Dienstag, 26. Oktober 2021
Mittwoch, 17. März 2021

"Man muss die Tiere kommen lassen"

Henrik Kochinke sowie Freizeitreiterin Nadja Koß mit ihrem Friesenhengst Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Wer sich in der Region mit Pferden beschäftigt, kennt garantiert auch seinen Namen. Jetzt konnte Sattlermeister Henrik Kochinke aus Dommitzsch das Silberne Meister-Jubiläum feiern. 

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Wer sich in der Region mit Pferden beschäftigt, kennt garantiert auch seinen Namen. Die meisten Reitfreunde gehören direkt zu seinem großen Kundenstamm. Nun freut sich Sattlermeister Henrik Kochinke aus Dommitzsch, die Urkunde zum Silbernen Meister-Jubiläum in den Händen halten zu dürfen. 25 Jahre lang arbeitet er mittlerweile in einer Branche, in die er mehr oder weniger durch Zufall hineingeraten ist. 

Fügung 

Aus heutiger Sicht sei es eher eine glückliche Fügung gewesen. „Denn ich habe meinen absoluten Traumberuf erwischt“, sagt Henrik Kochinke mit dem Brustton der Überzeugung und blickt dabei stolz auf seine Urkunde. Eigentlich sollte der Dommitzscher sie im Februar bei der Messe „Haus Garten Freizeit“ in Leipzig feierlich aus den Händen eines Vertreters der Handwerkskammer in Empfang nehmen. Doch die Veranstaltung wurde wegen Corona abgesagt. 

Somit fand das ehrwürdige Papier doch sehr unspektakulär den Weg in die Gänsebrunnenstadt. Der Überbringer hatte keinen schicken Schlips, sondern nur die gelbschwarze Post-Jacke an. Egal. Überhaupt musste Henrik Kochinke mit Blick auf das anstehende Jubiläum ein bisschen nachhelfen, denn seine Meisterprüfung hatte er damals in Nordrhein-Westfalen abgelegt. Bei der Handwerkskammer in Leipzig war man nicht im Bilde. Erst eine Rückfrage in Dortmund und die Vorlage der Original-Dokumente brachten die Bestätigung. 

Detailgenauigkeit 

„Ich kenne niemanden im Umkreis, der das macht, was ich mache“, lächelt der 47-Jährige. Er habe sich schon seit längerer Zeit auf das Anpassen der Sattel spezialisiert. Die nächsten Anbieter seien erst wieder im Raum Dresden und Bautzen zu finden. Wie wichtig aber gerade diese Feinabstimmung und absolute Detailgenauigkeit ist, kann Freizeitreiterin Nadja Koß aus Bennewitz bestätigen, die seit Beginn die Dienste von Henrik Kochinke in Anspruch nimmt.

TZ durfte gestern dabei sein, als sich der Sattlermeister gerade um ihren Friesenhengst „Sep“ kümmerte. „Pferde verändern sich ständig in Figur und Form. Erst werden sie größer, bauen Muskeln auf, später nimmt der Körperbau wieder etwas ab. Mindestens einmal im Jahr sollte man einen Fachmann schauen lassen, ob der Sattel noch optimal sitzt“, erklärt Nadja Koß. Es sei ein wichtiger Beitrag, die Tiere gesund zu halten. 

Fatale Folgen 

Wenn die Kammer des Sattels nicht richtig eingestellt oder die Polsterung verschlissen sei, könne das fatale Folgen haben. Angefangen von Druckstellen und Rückenproblemen beim Pferd bis hin zum punktuellen Abbau der Muskulatur. Falscher Druck am Trapezmuskel oder im hinteren Lendenwirbelbereich – ausgelöst durch einen falschen Schwerpunkt des Sattels – sorgen für gesundheitliche Probleme. Mit seiner Erfahrung sieht es Henrik Kochinke vielen Pferden mittlerweile an, ob alles stimmt. „Man erkennt es an der ganzen Mimik, an Augen und Ohren, während manche Tiere mit Satteldruck sogar aggressiv reagieren, wenn man ihnen das Leder anlegen will. Er habe oft erlebt, dass sich Pferdehalter ihre Ausrüstung preiswert und ohne größere Gedanken angeschafft hätten. 

