Sonntag, 18. April 2021
Dienstag, 30. März 2021

Ein Jahrzehnt Volkssport-Turniere in Mehderitzsch

Rainer Hauptmann von der BSG Stahl Riesa wird 1988 als bester Spieler durch Turnierleiter Otfried Kahl (rechts) ausgezeichnet.Foto: privat

Von unserem Mitarbeiter Otfried Kahl

Erst durch Bauarbeiten am dortigen Sportplatz endete diese beliebte Tradition. Bei den prominenten Teams war auch Erich Hamann am Ball, der bei der WM 1974 das 1:0-Siegtor der DDR gegen die BRD vorbereitet hatte.

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Belgern. Seit 1983 trug die SG Mehderitzsch und ab 1987 die SG Rot-Weiß Mehderitzsch Friedensturniere für Kinder- und Knabenmannschaften im Fußball aus. Die Turniere fanden immer an einem verlängerten Wochenende im Mai oder Juni statt. Ab 1988 wurden die Turniere auch noch regelmäßig für Schüler und Alte Herren beziehungsweise Volkssportmannschaften erweitert. Prominente Teilnehmerfelder bei den Nachwuchsturnieren sorgten für einen sehr guten Ruf und Stellenwert.

Die Fachzeitschrift fuwo (Die neue Fußballwoche) berichtete mit Sportvorschau und Ergebnismeldungen über diese Turniere. Die Nachwuchsteams des Gastgebers und einige andere Teams der Region konnten sich gegen Talente der Leistungszentren wie HFC Chemie, 1. FC Lok Leipzig, BSG Stahl Riesa, FC  Karl-Marx-Stadt, SG Dynamo Dresden, BSG Aktivist Brieske-Senftenberg, BSG Stahl Brandenburg, Dresdner SC 1898, FC Carl-Zeiss Jena, FC Vorwärts Frankfurt, BSG Stahl Eisenhüttenstadt und ASG Vorwärts Dessau beweisen.

Mit der BSG Empor Grabow war sogar eine Mannschaft aus dem jetzigen Mecklenburg-Vorpommern oft zu Gast und brachte leckere Backwaren mit. 1990 bereicherte Hertha 03 Berlin-Zehlendorf mit zwei Nachwuchsmannschaften das Teilnehmerfeld. Ab 1992 kamen auch mehrere Vereine aus dem Partnerkreis Böblingen zu diesen Turnieren. Traditionsgemäß wurden die Wettbewerbe mit dem Flug von Brieftauben eröffnet.

Für die Turniere wurden in Eigenregie aus rot-weißem Bettwäschestoff vom Volkseigenen Betrieb (VEB) Planet Belgern Wimpel mit dem Aufdruck aller teilnehmenden Mannschaften angefertigt. Die Kordel wurde aus dem Erzgebirge organisiert. Bei der Turniereröffnung bekamen die Mannschaftskapitäne diese überreicht. Zu den Veranstaltungen der Volkssportmannschaften der Region wurden jeweils zwei prominente Mannschaften mit ehemaligen Oberligaspielern eingeladen.

Die einheimischen Teams vom VEB Schlachthof Torgau, VEB Brauerei Torgau, der LPG Mehderitzsch, der Mannschaft aus Köllitzsch/Arzberg und später von KIM Mockrehna, der Heideböcke Taura und dem NTK   Neues Torgauer Kreisblatt konnten sich gegen die ehemaligen Oberligaspieler von Stahl Riesa, der Sportschule vom 1. FC Lok Leipzig, FC Vorwärts Frankfurt und ASG Vorwärts Dessau beweisen.

Der bekannteste Spieler, der bei diesen Turnieren in Mehderitzsch auflief, war Erich Hamann vom FC Vorwärts Frankfurt. Hamann war es, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 den 1:0-Siegtreffer für die DDR-Nationalmannschaft durch Jürgen Sparwasser gegen die BRD-Auswahl in Hamburg vorbereitet hatte. Mit ihm spielte auch Jürgen Großheim für Frankfurt in Mehderitzsch mit. Stahl Riesa reiste mit Johann Ehl, Wolfgang Schremmer, Rainer Hauptmann, Klaus Schlutt und Wolfgang Scharf an.

Die Teams aus dem Kreis Torgau wurden von ihren Spielführern Ronald Riethdorf (Brauerei Torgau), Bodo Schmidt (Schlachthof Torgau), Gerald Köpke (LPG Mehderitzsch), Norbert Scheufler (Köllitzsch), Thomas Stöber (Neues Torgauer Kreisblatt) und  Gerd Schlesinger (Heideböcke Taura) angeführt. Die Turniere wurden auf dem Kleinfeld ausgetragen.

1988 gewann Stahl Riesa diese Veranstaltung, 1989 wanderte der Pokal zur ASG Vorwärts Dessau und 1990 nahm der FC Vorwärts Frankfurt den Pokal mit nach Hause. In den Folgejahren holten die Leipziger, die  Brauerei Torgau und Mehderitzsch den Pott. Viele Zuschauer kamen auf ihre Kosten und die Freizeitkicker der Torgauer Kreisteams wuchsen teilweise über sich hinaus.

Torhüter Werner Herrnkind vom Schlachthof Torgau glänzte mit tollen Paraden und wurde zum Publikumsliebling. Die Auszeichnung als bester Spieler erhielt 1988 Rainer Hauptmann von der BSG Stahl Riesa. Nach Turnierende gab es für alle Beteiligten ein gemütliches Beisammensein. Der Schlachthof Torgau sponserte Steaks und Bratwürste. Die KIM Mockrehna brachte leckere Kasslerkeulen für das leibliche Wohl mit. Kühle Getränke aus Fässern und Flaschen wurden von den Brauereien aus Torgau und Oschatz spendiert.

Bei guter Atmosphäre kamen die Spieler miteinander ins Gespräch und es entstanden dadurch auch Freundschaften. Die Mehderitzscher Tanzgruppe „Village Dancers“ umrahmte 1990 den Abend mit modernen Tanzeinlagen wie Lambada, Dirty Dancing und Country. Von diesen schönen Turnieren und geselligen Stunden sprechen die hiesigen Beteiligten heute noch. Durch Bauarbeiten am Mehderitzscher Sportplatz wurden die Turniere zunächst ausgesetzt und später dann nicht mehr fortgeführt.

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