Mittwoch, 20. Oktober 2021
Montag, 19. April 2021

Gescheiterter Fluchtversuch

Werner KubeFoto: DIZ Torgau

Elisabeth Kohlhaas, DIZ Torgau

Torgau/Brottewitz. Tausende Gefangene wurden ab Mitte April 1945 aus den beiden Wehrmachtgefängnissen Fort Zinna und Brückenkopf in Torgau auf Märsche getrieben. Noch bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 verübten die Wachmänner Verbrechen an den Häftlingen: Sie erschossen geschwächte Gefangene und ließen Flüchtende hinrichten. 

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So geschah es auch vor 76 Jahren, am 20. April 1945, in Brottewitz. Dort unternahmen fünf Häftlinge – junge Wehrmachtsoldaten im Alter von etwa 20 Jahren – einen Fluchtversuch. Auf dem Räumungsmarsch waren sie aneinander gekettet und wollten gemeinsam fliehen. Nach dem Fluchtversuch wurden sie von einem militärischen Standgericht zum Tode verurteilt und nur wenig später von den Wachmännern des Wehrmachtgefängnisses an der Friedhofsmauer in Brottewitz erschossen. In einem Sammelgrab auf dem Friedhof wurden sie verscharrt.

Ein Gedenkstein in Brottewitz erinnert an das Verbrechen. Zu den Hingerichteten gehören Werner Kube und Harry Pien. Ihre Schicksale zeigen, mit welcher Härte die Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg gegen jedes noch so geringe Vergehen der Soldaten vorging. Über die beiden jungen Männer wissen wir mehr als über die anderen drei Opfer Reinhold Franzik, Johann Jacoby und Kurt Erich Kindermann. Harry Pien war Marinesoldat. Anfang 1945 verlor er während seines Urlaubs bei den Eltern in Berlin den Urlaubsschein. Er meldete sich deshalb zu spät zu seiner Einheit zurück. Das Gericht der Kriegsmarine Berlin verurteilte ihn daraufhin wegen „unerlaubter Entfernung“ zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Die besonders hohe Strafe begründete das Gericht mit den „heutigen Kriegsverhältnissen“. Pien gelangte ins Wehrmachtgefängnis Fort Zinna in Torgau.

Werner Kube gehörte als Soldat der Luftwaffe an. Er war als Techniker auf dem Flugplatz Altenburg in Thüringen eingesetzt. Dort half er sowjetischen Kriegsgefangenen, die auf dem Flugplatz Zwangsarbeit leisten mussten. Er versorgte sie mit Essen und sprach mit ihnen über die Kriegslage. Ein anderer Soldat zeigte ihn an. Kube wurde verhaftet und in Berlin wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ angeklagt. Über seine Verurteilung ist nichts bekannt. Auch er kam als Häftling in das Wehrmachtgefängnis Fort Zinna in Torgau. Werner Kube entstammte einer kommunistischen Familie. In der DDR wurde an ihn als antifaschistischen Widerstandskämpfer erinnert. Schulen und Straßen waren nach ihm benannt, eine Briefmarke trug sein Portrait.

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