Irgendwann aber zeigt das Tier Reaktionen, indem es buckelt, den Reiter abwirft oder sogar beißt. Dann kommt der Sattler ins Spiel. 

Enger Draht 

Der Dommitzscher hat einen besonderen Draht zu den edlen Vierbeinern entwickelt und damit schon oft für Erstaunen gesorgt. „Erst neulich in Teutschenthal hatte ich ein Pferd, das sonst absolut keine Männer mag. Nach nur zwei bis drei Minuten war der Bann gebrochen“, lacht Kochinke. Mit seiner ruhigen Ausstrahlung schaffe er es, das Vertrauen der Rösser zu gewinnen. „Man muss die Tiere kommen lassen, nicht sofort selbst hingehen oder womöglich noch die Hand ausstrecken“, nennt er die größten Fehler. Respekt, aber auch viel Liebe zum Pferd gehören dazu. Weil bei Henrik Kochinke noch unsägliche Liebe zum Handwerk dazu kommt, habe er sich in der Reitszene einen Namen gemacht. Und das ohne Werbung. Und ohne Präsenz im Internet. 

Neukunden 

Die mobile Sattlerei Kochinke steuert inzwischen Reiterhöfe im Umkreis von 100 bis 120 Kilometern an. Etwa zwei bis drei Neukunden melden sich beinah täglich – allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch einige Promis waren schon dabei wie RB Leipzig Sportdirektor Markus Krösche oder Ex-Torwart Perry Bräutigam, deren beider Frauen sich dem Pferdesport verschrieben haben. Zwar verkaufe er auch noch Sattel fremder Marken, aber zu 95 Prozent widme er sich ausschließlich der Sattel- Anpassung. Etwa 1000 Kunden betreue er aktuell. Gut 500 Sattel im Jahr habe er zu bearbeiten. Beim Neuaufpolstern verwende er Syntetikwolle, die durch geübte Handgriffe in den Sattel eingebracht wird. 

Anstieg 

Die Pferdehaltung habe extrem zugenommen. „Anfang der 90er Jahre war es in meiner Branche extrem schwer. Da gab es vielleicht 20 Prozent des heutigen Bestandes“, schätzt Kochinke. Doch inzwischen müsse er sich keine Gedanken mehr machen. Vormittags sitze er in der Werkstatt, um Sattel zu ändern oder zu reparieren. Nachmittags fahre er die Reiterhöfe ab. Im Schnitt drei bis fünf am Tag. 450 Kilometer seien keine Seltenheit. Feierabend sei nicht vor 20 oder 21 Uhr. Als „Hauptkampftag“ gelte aber der Sonnabend. Dann sind im Schnitt sieben bis acht Reiterhöfe abzuklappern. 

Gleiche Tour 

Wenn Henrik Kochinke die Sattel mitnimmt, steht meist zwei bis drei Wochen die gleiche Tour wieder an. Rund 80 Prozent der Kunden seien Freizeitreiter, der Rest Turnierreiter. Nur der Sonntag gehört der Familie. Ehefrau Brit ist im Unternehmen integriert. „Sie war mein erster und einziger Lehrling. Meine Tochter (13) ist noch unentschlossen“, lächelt der Dommitzscher. Seine eigene Ausbildung habe er bei Sattlermeister Ernst Wolff in Graditz gemacht, den er sehr schätzt und manchmal noch besucht. 

Beeindruckt 

Die überbetriebliche Ausbildung fand in Weida bei Gera statt. „Ich wollte nach der 10. Klasse irgendwas mit Tieren machen. Mein Vater, ehemals LPG-Vorsitzender, zeigte mir dann das Gestüt und die dortige Sattlerei hat mich nachhaltig beeindruckt“, blickt der Jubilar zurück, der inzwischen sogar von Osteopathen und Tierärzten empfohlen wird. In seiner knappen Freizeit engagiert sich Henrik Kochinke im Vorstand des SV Grün-Weiß Dommitzsch, leitet den örtlichen Skatclub mit über 20 Mitgliedern und betätigt sich als Elternsprecher in der Klasse seiner Tochter.

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