Donnerstag, 6. Mai 2021
Dienstag, 13. April 2021

Zum 80. Geburtstag von Dr. Frank Henjes

Dr. Frank HenjesFoto: TZ/Archiv

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Torgau. Es gibt Menschen, die Chancen sehen. Und es gibt Menschen, die sie ergreifen. Dr. Frank Henjes gehört zu letzteren. Davon profitiert haben in den zurückliegenden Jahren viele, vor allem aber die Stadt Torgau.

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Als hervorragender Augenarzt, Unternehmer mit Weitblick, Kulturfreund und Kommunalpolitiker hat der heute vor 80 Jahren in Schildau geborene Dr. Henjes wichtigen Anteil an ihrer Entwicklung. 

Gut möglich, dass er beim Lesen dieser Zeilen abwinkt.  Menschen, die ihn kennen, beschreiben ihn als bodenständig, weit weg davon, sich selbst zu erhöhen. Im Gegenteil. Die ehemalige Sindelfinger Gemeinderätin Wilma Römer erinnert sich noch gut an ihre Besuche in der Partnerstadt Torgau kurz nach der Wende. Nur einmal musste sie im Hotel nächtigen. Schon beim zweiten Aufschlag an der Elbe fand die Sozialdemokratin Quartier bei Familie Henjes. „Wir haben uns sehr schnell sehr gut verstanden. Beide Henjes’ waren herzlich und kommunikativ.“ 

Diese Gastfreundschaft und die Freude, Menschen kennenzulernen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, erhielten sie sich. Ob es 2001 Regine Hildebrand war, die sie vor einem Wahlkampfauftritt in Torgau bei sich beherbergten, oder – ganz anders gelagert – Teilnehmer der Internationalen Sächsischen Sängerakademie. Die jungen Künstlerinnen und Künstler sind immer in der Bahnhofstraße willkommen. Das funktioniert umgekehrt übrigens genauso: Wo in Torgau Kultur stattfindet, findet man Dr. Frank Henjes in Begleitung seiner Frau Marianne. 

Die Kultur war es auch, über die der Mediziner in die Torgauer Stadtgesellschaft eintauchte, nachdem er sich Mitte der 70er-Jahre hier niederließ. Als Mitglied der Torgauer Kulturbundes nutzte er diese Nische des Systems zur Entfaltung. Mit bekannten Namen wie Hans-Martin Strohbach förderte er beispielsweise die Kleine Galerie, die heute zum Kentmann-Verein gehört. Auch sportlich war Dr. Frank Henjes über Jahre durchaus ambitioniert unterwegs. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Strohbach trainierte er für den Rennsteiglauf – und absolvierte ihn erfolgreich. 

„Das hat imponiert“

Nachhaltiger war jedoch das kulturelle Engagement des gebürtigen Schildauers. Anfang November 1989 brachte es ihm eine Fahrkarte nach Sindelfingen ein, seit 1988 westdeutsche Partnerstadt Torgaus. Als einziger Parteiloser gehörte er zur Delegation, die der Feier zur Einweihung der neuen Stadthalle beiwohnte. Wenige Tage nach seiner Rückkehr fiel die Mauer. „Ich habe immer an das Ende der DDR geglaubt, wir haben geahnt, dass der Staat bankrott ist. Es war eher ein wirtschaftlicher als ein politischer Zusammenbruch des Systems“, sollte er später der Sindelfinger Zeitung sagen.

Beim November-Besuch in Baden-Württemberg hatte Frank Henjes bereits erste Kontakte in die Sindelfinger Kommunalpolitik geknüpft. Und die Städtepartnerschaft ließ ihn nicht los. Schon am 2. Weihnachtsfeiertag 1989 besuchten seine Frau und er erneut die Große Kreisstadt im damals noch anderen Teil Deutschlands. Es war der Beginn eines regen Austausches.

An den erinnert sich auch Wilma Römer noch sehr gern. Mehrfach weilte sie in Torgau. Während Marianne Henjes ihr  die Stadt näher brachte, waren es die gemeinsamen politischen Ansichten, die die beiden überzeugten Sozialdemokraten sofort zueinander finden ließen. „Frank Henjes trat idealistisch auf, war aber dennoch ein Realo. Das hat mir imponiert“, erinnert sich die Sindelfingerin. 

