarzt, ein Zahnarzt, eine Physiotherapie, eine medizinische Fußpflege, eine Hauskrankenpflege sowie die Apotheke. Im unteren Bereich befindet sich die Stadtbibliothek und wir haben endlich auch Räume für unsere Gemeindemitarbeiter. Denn über den zweiten Arbeitsmarkt sind meist acht bis zehn ABMer, Bundesfreiwilligendienstler, Ein-Euro-Jobber usw. für die Stadt tätig. 

Auch an der Feuerwehr wird gerade gebaut. Wie weit sind hier die Arbeiten? 

Wir haben die DIN-gerechte Ertüchtigung auf zwei Jahresscheiben gesplittet. Während voriges Jahr die Sanierung von Heizung, Elektrik und der Einbau neuer Tore im Inneren des Gerätehauses im Vordergrund standen, werden jetzt die Zufahrt und die Parkplätze umgestaltet. Beides kostet jeweils 250 000 Euro und wird mit einer Festförderung finanziert. Zusätzlich haben die Stadträte grünes Licht für eine weitere Maßnahme gegeben. Wir wollen noch ein kleines Nebengebäude errichten und damit Stellflächen für Einsatzfahrzeuge schaffen. So können bald auch die Fahrzeuge aus den Ortsteilen allesamt zentral hier in Dommitzsch unterkommen. 320 000 Euro sind für dieses Projekt veranschlagt. 

Weiterhin ist der Abriss der Wohnblöcke in der Straße des Friedens im Gange. Gibt es Ideen, was mit der Fläche passieren soll?

Da möchte ich erstmal ein großes Dankeschön an die Anwohner richten, die Lärm und Staub ertragen mussten und dafür viel Verständnis aufbrachten. Der Abriss wurde von vielen aufmerksam verfolgt, so mancher hat Videos gemacht und Fotos geschossen. Sicher werden wir die Fläche später einem Investor für neue Wohnbebauung anbieten. Ähnlich wie in der Torgauer Straße gegenüber vom Sportplatz. Allerdings ist auch dazu ein neuer Bebauungsplan nötig. 

Gutes Stichwort: Wann geht es auf dem Areal in der Torgauer Straße richtig los?

Ich denke, dass die ersten zwei Hausbauer in Kürze beginnen. Die Flächen wurden bereits abgesteckt und der Investor selbst hat schon anfangen, die Erschließungsstraße zu errichten. Seit geraumer Zeit herrscht Baurecht. Insgesamt sollen sechs bis sieben Grundstücke entstehen. 

Es gab ja noch einen weiteren Eigenheimstandort bei Penny, den die Stadt vorbereiten wollte. Aber durch die Nähe zur Bahnstrecke haben Sie die Sache auf Eis gelegt oder? 

Wir haben das Verfahren „ruhend gestellt“. Durch den von der Elblandbahn angekündigten Industrieverkehr wären die Auflagen der Fachbehörden sehr hoch. Wir sollten dann zum Beispiel eine Lärmschutzwand errichten. Man kann aber auf die Planungen jederzeit aufbauen. Dies wäre möglich, wenn sich der Verein neu positioniert und beispielsweise einen Verkehr nur für touristische Zwecke ausweist. Weiter vorangekommen sind wir aber im Mahlitzscher Weg. 

Was ist da geplant? 

Die Planung erfolgte bereits 2002 und es besteht somit auch ein Baurecht. Aber damals wurden strenge Regelungen, wie Vorgabe Dachneigung und Fassade, erlassen. Das passt nicht mehr zum heutigen Baustil. Somit werden wir nochmal diese Satzung ändern. Hier kann bereits ein privater Flächenbesitzer Platz für sechs bis sieben Eigenheime anbieten. Leider gab es bürokratische Hindernisse bei der Bauvoranfrage. Gemeinsam mit dem Landratsamt haben wir intensiv nach Möglichkeiten gesucht, einem Interessenten entgegen zu kommen, der sein Haus im Bungalowstil errichten möchte. In den letzten drei Jahren gab es übrigens auch 14 Bauanträge für eine Lückenbebauung im Stadtgebiet, die wir genehmigt haben. Wir freuen uns über solchen Zuspruch. Man merkt: Die ländliche Region wird attraktiver. Viele Leute wollen raus aus der Stadt. 

