Donnerstag, 6. Mai 2021
Mittwoch, 21. April 2021

"Nicht nur die Bauern waren damals skeptisch: Wer soll da langfahren?"

Radfahrer auf dem Elberadweg in der Gemeinde Elsnig.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Vor genau 20 Jahren wurden im Altkreis Torgau die letzten Abschnitte des Elberadweges übergeben. TZ erinnert an den Bau, sprach mit einem ehemaligen Bürgermeister und mit dem Tourismusverband über die Vermarktung: 

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Er brauchte eine Weile, bis er auch in der Region die Akzeptanz fand, die ihm gebührt – der Elberadweg. Vor genau 20 Jahren wurden im Altkreis Torgau die letzten Abschnitte übergeben. Die Strecke zwischen Greudnitz im Norden und Schirmenitz im Süden war nun durchgängig befahrbar. 

Genaue Zahlen 

46 Kilometer und 474 Meter hatte das Landratsamt Torgau-Oschatz damals ausgerechnet. Kleinere Nacharbeiten sollten bis Mai 2001 lediglich noch zwischen Torgau und Repitz sowie bei Außig und Seydewitz erfolgen. 18,3 Millionen D-Mark waren in den Ausbau geflossen. Zehn Prozent davon gingen zu Lasten des Kreises, 90 Prozent Fördermittel übernahm der Freistaat Sachsen. Selbst an das Anpflanzen von Hecken und Bäumen im Umfeld der Strecke hatte man gedacht. 

Redakteure auf dem Rad 

Es herrschte Freudenstimmung, auch wenn keine feierliche Einweihung stattfand. Immerhin war schon 1993 mit dem Bau der ersten Etappe bei Torgau begonnen worden. Die Redaktion der TZ nahm das Thema zum Anlass, um ihre jährliche Frühlingstour eigens dem neuen Elberadweg zu widmen. Gemeinsam mit Lesern wurden einige Abschnitte befahren. Und die Redakteure stiegen selbst in den Sattel. Bis aber tatsächlich scharenweise voll bepackte Radtouristen in die Region reisten, dauerte es einige Zeit. 

Vor dem Weser-Radweg 

Heute ist der Elbradweg die beliebteste Radroute in ganz Deutschland. Und zwar ganz offiziell – nach einer Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Gerade hat die Strecke den Weser-Radweg wieder von Platz 1 verdrängt. Was auch Heike Grunow, Projektkoordinatorin für den Elberadweg Süd beim Tourismusverband Sächsische Schweiz, sehr freut. Immerhin hat es die Strecke nun schon 15 Mal an die Spitzenposition geschafft. 

Wie viele Touristen konkret jede Saison auf dem Elberadweg unterwegs sind, darüber gibt es leider keine Zahlen. „Sehr viele Urlauber nutzen die Route ja nicht durchgängig, sondern wählen bestimmte Etappen, die sie dann befahren“, sagt Heike Grunow. Gerade Großstädte wie Dresden, Magdeburg oder Hamburg seien wahre Magneten. Auch Prag ist beliebt. Über die Moldau habe man mittlerweile die Verbindung hergestellt und beziehe Tschechien in die Vermarktung mit ein. 

Wenig Andrang 

Der Altkreis Torgau könne bei den Radtouristen vor allem mit herrlicher Landschaft, mit Idylle, schmucken Dörfern und der Renaissancestadt Torgau punkten. „Auf dieser Etappe herrscht nicht so viel Andrang und man kann beim Radfahren wunderbar entspannen und den Kopf freibekommen“, weiß die Projektkoordinatorin aus eigener Erfahrung, die den Abschnitt erst kürzlich ausprobiert hat. 

Leider fehle es aber ein wenig an Gastronomie und Versorgern gerade im ländlichen Raum. „Wir würden uns über jeden weiteren Anbieter sehr freuen. Das betrifft auch radfreundliche Unterkünfte“, so Heike Grunow. Der Tourismusverband vergibt extra dafür ein Siegel. Unterkünfte für nur eine Nacht, sichere Abstellmöglichkeiten für Räder oder Radservice seien wichtige Kriterien. Im neuen Elberadweg-Handbuch sind solche Anlaufpunkte aufgeführt. Die Broschüre, die seit Januar in den Touristen-Informationen zu haben ist, enthält umfangreiches Kartenmaterial und Adressen von Werkstätten, Hotels, Pensionen, Gaststätten usw.

Ein Streitthema 

Dass der Weg im Raum Torgau oft von der Elbe weg führt, habe seinen ganz eigenen Reiz, empfindet die Koordinatorin. Dieser Fakt, der nicht von allen Rad-Enthusiasten begrüßt wird, ist auf seine Geschichte zurückzuführen. Denn bei der Wahl einer Trasse wurde damals zum Teil heftig gestritten und diskutiert. 

Torsten Seelig, heute Bürgermeister der Stadt Kemberg, damals Oberhaupt in Döbern, kann sich gut erinnern. „Das Hauptproblem waren die Eigentumsverhältnisse. Kein Landwirt wollte gerne Ackerflächen hergeben. Und dann herrschte viel Skepsis nach dem Motto: Wer soll da langfahren? Können wir die Millionen nicht für andere Dinge gebrauchen?“ Torsten Seelig schmunzelt darüber. „Der Boom war ja vor 20 Jahren nicht abzusehen.“ Er selbst sei aber von Anfang an ein Freund dieser Idee gewesen. 

Viele Kurven 

„Wir haben relativ schnell einen Weg um die Grube Döbern gezogen und diese Route auch angeboten.“ Selbst wenn später die Strecke durch das Dorf an der ehemaligen Gaststätte vorbei das Rennen machte, könne man immer noch diesen Weg als Abkürzung wählen. 

Ansonsten habe sich das Projekt in der Gemeinde Elsnig mindestens drei bis vier Jahre hingezogen. Man verständigte sich schließlich darauf, bestehende Feldwege in das Netz aufzunehmen. 

Das erklärt auch, warum Radler manchmal das Gefühl haben, ständig zur Elbe hin- und wieder weg zu fahren. Da der Fluss viele Kurven macht, war eine parallele Linienführung ohnehin wenig sinnvoll. Die Trasse durfte ja nicht durchs Überschwemmungsgebiet verlaufen. Sie musste hinter dem Deich Platz finden. Außerdem sollten ja die sehenswerten Dörfer mit ihren Gaststätten und Pensionen vom Tourismus profitieren. 

Unkompliziert 

„Die Fördermittel kamen unkompliziert und zeitnah“, erinnert sich Torsten Seelig, der sich über die Entwicklung des Elberadweges in den vergangenen 20 Jahren sehr freut. Das Stück hinter Wörblitz und Greudnitz sei eine der letzten Lücken gewesen, die noch zu schließen war, blickt er zurück. Als Bauherr fungierte der Landkreis, die Kommunen konnten aber Vorschläge machen. Später sei die Trasse dann zur Unterhaltung an die Gemeinden übergeben worden. 

Von den Chefplanern im Landratsamt ist – wie eine Anfrage der TZ ergab – niemand mehr tätig. Als Ruheständler dürfen sich diese ehemaligen Mitarbeiter aber über eine Erfolgsgeschichte freuen. Denn selbst die Skeptiker von damals wissen heute: Die 18,3 Millionen D-Mark waren gut angelegtes Geld. Vor etwa fünf Jahren wurde übrigens auch auf ostelbischer Seite eine Alternativroute ausgeschildert.


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