Montag, 17. Mai 2021
Montag, 22. März 2021

Schuhe auf Abwegen?

Zu diesem Zeitpunkt waren die Schuhe auf den Torgauer Rathausstufen noch vollzählig.Foto: privat

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau/Schildau. Der stille Elternprotest gegen die erneute Schließung von Kitas und Schulen war in Torgau schon am Montagmorgen wieder Geschichte.

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Um ihrem Protest gegen die erneute Schließung von Kindereinrichtungen und Schulen in Nordsachsen wegen zu hoher Corona-Inszidenzwerte Ausdruck zu verleihen, wurden am Wochenende unter anderem auch vor den Rathäusern in Torgau und Schildau Kinderschuhe und -stiefel platziert. Während Belgern-Schildaus Bürgermeister Matthias Griem (FWG) den Ausdruck des stillen Protests bis zum Dienstag unangerührt lassen will, staunte seine Torgauer Amtskollegen nicht schlecht, als am Montagmorgen in Torgau fast alle Schuhe und Plakate schon wieder verschwunden waren. „Ich kann kaum glauben, dass Menschen so unfassbar bösartig sein können“, schrieb Romina Barth (CDU) auf Facebook. „Sind wir ernsthaft so tief gesunken, dass friedliche Proteste mit Füßen getreten werden?“ fragte Barth, die sich dennoch nicht davon abbringen lassen wolle, die Bevölkerungsmeinung zu den Kita- und Schulschließungen weiterhin in Dresden zu vertreten.

Nachdem es den hiesigen Kommunen vor zwei Wochen noch gelungen war, eine Schließung der Einrichtungen abzuwenden, sind unter anderem nun auch Matthias Griem und sein Schkeuditzer Amtskollege Rayk Bergner (CDU) enttäuscht. Die Situation sei unbefriedigend, zumal keine greifbare Perspektive aufgezeigt werde. Bergner sieht nur folgende Lösung: Testen und schnellstens impfen. Die Öffnung von Schulen und Kitas dürfe nicht länger an die Inszidenzwerte gekoppelt sein. Bergner kündigte an, die in Schkeuditz vorgefundenen Schuhe nach Dresden zu bringen.

Unterdessen gab es auf der Facebookseite der Torgauer Zeitung noch am Sonntagabend eine kritische Meinung zu der Schuhaktion. So diene das Schuhsymbol als Metapher für das systematische Vernichten von Kindern im Konzentrationslager Majdanek. In diesem Zusammenhang wurde an das Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin“ von Johannes R. Becher erinnert und die Frage aufgeworfen, ob die Menschen die Pandemie mit dem Holocaust gleichsetzen.

Mit dieser Frage wandte sich die Torgauer Zeitung gestern umgehend an Robert Parzer vom Torgauer Dokumentations- und Informationszentrum. Parzer kennt die KZ-Gedenkstätte Majdanek von zahlreichen Besuchen und weiß um das bedrückende Gefühl, durch eine Baracke zu laufen, in der zuhauf getragene Häftlingsschuhe an das grauenhafte Schicksal ihrer Träger erinnern. „Allerdings würde ich nicht so weit gehen, zu behaupten, dass Leute, die Kinderschuhe als stillen Protest gegen die Kita- und Schulschließungen vor Rathäuser stellen, bewusst auf Majdanek anspielen“, sagte der Geschichtsexperte.


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