Das sind gute Nachrichten für Dommitzsch. Man kann sich ja noch gut an die düsteren Prognosen vor acht bis zehn Jahren erinnern, als es hieß, im Zuge des demografischen Wandels werde der Bevölkerungsrückgang drastisch sein! 

Das stimmt. Unsere Aktivitäten haben sich bezahlt gemacht. Mit unserer Infrastruktur müssen wir uns nicht verstecken. Grundschule, Kita, Ärztehaus, Supermärkte – Dommitzsch hat alles, was man braucht. Unsere Baumaßnahmen wurden auch überregional wahrgenommen. In der Fortschreibung des Regionalplanes haben wir jetzt wieder den Status „Grundzentrum“. Noch ist das Papier nicht rechtskräftig, aber ich gehe davon aus, dass es dabei bleibt. Der Gutachter hat in Dommitzsch einen Aufschwung erkannt. Die Bevölkerungszahl ist längst stabil, liegt bei etwa 2470 Einwohnern. Letztes Jahr hatten wir zudem 20 Geburten. Durch die interkommunale Zusammenarbeit mit Bad Schmiedeberg können wir als Verwaltungsgemeinschaft mit Elsnig und Trossin Kräfte bündeln. In dem Pilotprojekt gibt es aktuell drei Schwerpunkte. 

Welche sind das?

Im öffentlichen Nahverkehr sollen Verbesserungen her. Die bestehende Lücke an der Landesgrenze könnte man durch Rufbusse schließen. Dann möchten wir ein gemeinsames Portal im Internet erstellen. Dazu könnte eine Shop-Börse, Veranstaltungskalender, gemeinsames Marketing, Werbung und auch eine Baubörse gehören. Schließlich wollen wir einen zentralen Hort für Kinder aus der Verwaltungsgemeinschaft errichten. Die Kita in Dommitzsch platzt aus allen Nähten. Es ist effektiver, Hort und Grundschule an einem Standort zu haben. Das leer stehende Mittelschulgebäude wäre bestens geeignet. Wir streben eine Einrichtung mit 120 Hortplätzen an. 

Gibt es dafür schon eine Zeitschiene? 

Wir möchten dieses Jahr die Planung angehen und 2022, wenn alles klappt, schon in die Bauphase treten. 

Wie viele Kinder besuchen aktuell die Kita?

Es sind 148 Kinder, davon 27 in der Krippe, 68 im Hort, 53 im Kindergarten, wobei die Betreuungskapazität bei 158 Kindern liegt. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 waren nur 125 Kinder in der Einrichtung registriert. Wir kommen an unsere Kapazitätsgrenzen und müssen handeln. 

Wie ist die Situation in der Grundschule? 

Dort sind 160 Kinder gemeldet. Alle Klassenstufen werden zweizügig geführt. Besonders freuen wir uns, dass das Projekt „Digitale Schule“ große Fortschritte gemacht hat. Im vergangenen Jahr lief die Vernetzung, dieses Jahr wollen wir die Endgeräte wie Notebooks und Tablets anschaffen, einen Hauptserver und WLAN installieren. 

Welche Investitionen plant die Stadt noch in diesem Jahr? 

Die letzten drei Bushaltestellen werden barrierefrei umgebaut, für die Übrige in Proschwitz ist die Planung vorgesehen. 20 000 Euro haben wir gerade für alle Ortsteile ausgegeben, um Papierkörbe, Sitzgruppen und Hundetoiletten anzuschaffen. Mithilfe eines Förderprogrammes möchten wir auch barrierefreie Spielgeräte für das Areal am Penny Markt anschaffen. Außerdem möchten wir den Weg zwischen Seniorenheim und Mehrgenerationenhaus ordentlich herrichten. Wir hätten noch viele Wünsche. Aber alles auf einmal geht leider nicht mit Blick auf die Finanzen. Als kleine Kommune ist es nicht immer einfach. Hier wäre eine stärkere Unterstützung durch den Freistaat Sachsen dringend notwendig.

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