Schwerpunkt Kultur

Die Sozialdemokratie bekam der Arzt in die Wiege gelegt. 1945 hatte seine Mutter zu den Mitbegründern der SPD in Schildau gehört. Im Dezember 1989 gehörte Dr. Frank Henjes dann zu jenen, die der Partei in Torgau wieder ein Gesicht gaben. Für die SPD schaffte er schließlich im Mai 1990 auf Anhieb den Sprung in den Torgauer Stadtrat. 

1724 Stimmen stellten damals das beste Einzelergebnis dar. Frank Henjes war bekannt und offenbar trauten ihm die Torgauer in diesen veränderungsschwangeren Zeiten viel zu. Seinen Schwerpunkt wollte er zunächst auf die Kultur legen. Hier hatte er bereits vor der Wende Erfahrungen gesammelt und dieser Bereich sei  besonders heruntergewirtschaftete, sagte er damals dem NTK. „Und außerdem sind genügend Ärzte in den Gremien, die sich des Gesundheitswesens annehmen.“

Beruflich blieb freilich das Gesundheitswesen seine erste Wahl. Die Pläne für eine Augenklinik hatte Dr. Henjes schon vor der Wende in der Schublade. Jetzt ergriff er die Chance, diese Vision Realität werden zu lassen. Er kämpfte um die Villa in der Bahnhofstraße 4, bis 1989 Torgauer Stasi-Zentrale, fasste sogar bei den Nachfahren der zu DDR-Zeiten enteigneten Besitzer nach, und bekam schließlich den Zuschlag. 

Wer kommt nach?

Mit hervorragendem fachlichen, aber auch wirtschaftlichem Geschick etablierte Dr. Frank Henjes in den darauf folgenden Jahren eine weithin angesehene medizinische Einrichtung. Sein Verdienst war es schließlich auch, dass die Geschichte der Augenklinik Torgau nicht mit dem Ausscheiden ihres Gründers endete. Er suchte und fand mit Dr. Christian Ksinsik einen würdigen Nachfolger.

Über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den Kommunalpolitiker Frank Henjes muss sich nun auch seine SPD Gedanken machen. Nach mehr als 30 Jahren ohne Unterbrechung als Stadtrat und Fraktionschef in Torgau und zuletzt auch wieder Kreisrat wird er auch an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen. Die Sitzung des Torgauer Stadtrats am 14. April ist seine letzte. 

Es ist das Ende einer Ära: drei Dekaden, in denen unglaublich viel passiert ist,  in denen sich aber auch der politische Ton verändert hat. Ging es in den Anfangsjahren darum, aus der neu gewonnenen Freiheit gemeinsam das Optimum für Torgau herauszuholen, wurde auch der lokale Raum zuletzt mehr und mehr Spielwiese für Parteipolitik.

Frank Henjes stemmte sich immer gegen parteiliche Dogmen. Trotz seiner festen Überzeugungen als Sozialdemokrat spielt für den Träger der Willy-Brandt-Medaille die Partei im kommunalpolitischen Alltag nur eine Nebenrolle. Sein Ansatz ist der Ausgleich. Natürlich sucht er den Diskurs, doch immer wohl überlegt und respektvoll. Es geht dann nicht ums Recht haben und Durchsetzen der eigenen Position, sondern um die bestmögliche Entwicklung der Stadt. Menschen zu attackieren, sie zu beschädigen, um politisch erfolgreich zu sein, ist ihm fremd. 

Die Liste der Projekte, an denen Dr. Henjes als Stadtrat mitwirkte, ist lang. Herauszuheben ist stellvertretend die Jugendherberge, für deren Umsetzung der Torgauer sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale warf und das zwischenzeitliche Kippen des Projektes verhinderte: Frank Henjes ist niemand, der Chancen passieren lässt. 

„Das Interesse für die Entwicklung der Stadt wird ihm sicher auch über das 80. Lebensjahr hinweg bleiben. Viel länger bleiben den Torgauern die Spuren, die Dr. Frank Henjes in den Jahren hinterlassen hat“, sind sich nicht nur „seine“ Genossen im Ortsverein sicher.

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