Dienstag, 26. Oktober 2021
Montag, 22. März 2021

"Wir wollen Kulturschaffenden ein Gesicht geben"

Christina Gaudlitz und Karl-Friedrich Potzelt nehmen an der Initiative teil, um auf die prekäre Situation der Kulturbranche aufmerksam zu machen. Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau/Nordsachsen. Abgesagte Konzerte, Theaterstücke, geschlossene Museen – Nordsachsens „Kulturgesichter“ machen auf die prekäre Situation der Kulturbranche im Rahmen der Corona-Pandemie aufmerksam. 

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Die Tontechniker überprüfen noch ein Mal den Sound, die Lichttechniker nehmen die letzten Einstellungen vor. An den Getränke- und Imbisswagen stehen die Gastronomen und freuen sich auf zahlreiche Gäste. Die Band nimmt noch einen letzten Soundcheck vor. Die Eventmanagerin spricht mit den Künstlern noch einmal die Abläufe ab. Der Fotograf bringt sich in Positur, um den besten Blick auf die Bühne zu erhaschen, die Security lässt die  Gäste ein. Und dann geht es los: Das Licht geht aus und alles wird still. Schließlich durchbricht ein lautes, durchdringendes Gitarrenriff die Stille und das Publikum beginnt zu jubeln …

Eine Beschreibung, bei der sicherlich nicht nur diejenigen von einer gewissen Wehmut und schmerzlichen Erinnerung gepackt werden, die regelmäßig Konzerte besuchen.  Denn dieses Bild lässt sich in angepasster Form auf alle möglichen Arten von kulturellen Veranstaltungen übertragen: Angefangen beim Rockkonzert  über klassische Konzerte  oder den Auftritt des Kinder- und Jugendchors in der Musikschule über Theaterstücke, Musicals und Kabaretts bis hin zum Museumsbesuch, bei dem man von der Atmosphäre der künstlerischen Werke in seinen Bann gezogen wird. 

Deutschlandweite Aktion: Ohne uns ist’s still

Schmerzliche Erinnerungen werden hierbei jedoch nicht nur beim Publikum wach, das inzwischen schon wieder seit Monaten auf kulturelle Veranstaltungen verzichten muss, sondern vor allem auch bei den Menschen, die hauptberuflich davon leben müssen oder in ihrer Freizeit einem geliebten Hobby in diesem Bereich nachgehen. Kaum eine andere Branche musste seit Beginn der Corona-Pandemie so sehr unter den damit einhergehenden Einschränkungen leiden wie die Kulturbranche, die mit zahllosen ausgefallenen oder verschobenen Veranstaltungen leben muss. Um auf diese für die Kulturschaffenden existenzbedrohende Situation aufmerksam zu machen, wurde die Aktion „Kulturgesichter – Ohne uns ist’s still“, eine deutschlandweite Initiative der Veranstaltungsbranche, ins Leben gerufen. 

Zahlreiche Berufszweige betroffen

Ziel der Initiative ist es, der seit Mitte März 2020 vom bestehenden Veranstaltungsverbot betroffenen Branche Sichtbarkeit und Beachtung zu verschaffen, da diese existenziell so stark bedroht sei wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland. „Wir sind die Gesichter neben, hinter und auf den Bühnen. Wir sorgen für eine bunte Kulturlandschaft. Wir möchten […] auf lokaler und regionaler Ebene auf die prekäre Situation der Kulturschaffenden vor und hinter den Kulissen in unserer Region aufmerksam machen“, so der Wortlaut auf der offiziellen Website „Kulturgesichter Nordsachsen“. 

Wer dabei in erster Linie an die Künstler und die Kulturbetriebe denkt, in denen die Events stattfinden, sollte nicht vergessen, dass noch so viele weitere Berufszweige zur Veranstaltungsbranche gehören, ohne welche die Konzerte, Theaterstücke und vieles mehr ebenfalls gar nicht erst zustande kommen würden, wie zum Beispiel Techniker, Eventmanager, Messebauer und technische Dienstleister,  Caterer, Grafiker, DJs und viele mehr. Denn ohne all diese Menschen ist’s und bleibt’s still. 

