Mittwoch, 14. April 2021
Montag, 15. März 2021

"Über die Geschichten kommen sich die Menschen näher"

2014: Geralf bei den Büffelhorn-Miao in den Bergen Guizhous. Foto: Geralf Pochop

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Einmal um die Welt: Im Erzählsalon „Reisen“ berichtet Geralf Pochop über das Reisen in der DDR, die neue Freiheit danach und seinen Lieblingskontinent.

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Wir alle kennen Lesungen, Vorträge und ähnliches. Doch ein noch nicht ganz so bekanntes Format ist ein Erzählsalon. Was zunächst nach einem gemütlichen Beisammensitzen in einer Art Wohnzimmer mit Vorträgen zu einem bestimmten Thema klingt, findet in diesen Zeiten Corona-bedingt natürlich digital statt. Glücklicherweise können die geladenen Erzähler auch auf diesem Wege ihre Erfahrungen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen mit den Zuschauern und Zuhörern teilen. Weltenbummler, Individualreisender und Torgauer Urgestein Geralf Pochop berichtet am 16. März ab 18 Uhr neben anderen geladenen Gästen wie Sachbuchautor Thomas Schaufuß aus Berlin, Ostsee-Camper Heinz-Günther Müller aus Rehfelde oder auch Nelly Lehmann aus Berlin,  ehemals  FDGB-Feriendienst, über seine Erlebnisse zum Thema „Reisen“ - vor allem in der DDR, zur Wendezeit und nach der Wiedervereinigung. TZ sprach mit dem Torgauer Geralf Pochop über Inhalte und den Grundgedanken hinter dem Projekt. 

Zunächst einmal zum Grundverständnis: Wie läuft ein Erzählsalon unter Corona-Bedingungen ab? 

„Deine Geschichte – Unsere Zukunft“ ist ein großes virtuelles Erzählprojekt. Derzeit läuft die zweite Staffel mit zehn regionalen Salons und zehn überregionalen, thematischen Salons. Die Vorabsprachen mit den Erzählern werden per Mail oder Telefon getroffen. Für den Salon treffen sich die Erzähler in einer Videokonferenz via YouTube. Um Zuschauer-Teilhabe zu ermöglichen, wird der Erzählsalon gestreamt und steht im Anschluss im Netz zur Verfügung. Auf diese Weise verfolgten bereits mehr als 20 000 Internetnutzer die Digitalen Erzählsalons. 

Welche Grundidee steckt dahinter? 

Die Erzählsalons sollen möglichst vielen persönlichen Erfahrungsberichten rund um Wiedervereinigung und die anschließenden Jahre des Umbruchs einen öffentlichen Raum geben. Die Leistungen der Menschen in Ostdeutschland in diesem Transformationsprozess sollen dadurch sichtbar gemacht und gewürdigt werden. 

Worum genau geht es im Digitalen Erzählsalon „Reisen“?

Im Erzählsalon „Reisen“ geht es um die Fragen: Wie urlaubten DDR-Bürger bis dato? Wie wurden die neuen Möglichkeiten erlebt und genutzt? Was veränderte sich nachhaltig und was kam wieder? Wie steht es um Ostdeutschland als Reiseziel? 

Ich selbst berichte von meinen zahlreichen Reisen in die verschiedensten Regionen der Welt. Angefangen von Tramptouren durch Ungarn in den 1980er Jahren und Touren durch ganz West-Europa nach meiner Ausreise im Mai 1989 in die BRD. Später wurde Asien mein favorisierter Kontinent. Besonders eindrücklich war eine zweijährige Reise durch Russland, Vietnam, China, Tibet, Laos, Kambodscha, Myanmar, Thailand, Indonesien, Malaysia und Indien. 

Aber auch eine acht-monatige Reise im VW-Bus durch Europa, mit Frau und drei Kindern, war sehr spannend. Wenn ich die Zeit, welche ich mit Reisen in den letzten 40 Jahren verbracht habe, zusammenzähle, war ich inzwischen mehr als fünf Jahre unterwegs. 

Der Digitale Erzählsalon läuft wie die anderen Erzählsalons dieser Veranstaltungsreihe unter dem Motto: „30 Jahre Deutsche Einheit – Deine Geschichte, unsere Zukunft“ und wurde sogar“bereits mit dem „Einheitspreis 2020“ der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Auf welche Weise kann das Thema „Reisen“ Ihrer Meinung nach zu einem besseren Verständnis und Miteinander zwischen „Ost“ und „West“ oder natürlich auch zwischen verschiedenen Ländern und ihren Kulturen beitragen? 

Durch die vielen Geschichten entsteht ein sehr differenziertes, buntes Bild vom Osten, das Vorurteile und stereotype Einstellungen abbauen kann. Über die Geschichten kommen sich die Menschen näher, entdecken Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Es entsteht Verständnis füreinander. 

Die Erzählsalons beinhalten verschiedenste Themenbereiche, wie Frauen, Familie, Arbeit, Demokratie, Sport oder Natur-und Umweltschutz, um nur einige zu nennen. Wie kam es bei Ihnen zur Wahl des Themas „Reisen“? Wie wurde Ihre Begeisterung für das „Weltenbummeln“ geweckt?

Das begann im zarten Alter von fünf Jahren mit einer Kur in Jugoslawien. Die fremden Eindrücke, welche ich dort innig aufsaugte, haben mich noch lange Zeit begleitet. Als ich dann 1983 das erste mal zwei Monate durch Ungarn trampte, hat es mich dann voll erwischt. Danach verbrachte ich fast jedes Jahr mehrere Monate in Ungarn. 1994 reiste ich das erste mal nach Asien. Vollkommen blauäugig flog ich nach Indien, fast ohne Geld, nur mit einem Rückticket aus China im Gepäck. Das dazwischen Nepal, der Himalaya und Tibet liegen, hatte ich damals nicht auf dem Schirm. Irgendwie habe ich es aber geschafft diese Strecke zu bewältigen. Asien hatte mich so fasziniert, dass ich immer wieder und immer länger dorthin reiste. 2003 dann sogar für zwei Jahre. 

Welche Veranstaltungen stehen in naher Zukunft noch auf der Agenda? 

Ich nehme ausschließlich am Erzählsalon „Reisen“ teil. Es gibt aber weiterhin im wöchentlichen Wechsel regionale Salons, so zum Beispiel aus dem Fläming oder dem Eichsfeld und thematische Salons zum Natur und Umweltschutz oder Politik. Besonders spannend für unsere Region dürfte der regionale Salon Nordsachsen am 13. April 2021 werden. Die Erzähler dazu sind bereits gefunden.

 

Zum Erzählsalon

Der digitale Erzählsalon zum Thema „Reisen“ ist am Dienstag, dem 16. März, ab 18 Uhr auf der Website https://deine-geschichte-unsere-zukunft.de/ als Livestream abrufbar. Einfach auf das Thema „Reisen“ klicken und den Livestream ansehen.


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