Sonntag, 18. April 2021
Freitag, 26. März 2021

Torgauer Hockey-Helden

Die Torgauer Hockey-Legende Dirk Zimmermann ist inzwischen 77 Jahre alt.Foto: Norbert Töpfer

Von unserem Mitarbeiter Norbert Töpfer

Die Lok-Männer spielten eine Saison in der höchsten DDR-Klasse. Hoffen auf den Nachwuchs.

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Torgau. Torgaus Hockeysport hat schon viel bessere Zeiten erlebt. Inzwischen trainieren und spielen auf dem Sportplatz an der Dahlener Straße - früher der sogenannte Postsportplatz - nur noch Nachwuchsspieler. Eine Männermannschaft existiert nicht mehr.

Doch gerade Torgaus Herrenmannschaft sorgte 1981 für einen Paukenschlag. Die Mannschaft stieg als Oberliga-Meister in die Verbandsliga auf. Das war zu DDR-Zeiten die höchste Spielklasse. Allerdings mussten die Spieler der BSG Lok schnell erkennen, dass die Liga eins eine Nummer zu groß war. Nach einem Jahr stiegen sie 1982 in die Oberliga ab.

Dirk Zimmermann hat diese Zeiten miterlebt. Er war einer der Angreifer der Torgauer Mannschaft. „Das war eine schwere Saison für uns. Eine Chance, den Klassenerhalt zu schaffen, hatten wir nie“, erinnert sich der 77-Jährige und fügt an: „Aber es gab natürlich für uns alle zwei klasse Jahre. Das gilt für das Aufstiegsjahr und die Saison in der Verbandsliga.“

In Torgau bekamen diesen Höhenflug nicht so viele Sportbegeisterte mit. In der Torgauer Kreisausgabe der damaligen Leipziger Volkszeitung waren über diesen Aufstieg ganze 30 Zeilen zu lesen. Darin war aber auch schon die Statistik über die Aufstiegsspiele zu lesen, die in der damaligen Hockey-Hochburg Köthen ausgetragen wurden.

Die Torgauer verloren gegen Lok Schwerin mit 2:5. Die Tore für die Elbestädter schossen Peter Ende und Rainer Schwürz. Danach trennten sich Schwerin und Jena 1:1. Das entscheidende Match in dieser Endrunde entschieden die Lok-Spieler gegen Carl Zeiss Jena mit 2:1 für sich. Die Treffer zum Sprung ins Oberhaus erzielten Lutz Lahl und Peter Ende. Das reichte für Platz zwei.

„Der Jubel war grenzenlos“, erinnert sich Dirk Zimmermann, der damals als schneller Rechtsaußen unterwegs war. Die Torgauer Mannschaft trat zu diesen Aufstiegsspielen in folgender Besetzung an: Günter Pianski, Lutz Lahl, Thomas Franke, Uwe Reiche, Johannes Müller, Sieghard Sasse, Wilfried Sasse, Rainer Schwürz, Hartmut Schwürz, Wolfgang Schwürz, Uwe Pankrath, Jürgen Pankrath, Heinz Röthel, Peter Ende, Jörg Peter Brecht, Dirk Zimmermann, Klaus-Jürgen Zimmermann, Bernd Loerzer, Karsten Kummer. Trainer war der legendäre Werner Mitdank.

Eine Ehrung durch die Stadtverwaltung Torgau für diesen sensationellen Aufstieg ins DDR-Oberhaus bekamen Zimmermann und seine Teamkollegen nie. In der Saison in der Verbandsliga änderten sich die Zuschauerzahlen auf dem Sportplatz an der Dahlener Straße nicht. „Es waren wie in den Jahren zuvor immer so rund 50 Leute, die uns spielen sehen wollten“, erinnert sich Dirk Zimmermann. Auch in den Hochburgen der DDR kamen nicht viel mehr Leute zu den Spielen.    

In der Verbandsliga wurde im Gegensatz zu Liga zwei der Aufwand für die Auswärtsspiele größer. Die Torgauer hatten beachtliche Reisen wie zum Beispiel nach Schwerin zu bestreiten. Vor allem waren die Schützlinge von Trainer Mitdank länger als andere Teams unterwegs. Der Grund: „Trägerbetrieb“, so hieß es im DDR-Jargon, war die Deutsche Reichsbahn. Das bedeutete, dass die Lok-Spieler per Bahn zu ihren Auswärtsspielen reisen mussten.

„Das hat manchmal schon so lange gedauert, dass wir im Spielort übernachten mussten. Aber der Vorteil  der BSG Lok war, dass alle unsere Mannschaftsfahrten unter Freifahrten liefen und somit unsere Kasse nicht belasteten. Wir mussten uns als Mannschaft sogar selbst  die Freifahrtscheine für die Bahnfahrt besorgen“, erzählt Dirk Zimmermann lachend und fügt an: „ Aber wir lernten auch die Spielstädten einiger traditionsreicher Vereine wie Traktor Osternienburg und Motor Köthen kennen.“ Meister wurden 1981 die Osternienburger aus dem jetzigen Sachsen-Anhalt. Damals gehörte das „Hockey-Dorf“ noch zum sogenannten Bezirk Halle.

Die TZ wollte gern ein Foto der legendären Torgauer Hockeyspieler zeigen, die den Sprung ins DDR-Oberhaus schafften. Doch sie werden sich wundern, liebe Leser: Es gibt kein Bild von den Helden des Jahres 1981. Auch Hartmut Schwürz konnte der TZ nicht mit einem Foto helfen. Dafür konnte sich der damalige Libero sich an viele Einzelheiten aus dem Verbandsliga-Jahr der Torgauer erinnern.

„Wir waren mehrfach an Punktgewinnen dran in Spielen, die wir dann unglücklich verloren.“ Der 66-Jährige denkt dabei an das Auswärtsspiel gegen das Spitzen-Team von Einheit Zentrum Leipzig. „Unser Peter Ende hatte dabei Nationaltorwart Hans-Dietrich „Hannemann“ Sasse zum 1:0 überwunden. Beim 1:1 der Leipziger übersah der Schiedsrichter, dass der Ball vorher schon im Aus war und er das Tor gegen uns gab.“

Schwürz erinnert sich zudem an ein schwarzes Wochenende in der Region Köthen. „Wir haben an einem Sonnabend in Köthen mit  0:5 verloren. Wir übernachteten gleich dort und gingen am Sonntag im Spiel in Osternienburg mit 1:3 unter.“ Im Verbandsliga-Jahr spielte er mit seinen Bruder Wolfgang und Cousin Rainer im Lok-Team. Nach der Wende spielte Hartmut Schwürz mit Torgau ein Jahr in der Regionalliga.

Derzeit gibt es ein wenig Hoffnung, dass Torgaus Hockey wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen kann. Ingo Ritter, ehemaliger Spieler und Trainer einiger Blau-Weiß-Teams, kann mit einigen positiven Nachrichten aufwarten. „Wir hatten eigentlich vor, für die diesjährige Hallensaison eine Männer-Mannschaft zu melden, die ich betreut hätte. In diesem Team wären einige Erwachsene und Jugendliche zum Einsatz gekommen. Aber die Corona-Pandemie hat das verhindert.“

In der Feldsaison, die abgebrochen wurde, bestritt eine A-Knaben-Mannschaft auf dem Feld Punktspiele. Diese Jungs werden von Kai Zimmermann betreut. Die B-Junioren sind in einer Spielgemeinschaft unterwegs, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

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