Kulturbastion Initiator für Nordsachsen

Da für die einzelnen Regionen beziehungsweise Landkreise jeweils ein eigener Initiator gebraucht werde – wie Hendrik Herder, Programmplaner der Kulturbastion Torgau, erklärt – sei die Kulturbastion angesprochen wurden, ob sie nicht Lust habe, als Initiator der Aktion für Nordsachsen zu fungieren. „Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, dass man dabei gleich an uns gedacht hat, denn das spricht dafür, dass wir bereits einen gewissen überregionalen Bekanntheitsgrad erlangt haben“, erklärt der KAP-Mitarbeiter das Zustandekommen der hiesigen Aktion. 

Fotoshooting für Porträtkampagne

Im Rahmen der dazugehörigen Porträtkampagne fand am vergangenen Samstag, 20. März, unter strenger Einhaltung der Hygieneregeln von 11 bis 19 Uhr ein Fotoshooting in den Räumen der Kulturbastion statt. 

Nacheinander wurden die Teilnehmer einzeln in den Raum gerufen, in dem die Fotoaktion stattfand, bei der Christina Gaudlitz als Fotografin fungierte. Jede Person bekam die Aufgabe, eine ernste Pose zum Unterstreichen der momentan prekären Lage sowie eine optimistische Pose, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen soll, einzunehmen. 

Mit dabei waren viele bekannte Gesichter der Region wie Karl-Friedrich-Potzelt vom Torgauer Entenfang, KAP-Geschäftsführer Uwe Narkunat, Thomas Richter, Organisator und Veranstalter hiesiger, überregional bekannter Festivals wie „In Flammen“, Fotograf Oliver Ulbricht, außerdem Christina Gaudlitz, Vorsitzende des Jugendteams Torgau e. V., Weltenbummler und Autor Geralf Pochop, Feuerkünstler Tim Messerschmidt (Feuershow Weltenbrand), Kulturhaus-Chefin Victoria Troka und Lutz Wolf, Sänger der Band „The Harvest Community“, um nur einige zu nennen.

„Wir sind zufrieden mit der Beteiligung. Insgesamt haben rund 50 Personen aus ganz Nordsachsen, unter anderem aus Torgau, Delitzsch, Oschatz und Eilenburg, teilgenommen. Vertreten waren beispielsweise Eventplaner, Musiker, Schauspieler, Caterer, Fotografen, Gastwirte oder auch Veranstaltungstechniker“, berichtet KAP-Programmplaner Hendrik Herder. 

„Die Menschen sind hungrig nach Kultur“

„Konzerte und Musikveranstaltungen formen die Gesellschaft und sind ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens“, betont Karl-Friedrich Potzelt seine Motivation, sich an der Initiative zu beteiligen und ergänzt: „Die Menschen sind inzwischen einfach nur noch hungrig nach Kultur. Es wird eine Zeit nach Corona geben. Aus diesem Grund müssen wir jetzt optimistisch bleiben und nicht aufgeben.“ Uwe Narkunat und Hendrik Herder erhoffen sich, mit den Kulturgesichtern „Menschen, für die Kultur nicht unbedingt eine übergeordnete Rolle spielt, bewusst zu machen, was an Kultur alles dranhängt“. 

Christina Gaudlitz vom Jugendteam Torgau habe sich „extrem gefreut“, dass sie die Fotos machen durfte, da sie privat viel auf Konzerte und Festivals gehe, Events fotografiere und selbst mit veranstalte. 

Feuerkünstler Tim Messerschmidt hat vor allem aus dem Bedürfnis heraus an der Aktion teilgenommen, dass sich an der momentanen Lage etwas ändern muss: „Die Situation ist wirklich dramatisch. Gerade vielen Solo-Selbstständigen bleibt ja im Moment kaum noch etwas anderes übrig, als ihren Beruf aufzugeben oder sich umzuorientieren. Das wäre ein sehr großer Verlust für unsere Kultur.“ 

Thomas Richter bringt es schließlich kurz und knapp auf den Punkt: „Jedes Gesicht ist ein Gesicht mehr, um Probleme aufzuzeigen.“

Denn: Ohne und ist's und bleibt's still. 

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