Mittwoch, 5. Mai 2021
Mittwoch, 14. April 2021

"Bislang sind die Reaktionen leider verhalten"

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Seit letzter Woche bietet auch der PEP Torgau mit „Click and Meet“ das Einkaufen mit Termin an. TZ fragte nach, wie es angelaufen ist. 

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Das Einkaufen mit Termin ist seit vergangener Woche nun auch im Torgauer PEP möglich. Das Besondere dabei: Die Kunden müssen nicht extra extern einen Test machen, um anschließend die Geschäfte besuchen zu dürfen, sondern können diesen gleich in der ansässigen Apotheke des Prima Einkaufs-Parks, der Hahnemann-Apotheke, durchführen lassen. „Wichtig dabei ist aber, dass die Kunden sowohl für den Test in der Apotheke als auch für den Besuch in den einzelnen Geschäften zuvor einen Termin vereinbaren. Für jedes Geschäft benötigt man einen separaten Termin“, betont Centermanagerin Elke Ullrich. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Bäcker, Fleischer, die Drogerie dm, der Baumarkt OBI oder auch der Supermarkt Kaufland, welche ohnehin immer geöffnet haben und in welchen keine Testpflicht besteht. Ob man den Test vor dem Einkaufen im PEP selbst oder woanders machen lässt - in jedem Fall darf er nicht älter als 24 Stunden sein.

TZ sprach vor Ort mit Elke Ullrich, der Apothekerin Heide Schulz, die in der Hahnemann-Apotheke die Corona-Schnelltests durchführt sowie den Händlerinnen Jacqueline Barth von Schneider-Moden und Ute Fahr von Greenburry, einem Geschäft für Taschen, Koffer und Accessoires, wie die ersten Tage mit Click and Meet angelaufen sind. 

Noch Luft nach oben

„Dadurch, dass sich im PEP mehrere Geschäfte befinden, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten, haben wir hier immer eine gewisse Menge an Kundschaft gehabt. Zugenommen hat die Besucherzahl dann merklich, als der OBI-Baumarkt wieder geöffnet wurde. Als nun das Click and Meet eingeführt wurde, konnten wir noch einmal einen Anstieg feststellen. Insgesamt ist die Nachfrage für Click and Meet aber noch nicht ganz so hoch. Die Reaktionen in der Bevölkerung sind noch verhalten“, beschreibt Elke Ullrich ein wenig bedauernd. Die Frequentierung des PEP habe durch das Click and Meet zwar etwas zugenommen, komme aber nicht an frühere Zahlen heran. 

Diese Tatsache erkläre sich die Centermanagerin so, dass es für viele Menschen schlichtweg zu umständlich sei, extra einen Corona-Test machen zu müssen, wenn sie einkaufen möchten beziehungsweise Termine dafür vereinbaren zu müssen. „Die Kunden sind es einfach noch nicht gewohnt, nur mit Termin einkaufen gehen zu können.“ Die Umstellung falle manch einem vielleicht noch schwer. Darüber hinaus bringe es auch einen gewissen Aufwand mit sich, sich gleich mehrere Termine besorgen zu müssen. 

Dabei bringt die Strategie des PEP einen großen Vorteil für die Kundschaft mit sich: „Die Kunden können hier alles auf einmal erledigen. Sie müssen also nicht erst irgendwo anders einen Test machen und dann hierher kommen, sondern können sich gleich vor Ort in der Hahnemann-Apotheke – kostenlos – testen lassen und dann anschließend sofort in die Geschäfte gehen, in denen sie einen Termin haben. So habe ich es selbst auch gerade erst gemacht. Ich habe mich testen lassen und bin danach unter anderem bei Schneider-Moden einkaufen gegangen.“ Auf die Frage, ob man denn nur nach vorheriger Absprache in die Geschäfte gehen könne oder ob dies auch spontan möglich sei, antwortet sie: „Grundsätzlich ist auch ein Spontanbesuch der Geschäfte unter bestimmten Bedingungen möglich. Voraussetzung sind ein tagesaktueller Schnelltest mit negativem Ergebnis und dass sich in diesem Moment wenig andere Kunden im Laden befinden, die einen Termin vereinbart haben.“

„Dieses Damoklesschwert schwebt über uns allen.“

„Auch wenn wir nicht auf die Besucherzahlen kommen wie vorher halte ich Click and Meet trotzdem für eine gute Möglichkeit, einen kleinen Schritt in Richtung Öffnung zu gehen und den Geschäften wenigstens wieder zu etwas mehr Kundschaft zu verhelfen. Die Händler freuen sich über jeden Kunden, denn durch die Schließungen seit Beginn der Pandemie mussten sie einiges durchmachen. Und wir wissen ja alle nicht, wie lange die Geschäfte jetzt offen bleiben dürfen. Neulich konnte ich ein älteres Kundenpaar beobachten, die sich beide einen großen Stapel Kleidung zurechtgelegt hatten.  Auf meine Frage hin meinten sie, dass sie gleich so viel wie möglich kaufen würden, da man nie wissen könne, wie lange wir noch geöffnet haben dürfen. Dieses Damoklesschwert schwebt eben über uns allen.“ 

