Mittwoch, 14. April 2021
Montag, 22. März 2021

Das Waldbad wird zum Surferparadies

Waldbad Mehderitzsch: Torgaus erste Adresse unter den Freibädern der Region. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Erfrischung gefällig? Dann ab ins kühle Nass! Bei genügend warmer Witterung ohne Regen gibt es südlich von Torgau in Mehderitzsch eine nahezu idealle Gelegenheit dafür.

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In der Sonne braten, im Sandstrand buddeln oder sich im kühlen Nass erfrischen – was nach Ostsee-Urlaub klingt, ist tatsächlich Torgaus erste Adresse unter den Freibädern der Region. Nur sieben Kilometer Luftlinie südlich des Torgauer Markplatzes wird zukünftig auch ohne stehende oder brandende Welle im Waldbad Mehderitzsch schneller gesurft werden können. Aktuell wird einmal quer durchs Waldbad das neue Internetkabel von Bennewitz kommend verlegt.

Von Bennewitz kommend wird das Internetkabbel einmal quer durchs Waldbad verlegt.

Wasser marsch!
Gespeist mit Quellwasser der Dahlener Heide zeichnet sich der  Teich des Waldbades durch eine gute Wasserqualität aus. „Es fehlen noch 25 Zentimeter“, sagt Bernd Dimde, dann sei der Teich voll. Durch den Ton-Untergrund ist er von Natur aus nach unten abgedichtet. Für einen verbesserten Zufluss wollen die Bungalow-Besitzer hinter dem Bad noch ein paar Hindernisse aus dem Graben räumen. „Über diesen läuft das Wasser aus der Dahlener Heide in den Teich“, so der Müllermeister. Der Graben wurde 1967 ausgebaut. Laut Bernd Dimde wurde auf Anregung des damaligen Mehderitzscher Bürgermeisters 1972 das Waldbad eröffnet. Zu DDR-Zeiten seien hier 800 bis 1000 Badegäste pro Tag begrüßt worden. Die Wasserqualität scheint über die Jahrzehnte allzeit sehr gut gewesen zu sein. „Das Wasser ist noch nie gekippt“, berichtet Bernd Dimde. Das liegt offensichtlich auch am steten Zufluss von Frischwasser.  „Mittlerweile hat sich am Boden eine dünne Schlammschicht gebildet“, erläutert Bernd Dimde. Dies sei eine Folge der Trockenheit. Zum Reinigen des Untergrundes muss das Wasser abgelassen werden, aber dann hätte sich der Teich nicht wieder weit genug zum Baden gefüllt. Doch auch so waren die Auswirkungen des fehlenden Niederschlags  voriges Jahr zu spüren: Der Wasserstand war deutlich niedriger, wodurch die Rutsche nicht in Betrieb genommen werden konnte. Auch der Badeponton war gesperrt. Er diente sonst als Plattform für einen Sprung ins kühle Nass. „Die Plattform wird von einem Betonklotz an Ort und Stelle gehalten, auf dem man unter Umsta¨nden auftreffen kann“, erläuterte im August 2020 Bademeister Benjamin Woelki gegenüber der TZ. Neben den Badegästen tummeln sich noch ein paar Graskarpfen im Teich. „Gegen das Verkrauten“, sagt der heutige Futtermittelhändler. Sorge macht dem Müllermeister der Wald. „Der Borkenkäfer frisst ihn auf“, ordnet Bernd Dimde ein.

Bernd Dimde ist Müllermeister und Besitzer des Waldbadgrundstücks.
Bis 2003 mahlte er noch Mehl in der Oberwalkmühle.

Ursprünglich diente der Teich mit einer maximalen Wassertiefe von etwa 1,8 Metern der Wasserversorgung der Oberwalkmühle direkt nebenan.  „Die Unterwalkmühle ist ein paar Meter Richtung Torgau“, erläutert  Bernd Dimde. Dort habe es sogar zwei Teiche gegeben. „Aber einer ist ausgetrocknet und mit Eschen bewachsen“, so der Müllermeister. Das kleine Wäldchen nördlich der Oberwalkmühle wächst in der ehemaligen Lehmgrube der beiden Walkmühlen. „Hier gewann man den Lehm zum Walken der Stoffe“, blickt er zurück.

Im Jahr 1947 eröffnete sein Großvater die Mühle zur Mehlproduktion. „Natürlich elektrisch betrieben“, sagt Bernd Dimde. Ab 1966 stieg Bernd Dimde als Lehrling in den Familienbetrieb ein. Nach seiner erfolgreichen Meisterprüfung im Jahr 1978 übernahm er den Betrieb  1982 und mahlte noch bis 2003 Korn zu Mehl. „Doch dann lohnte es sich nicht mehr“, bedauert er das Aus der Mühle.

Die erste Schippe ist schon am Start und kann es kaum noch aushalten,
wieder von Kinderhand geführt loszugraben.

Klar bei Bemmbüchse?
In der kommenden Badesaison steht aber die kulinarische Versorgung auf der Kippe – der bisherige Pächter gab den Betrieb der Waldbadschenke auf. Bislang schweigt die Stadt Torgau als Betreiber des Freibades zu einem Nachfolger, sucht aber aktuell auf dem Internetportal „Ebay-Kleinanzeigen“ nach einem neuen Betreiber. „Der Imbiss ist Teil des Freibades. Das Mindestgebot beträgt 65 Euro Pachtzins pro Monat“, heißt es unter anderem in der Anzeige. Als Ansprechpartnerin und Empfängerin von Bewerbungsunterlagen wird Astrid Jessolat genannt, Sachbearbeiterin im Facilitymanagement der Stadt Torgau.

Fürs leibliche Wohl könnte gesorgt sein, wenn es einen Betreiber gäbe. Der vorige Pächter warf vergangenes Jahr das Handtuch. Jetzt sucht die Stadt einen Nachfolger.

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