Mittwoch, 5. Mai 2021
Sonntag, 18. April 2021

Von der Dederon-Schürze bis zum eleganten Abendkleid

DR-Mode im Wandel der Zeit: Die Jahreszahl an den einzelnen Modellen gibt einen guten Überblick über die modischen Trends der verschiedenen Jahrzehnte. Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Die Sonderausstellung „Mode der DDR – Kunst und Design“ in der Kleinen Galerie ist nun beendet – aufgrund des Lockdowns blieb sie praktisch ungesehen. 

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Eines der ungünstigsten Szenarien, die einem Künstler mit seinen Werken oder einem Aussteller mit seiner Sammlung passieren kann, ist, dass seine Exponate nahezu ungesehen in den Ausstellungsräumen „liegen bleiben“. Genau diese Situation musste leider das Ehepaar Johanna und Frank Rolle aus Wohlau erleben. Denn aufgrund des andauernden Lockdowns musste die Kleine Galerie, in welcher die Stücke aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik zu sehen waren, während beinahe des gesamten Zeitraums der Ausstellung für den Besucherverkehr geschlossen bleiben. Dabei war die seit dem 6. Dezember 2020 gezeigte Ausstellung mit über einen Zeitraum von vielen Jahren sorgfältig zusammengetragenen Exponaten bereits vom 24. Februar auf den 18. April verlängert wurden, um doch noch gesehen werden zu können – vergebens. 

Zwar war die Kleine Galerie ab vergangenem Montag, dem 12. April, wieder für das Publikum geöffnet, allerdings waren gesetzlich vorgeschriebene Hürden wie ein höchstens 24 Stunden alter negativer Corona-Test und eine vorherige Terminvereinbarung per Telefon oder per E-Mail womöglich  für viele potentielle Besucher zu hoch. So habe es laut Jana Wittenbecher, Geschäftsführerin der Kleinen Galerie, kaum Resonanz auf die Wiedereröffnung gegeben. Damit alle, die sich für die Mode dieser Zeit begeistern, nicht gänzlich darauf verzichten müssen, die Sammlung kennenzulernen, können sie sich hier zumindest einen kleinen Eindruck des umfangreichen Sortiments an modischen Exponaten machen. 

Mode „Made in DDR“

Wer nun erwartet, dass in dieser Ausstellung nur altbackene Kittelschürzen gezeigt wurden, hat weit gefehlt. Natürlich dufte hier auch die gute alte und vor allem strapazierfähige Dederon-Schürze nicht fehlen – doch auch von gehobener Kleidung wie Abendkleidern und Anzügen bis hin zur Freizeit- und Alltagskleidung, niedlichen Kindersachen und sogar Bikini, Badehose und Unterwäsche war alles mit dabei, was das nostalgische Modeherz begehrt. Und das besondere dabei: Johanna Rolle, gemeinsam mit ihrem Ehemann Frank jahrelanges Mitglied des  Johann-Kentmann-Vereins und der Torgauer Renaissance-Tänzer, hat einen sehr großen Teil der Kleidung aus ihrer Sammlung in liebevoller Handarbeit selbst genäht, gestrickt usw. – nur der kleinere Teil der Exponate besteht aus gekauften Stücken. 

„Kleidung war damals sehr teuer, deshalb haben wir so viel wie möglich selbst hergestellt. Außerdem haben wir sie besonders wertgeschätzt, kaputte Kleidungsstücke nicht gleich weggeworfen, sondern repariert und sogar aus übrig gebliebenen Stoffresten noch neue Kleidungsstücke hergestellt – zum Beispiel einen Bikini, eine Badehose oder Unterwäsche“, erinnert sich Johanna Rolle. Wieso sie und ihr Mann Frank Rolle bis heute Kleidungsstücke aus mehreren Jahren aufgehoben haben, begründen sie damit, dass sie sich eben gerade weil Kleidung damals ein solch hoher – ideeller wie finanzieller – Wert beigemessen wurden sei, hätten sich beide nur schwerlich von irgendwelchen Stücken trennen können und diese dann stattdessen sorgsam aufbewahrt: „Wir dachten, irgendwann können wir sie vielleicht mal wieder hervorholen und jemandem zeigen, andere Menschen daran teilhaben lassen“, erklären sie. „Und dann kam die Idee, unsere Modesammlung aus der DDR in der Kleinen Galerie auszustellen.“

71 Jahre Modegeschichte

Das breitgefächerte Sortiment der  ihrer gesammelten Stücke umfasst nicht nur Erwachsenenmode, sondern auch Kinderbekleidung. Zu sehen waren unter anderem sowohl die Babykleidung, welche sie selbst für ihre eigenen Kinder – zwei Söhne – genäht hat als auch ihre eigene aus Kindheitstagen. Neben Damenbekleidung ab 1950, Kinderbekleidung ab 1970 und Herrensachen ab 1963 war zum einen alles, was man von „Kopf bis Fuß“ getragen hat, inklusiver modischer Accessoires und zum anderen Woll- und Stoffproben, Zeitschriften über Mode, einzelne Schnitte sowie einige DDR-Stoffe. Eine Sammlung, der man die Leidenschaft für Mode wahrlich anmerkt, denn nach den beiden Wohlauern sei all dies nur eine kleine Auswahl all der Kleidungsstücke, welche über die Jahre aufgehoben wurden. 


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