Mittwoch, 14. April 2021
Freitag, 19. März 2021

Erfolgreicher Kampf gegen eine virtuelle Grenze

Das Team der Gemeinschaftspraxis Lau Röcknitz.Foto: Kristin Lurt.

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Röcknitz. Die Gemeinschaftspraxis Lau hat viele Hindernisse aus dem Weg geräumt, um die medizinische Versorgung in der Region Schildau/Mockrehna zu unterstützen.

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Die ärztliche Versorgung in der Region um Mockrehna und Schildau hat sich in den zurückliegenden Monaten sichtlich entspannt. Der Grund dafür ist nicht in Nordsachsen zu finden, sondern kurz hinter der Grenze zum Landkreis Leipzig. In Röcknitz, um genau zu sein. Dort haben die beiden Allgemeinmediziner Dr. Daniela und Dipl.-Med. Gerhard Lau gemeinsam mit ihren angestellten Ärztinnen Dipl.-Med. Kornelia Schwabe und Dr. Liudmyla Reichel sowie einem kompetenten Praxisteam die Gemeinschaftspraxis Lau etabliert.

Hartes Ringen

Nach einem anstrengenden Ringkampf mit der sächsischen Gesundheitsbürokratie verfügen die Röcknitzer nun offiziell über einen Kassenarztsitz in Nordsachsen. Der ist notwendig, um die ärztlichen Leistungen für die zusätzlichen Patientinnen und Patienten aus der nahe gelegenen Region betriebswirtschaftlich sinnvoll abrechnen zu können.

Denn jede Kassenzulassung für einen Arzt ist an ein maximales Budget gebunden, das sich nicht an den tatsächlichen Patientenzahlen, sondern an zentral vorgegebenen Durchschnittswerten orientiert. Die Gemeinschaftspraxis Lau behandelt schon immer auch Patienten aus den nahe gelegenen nordsächsischen Gemeinden Schildau und Mockrehna.

„Da mag eine Grenze auf der Landkarte existieren, für die Menschen spielt diese Linie aber keine Rolle“, weißt Gerhard Lau.

Zunehmend akut geworden ist die Situation allerdings mit dem Tod des Mockrehnaer Mediziners Peter Geus im Sommer 2018. „Plötzlich hingen viele Patienten in der Luft und auch das Pflegeheim in Mockrehna stand vor einem großen Problem“, erinnert sich der erfahrene Landarzt.

Der Druck wuchs

Mit dessen Chefin Rosel Müller-Süptitz arbeiten die Röcknitzer Mediziner schon seit vielen Jahren eng zusammen. Doch der gemeinsame Plan, eine Zweigpraxis in Mockrehna zu errichten, scheiterte nach einigen Monaten. Zu viele Hürden standen im Weg.

2020 verschärfte sich die hausärztliche Versorgungssituation in der Region weiter. Spätestens seit der Schließung der Praxis von Dr. Meumann in Schildau auf nicht absehbare Zeit wuchs der Handlungsdruck.Als im September 2020 im Torgauer Ärztenetz intensiv über die Landarzt-Situation diskutiert wurde, luden die Elbestädter auch Dr. Daniela Lau ein, um Erfahrungen auszutauschen.

Das war die Initialzündung. Kurz darauf präsentierte sie die Idee, für die Gemeinschaftspraxis Lau einen zusätzlichen Kassenarzt-Sitz zu beantragen, um von Röcknitz aus die nordsächsische „Grenzregion“ regulär versorgen zu können.

Aufgeklärt

Was einfach und logisch klingt, drohte zunächst allerdings abermals an der Bürokratie zu scheitern. Denn: Während der Landkreis Nordsachsen als mit Hausärzten unterversorgt gilt, ist der Landkreis Leipzig überversorgt: Zusätzliche Arztsitze sind ausgeschlossen. Das Vorhaben dennoch aufs richtige Gleis zu setzen, „war ein enormer Kraftaufwand“, berichtet Dr. Daniela Lau.

Zunächst musste sogenannter Sonderbedarf beantragt werden. Eine daraufhin von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) initiierte Befragung der Ärzte aus der Torgauer Region brachte zunächst nicht viel Zählbares und vor allem keine durchgehende Zustimmung.

Allerdings hatte es die KV verabsäumt, den Grund für die mögliche Genehmigung eines zusätzlichen Arzt-Sitzes zu erläutern. Hier sprang das Torgauer Ärztenetz bei und leistete Aufklärungsarbeit zu dieser sinnvollen Ergänzung. Mit der Zustimmung ihrer Kollegen im Rücken, die nun auch einen zusätzlichen Arzt im Bereitschaftsdienst-System haben, überzeugte Familie Lau schließlich auch die KV.

4000 Patienten

Von den rund 4000 Patientinnen und Patienten, die jedes Quartal durch die Gemeinschaftspraxis Lau behandelt werden, kommen inzwischen rund 1200 aus der Region Mockrehna/Schildau. Hausbesuche werden in der Region absolviert, die Pflegeheime profitieren ebenfalls von der deutlich verbesserten Konstellation. Zu tun bekommen es die Menschen in der nordsächsischen Grenzregion vor allem mit Gerhard Lau und Dr. Liudmyla Reichel.

„Wir haben das Gefühl“, so Gerhard Lau, „dass die Patienten, die zu uns kommen und die wir besuchen, ganz froh darüber sind, dass diese Kreisgrenze nur virtuell existiert.“

Informationen zu Geschichte, Anfahrt, Öffnunngszeiten und Leistungen der Gemeinschaftspraxis Lau finden Sie auf deren Internetseite. 


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