Sonntag, 18. April 2021
Donnerstag, 8. April 2021

Andree Schittko: "Über neue Wege nachdenken"

Andree Schittko: „Es wird immer Kunden geben, die das Einkaufen zum Erlebnis machen möchten“.Foto: Peter Noack

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Andree Schittko über Glaskugel-Guckerei, Mitmach-Angebote und eine Chance

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Riesa. Seit dem 13. April 1999 ist Andree Schittko Centerverwalter der Elbgalerie Riesa. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt er, warum sich die Innenstädte wandeln (müssen).  

 

SWB: Seit einem Jahr ist nur noch wenig so, wie wir es kannten. Was war für Sie der eindrücklichste Moment?
Andree Schittko:
Das war der erste Lockdown im März 2020, als überall der Einzelhandel schließen musste. Später kam die Herausforderung hinzu, ein Hygienekonzept für die Elbgalerie zu erarbeiten. Als Centerverwalter habe ich den Anspruch, alle Maßnahmen umfassend einzuhalten. Die andere Seite der Medaille ist, den Betrieb des Centers für die Geschäfte, die systemrelevant sind und öffnen dürfen, optimal aufrecht zu erhalten. Seit einigen Wochen wurden die Regelungen mit „Click & Collect“ und „Click & Meet“ nivelliert. Rückblickend war es eine Berg- und Talfahrt.


Wie schwer oder leicht ist es, die Elbgalerie Riesa durch diese nicht einfache Zeit zu steuern?
Nach wie vor ist es nicht einfach – weder für die Organisation des Betriebes, noch für die finanziellen Schwierigkeiten, in die manche Mieter durch die Umsatzeinbußen geraten sind. Natürlich fühle ich mich für unsere Mieter verantwortlich. In den vergangenen 22 Jahren gab es kaum Leerstand. Es wird sich zeigen, wie die kleinen Einzelhändler der Entwicklung entgegensteuern und die Zukunft gestalten. Ich möchte aber nicht zu viel Glaskugel-Guckerei betreiben.


Was bereitet Ihnen das größere Kopfzerbrechen: Die aktuellen Corona-Regelungen umzusetzen, oder Ihre Mieter zu beschwichtigen oder gar zu trösten?
Die Umsetzungen der Regelungen haben wir im Griff, auch die Anpassungen sind nicht die große Herausforderung. Schwierigkeiten bereiten die Vertraglichkeiten mit den Mietern zu regeln. Seitens des Vermieters gab es Stundungen und teilweise Mietreduzierungen sowie Unterstützung bei der Beantragung der staatlichen Hilfen.  


Wie gestaltet sich Ihr täglicher Arbeitsalltag?
Der Kontakt zu den Mietern halten, ist wichtig und ihnen das Gefühl geben, das ihnen geholfen wird.   Alle Mieter bereiten sich auf eine eventuelle Öffnung vor. Sie machen Inventur, führen Warenbestände zurück oder bestellen neue Ware. Wir können bei der Koordination der Lieferungen und dem Abtransport behilflich sein.


Können Sie alle Corona-Regelungen nachvollziehen?
Diese Frage ist gemein (lacht). Als Centerverwalter stehe ich natürlich hinter den Regelungen, welche die sächsische Staats- und die Bundesregierung treffen. Im Center bin ich nicht nur den Mietern, sondern auch den Kunden verpflichtet. Als Privatperson kann ich nicht alle Regelungen nachvollziehen.  


Was steht für unsere Innenstädte im Allgemeinen und die Riesaer Innenstadt im Speziellen zu befürchten?
Insgesamt war die Situation in den Innenstädten schon vor der Pandemie angespannt. Corona hat sicher so manchen Prozess und manche Entwicklung beschleunigt. Womit im Prinzip alle Innenstädte zu kämpfen haben, ist der zunehmende Leerstand und die demografische Entwicklung. Deshalb warten zukünftig große Herausforderungen auf Städteplaner und Stadtentwickler. Mit entsprechenden Maßnahmen und Konzepten müssen die Innenstädte attraktiver gemacht werden.


Wie ist das gemeint?
Das Einkaufen muss künftig zum ganzheitlichen Erlebnis werden – mit Bummeln, Verweilen, Gastronomie sowie Angeboten für junge Familien mit Mitmach-Aktionen und Spielplätzen sowie kulturellen Angeboten, nicht nur Theater und Kino. Die Gebäude in den Innenstädten sollten in Sachen Gestaltung und Optik eine Aufwertung erhalten.


Und das soll funktionieren?
Ich sehe es als Chance. Einzelhändler, Gastronomen und Kulturtreibende werden durch die Pandemie gezwungen, umzudenken und über neue Wege nachzudenken.  


Welche Rolle spielt das Online-Geschäft?
Der Einzelhandel beschäftigt sich schon länger mit dem Thema. Die Online-Riesen können auch nicht alles anbieten. Es wird immer Kunden geben, welche die Ware anfassen, riechen, schmecken, sich treffen oder eine Tasse Kaffee trinken oder einen Eisbecher essen möchten. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell der Einzelhandel auf Online mit Liefern und Abholen umstellen konnte. Ein Erfolgsrezept für die Zukunft dürfte ein gesunder Mix aus allem sein.


Sorge vor der näheren Zukunft haben Sie nicht?
Eigentlich nicht, nein. Viele Geschäftsleute sind kreativ und haben Prozesse schon beschleunigt. Das Modell, hinter der Ladentheke zu stehen und auf Kunden zu warten, hat meiner Meinung nach ausgedient.


Wo ist aktuell der Silberstreif am Horizont?
Ich bin von Haus aus ein optimistisch denkender Mensch, der Probleme offensiv angeht. Ich sehe durchaus das Licht am Ende des Tunnels. Zumindest sehe ich, dass sich etwas bewegt. In jedem Problem liegt auch eine Chance, es in Zukunft besser machen zu können.


Am 13. April feiert die Elbgalerie Riesa den 22. Geburtstag. Ist etwas geplant?
Aufgrund der aktuellen Situation sind keine größeren Aktionen im Center geplant. Ich lade dennoch alle Kunden, Bürger von Riesa und Freunde der Elbgalerie ein, sich auf der Facebook-Seite und Homepage der Elbgalerie (www.elbgalerie-riesa.de) über tolle Angebote und ein kleines Gewinnspiel zu informieren. Wir hoffen darauf, im nächsten Jahr wieder größer feiern zu dürfen.
 


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