Test-Kunden von überall aus der Region

Eine Frage, die dabei unweigerlich aufkommt, ist jene, ob denn nur Kunden zum Testen in die Apotheke kommen, die anschließend in die Geschäfte gehen möchten oder ob sie sich auch zu anderen Zwecken testen lassen? Und kommen vorwiegend Bürger aus Torgau? „Die Leute kommen aus der ganzen Region, zum Beispiel aus Torgau, Beilrode, Schildau oder Belgern und sie lassen sich aus den unterschiedlichsten Gründen testen“, erklärt Heide Schulz, Inhaberin der Hahnemann-Apotheke. „Eine Zunahme der Anzahl getesteter Personen konnten wir beispielsweise nach Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung feststellen, nach welcher auch in Physiotherapien ein Negativ-Test vorgewiesen werden sollte.“

Voller Terminkalender

Die Apothekerin führt die Tests im Alleingang durch, da sie die einzige in ihrem Kollegium mit der erforderlichen Berechtigung ist. „Unser Terminkalender für die Corona-Schnelltests ist voll. Ich nehme den ganzen Tag über ausschließlich die Testungen vor. Um mich noch um andere Dinge zu kümmern, habe ich gar keine Zeit mehr. Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei meinen Mitarbeitern bedanken, dass sie in der Zeit alle anderen Aufgaben und anstehenden Arbeiten übernehmen und mich so unterstützen“, hebt Heide Schulz hervor. Gerade die telefonische Vereinbarung der Testtermine nehme viel Zeit in Anspruch. „Auch meiner Mutter gilt mein großer Dank, die uns als ehemalige Inhaberin der Apotheke nach wie vor helfend zur Seite steht. 

Bislang rund 800 Testungen

Getestet werde hier bereits seit Ende Februar, schon vor Inkrafttreten von Click and Meet. Grob geschätzt rund 800 Testungen wurden bislang in der Hahnemann-Apotheke vorgenommen. „Angefangen hat es mit etwa 20 bis 40 Personen in der Woche. Eine Woche später waren es bereits so viele pro Tag. Aktuell verzeichnen wir rund 90 Testungen täglich“, berichtet sie. Zum allgemeinen Test-Konzept beziehungsweise zum Einkaufen nur mit Negativ-Test sagt sie: „In mancher Hinsicht verstehe ich die Vorgehensweise nicht. Warum muss man beispielsweise im Baumarkt keinen Test vorweisen, aber in anderen Geschäften schon, in welchen man mitunter sehr gut Abstand halten könnte? Generell sind die Tests aber ein wichtiges Instrument, um dabei zu helfen, potenzielle Infektionsrisiken zu erkennen.“ 

Entscheidungsgrundlagen nicht nachvollziehbar

Ähnliche Gedanken bezüglich der Entscheidungsgrundlage darüber, für welche Geschäfte ein Test vorliegen muss und für welche nicht, äußert Jacqueline Barth von Schneider-Moden: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum Kunden für den Supermarkt oder Baumarkt keinen Test brauchen, dafür aber für Geschäfte wie dem unsrigen. Vor allem, weil wir bei unserer relativ großen Ladenfläche theoretisch bis zu 20 Kunden auf einmal im Laden haben dürften. Tatsächlich sind es im Moment – wenn überhaupt – höchstens vier bis fünf Kunden gleichzeitig. Insgesamt sind wir und unsere Kunden jedoch froh darüber, dass wir durch den Click and Meet-Service wenigstens ,ein bisschen’ öffnen können. Die Besucherzahlen in unserem Geschäft steigen jeden Tag etwas mehr, wenn sie natürlich auch nicht an die Zahlen früherer Zeiten herankommen. Manche Besucher freuen sich auch darüber, dass sie durch die geringe Personenzahl im Geschäft eine sehr individuelle Betreuung und Beratung erhalten können.“

Scheu vor Testung 

„In unserem Geschäft ist die Lage trotz des Click and Meet-Services schwierig. Wir können zwar etwas mehr Kundschaft verzeichnen, aber wirklich viele Kunden sind es nicht, die das Angebot nutzen. Manche scheuen sich auch davor, extra einen Test machen zu müssen, nur um bei uns einkaufen zu können“, erklärt Ute Fahr von Greenburry. „Es gab deswegen sogar schon einige Diskussionen, weil Kunden ohne Test vor dem Laden standen und herein wollten und ich ihnen dann erklären musste, dass das nicht geht. Gerade ältere Kunden können die Regeln oftmals nicht nachvollziehen, sind aber wie alle anderen sehr dankbar, dass wir wenigstens diesen Service anbieten und sie sehr individuell beraten können. Viele sagen uns auch, dass wir durchhalten sollen und dass sie zur Zeit bewusst lieber in den heimischen Geschäften einkaufen, um die lokalen Händler zu unterstützen, als im Internet zu bestellen. Über diese Unterstützung freuen wir uns natürlich. 

Meiner Meinung nach sind manche Maßnahmen durchaus nachvollziehbar, andere hingegen nicht. Ich würde mir als Lösung einen zweiwöchigen Lockdown wünschen, in dem alles komplett heruntergefahren wird, um die Infektionszahlen zu senken, damit man danach die Wirtschaft wieder komplett hochfahren kann.“


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