Sonntag, 18. April 2021
Dienstag, 30. März 2021

Tassen und Schalen gingen mit auf die Reise ins Jenseits

Die Reste des Grabes wurden in akribischer Feinarbeit freigelegt. Foto: Landesamt für Archäologie 

von unserem Redakteur Nico Wendt

Vogelgesang. Im Zuge der Arbeiten an einer neuen Trinkwasserleitung bei Vogelgesang haben Archäologen einen spektakulären Fund gemacht. Sie entdeckten ein Grab aus der Bronzezeit. 

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Beim Bau der neuen Trinkwasserhauptleitung kurz hinter Vogelgesang hat es einen spektakulären archäologischen Fund gegeben. Die Experten stießen auf ein Grab aus der Bronzezeit, das etwa aus der Zeit um 1200 vor Christus stammt. 

Gute Zusammenarbeit 

„In dieser Beschaffenheit hat man das nicht alle Tage. Es ist schon etwas Besonderes“, versuchte Dr. Wolfgang Ender einzuordnen. Der Referatsleiter vom Landesamt für Archäologie nimmt ungern die Formulierung „archäologische Sensation“ in den Mund, bleibt auch bei den spannendsten Entdeckungen meist wissenschaftlich zurückhaltend kühl. Im jüngsten Fall ist seine Begeisterung aber deutlich zu spüren. Nicht nur, weil die Grabstätte noch sehr gut erhalten war und damit recht viele interessante Aufschlüsse gab, sondern auch weil die Zusammenarbeit mit dem Trink- und Abwasserzweckverband Torgau/Westelbien und dem Baubetrieb, der REIF Baugesellschaft mbH & Co. KG, hervorragend funktionierte. 

„Wir haben die Errichtung der Trasse von Anfang an betreut, waren in alle Beratungen eingebunden und konnten uns dann auch in aller Ruhe dem Fund widmen, während die Arbeiten der Firma an anderer Stelle weitergingen“, lobt Dr. Wolfgang Ender mit dem Verweis, dass das nicht überall so reibungslos klappt bei großen Baumaßnahmen. 

Neue Leitungen 

Für das Verlegen der Rohre und für den geplanten Einsatz der schweren Technik musste Anfang März ein breiter Korridor an Mutterboden abgetragen werden. Etwa 1,1 Kilometer beträgt die Baustrecke, die sich vom Ortsausgang Vogelgesang in Richtung Dommitzsch erstreckt. Hier kommen die neuen Leitungen in die Erde. Die Haupttrasse versorgt den gesamten Raum Dommitzsch und die Region Elsnig mit Trinkwasser. Etwa 500 bis 700 Kubikmeter sollen täglich hier hindurch fließen. Schon seit längerer Zeit lässt der Zweckverband Abschnitt für Abschnitt sanieren. In diesem Jahr ist es bereits das 9. Teilstück. „Bereits den Abtrag des Mutterbodens haben wir intensiv und aufmerksam verfolgt“, sagt der Referatsleiter. 

Dabei stießen die Fachleute rasch auf das Relikt aus der Vergangenheit. Dass die Torgauer Zeitung im März gerade in einer Serie über Hügelgräber aus der Bronzezeit berichtete, war Zufall. „Das passt bestens zum Thema“, schmunzelt Dr. Ender. 

Das Grab misst etwa ein Meter mal 50 Zentimeter. Man hatte Steinpflaster in den Untergrund eingebracht. Der oder die Tote wurde verbrannt, die Überreste kamen in das Grab. Dazu gab man Gefäße wie Tassen und Schalen mit hinein. An den Rändern wurde zerbrochene Keramik zugefügt“, beschreibt der Archäologe die Entdeckung bei Vogelgesang. Anzunehmen, dass sich in der näheren Umgebung noch weitere Hügelgräber anschließen. Leider seien aber viele in den vergangenen Jahrhunderten bei Feldarbeiten zerstört worden. 

Für Museen 

Insgesamt ist die Region über die Landesgrenze hinaus bis in den Nachbarkreis Elbe-Elster reich gesegnet mit den Hinterlassenschaften aus der Bronzezeit. Wie berichtet gibt es große Vorkommen an Hügelgräbern. Die gefundenen Gefäße kommen nun in eine Restaurierungswerkstatt nach Dresden. Später stehen die Fundstücke Museen zur Verfügung oder können auch schon mal an lokale Heimatstuben ausgeliehen werden, erklärt Dr. Wolfgang Ender. Im Computer werde genau abgespeichert, was vorhanden ist, so dass auch andere Fachleute und Heimatforscher zugriff haben. 

„In der Qualität finden wir das selten“, fasst der Referatsleiter die Geschehnisse in Vogelgesang zusammen. Weil die Hügel längst zerpflügt und abgetragen sind, helfen den Archäologen oft Luftbilder weiter, die genaue Veränderungen der Bodenschichten anzeigen. So seien auch entsprechende Kreishügel bei Drebligar zu erkennen. Interessante Funde wurden vor einigen Jahren auch in Wörblitz und Greudnitz gemacht, als dort die Gasleitung ins Erdreich kam. Geschichtlich habe die Torgauer Region Spannendes zu bieten. 2018 beispielsweise entdeckten die Forscher Reste eines Dorfes bei Neiden, das sich vor vielen Jahrhunderten an der Weinske befand. 2017 wiederum wurden beim Bau der Gewerbestraße bei Commende ebenfalls Siedlungsreste aus der Bronzezeit festgestellt.


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