Mittwoch, 5. Mai 2021
Donnerstag, 22. April 2021

Die Test-Erklärerin

Dr. Claudia PottFoto: Dr. Agneta Jilek, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Nordsachsen. Sehr, sehr viele Kinder und noch mehr Eltern kennen ihr Gesicht. Seit Mitte März wurde das Youtube-Video mit ihr in der Hauptrolle mehr als 280 000 Mal abgerufen. Dabei wollte Dr. Claudia Pott, die Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes Nordsachsen, gar nicht so viel Aufmerksamkeit.

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Ihr Ziel war es nur, den Jungen und Mädchen zu zeigen, wie der Corona-Selbsttest  funktioniert. „Immer wenn es darum geht, den Menschen etwas zu erklären und ihnen damit Ängste zu nehmen, bin ich dabei“, sagt sie.

Nicht nur Theorie

Dr. Claudia Pott hat für sich die optimale Mischung aus zwei Jobs gefunden. Drei Tage pro Woche steht sie der Kreisverwaltung als Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes zur Seite, an zwei Tagen unterstützt sie als Ärztliche Leiterin der Landesrettungsschule das DRK-Bildungswerk. 

Ihren Job beim Landkreis hat die Anästhesistin 2020 angetreten. Also mitten in einer, so dachten viele zumindest seinerzeit, Ausnahmesituation. Für die zupackende Delitzscherin allerdings eher Ansporn als Bremsklotz. „Ich will nicht nur Zahlen und Daten produzieren, sondern positive Veränderungen bewirken“, sagt sie. Damit sie nah an der Praxis entscheiden kann, fährt Dr. Pott Notarzt-Dienste im gesamten Landkreis, schaut sich dabei die Rettungswachenbereiche, Krankenhäuser und die Übergabemodalitäten zwischen Rettungsdienst und Notaufnahmen an. „Ich übernehme auch Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigung, um diese Perspektive besser zu verstehen“, berichtet sie.

Die Abläufe im Blick

Der Fokus liegt freilich auf dem Rettungsdienst und hier hat die langjährige Krankenhausärztin gemeinsam mit ihren Amtskollegen in der Stadt und dem Landkreis Leipzig bereits erste Hebel in Bewegung gesetzt. So einigte man sich auf gemeinsame Standards bei der Patientenbehandlung und der Medikamentenvorhaltung. Diese Vereinheitlichung ist sinnvoll, schließlich werden alle drei Rettungsdienstbereiche von der Integrierten Rettungsleitstelle (IRLS) Leipzig angesteuert und arbeiten öfter zusammen. Die Normierung und Standardisierung des Rettungsdienstes ist auch eine  Aufgabe der Ärztlichen Leiterin. Nur so lässt sich Qualität sichern und erhöhen. Dazu gehört der Blick auf die Abläufe der IRLS, deren stellvertretende Leiterin sie qua  Amt ist, ebenso wie die Qualifikation und Rezertifizierung der Notfallsanitäter des Landkreises. 

Große Aufmerksamkeit

Alle zwei Jahre müssen diese top- ausgebildeten Kräfte zum Test. Dort durchlaufen sie verschiedene Szenarien und müssen unter Aufsicht der Ärztlichen Leiterin ihre Vorgehensweisen demonstrieren, die sich nach Vorgaben der Behandlungspfade Rettungsdienst (BPR) sowie der Standardisierten Arbeitsanweisungen (SAA) richten.

Die Ausbildung und Prüfung von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern ist zudem Bestandteil ihres zweiten Jobs beim DRK-Bildungswerk. Hier organisiert die dreifache Mutter zudem die Ausbildung der künftigen Retter. Über das Bildungswerk des Deutschen Roten Kreuzes kam schließlich auch der Stein ins Rollen, der die Ärztin zu Youtube brachte.

Ende 2020 unterrichtete sie dort zahlreiche Menschen im richtigen Umgang mit Antigen-Schnelltests. „Wir haben auch kurze Erklärvideos gedreht, beispielsweise, wie die Schutzausrüstung angelegt wird“, erinnert sie sich. Das Medieninteresse an den Schulungen sei groß gewesen und so seien auch das Ministerium und das Sekretariat des DRK auf diese Aktivitäten aufmerksam geworden.

Ohne Drehbuch

Als dann klar wurde, dass in sächsischen Schulen eine Testpflicht eingesetzt würde, erinnerte man sich ans DRK und im Ministerium wurde zum Telefonhörer gegriffen. „Am nächsten Morgen haben wir gedreht. Ohne Drehbuch, aber dafür mit den Kindern zweier Mitarbeiter“, schmunzelt Dr. Pott. „Wir wussten nicht, welche Tests angeboten werden, deshalb haben wir ein allgemeines Prozedere entworfen um niemanden zu verwirren.“ Außerdem fehlt bewusst im Video für die Schulkinder der Auswertungsteil. In einem weiteren Video für die Lehrkräfte ist er dabei. 

Dass das fertige Video dann bei Youtube landete, überraschte die Ärztin. „Ich war davon ausgegangen, dass es auf den Seiten der Ministerien veröffentlich wird. Aber dann kamen meine Kinder nach Hause und meinten: Du bist bei Youtube und hast soundsoviel Aufrufe. Na ja, dann war es eben so.“

Scheu genommen

Überwiegend positiv sei das Feedback gewesen, das sie direkt auf das Video bekommen habe. „Es gab auch einige E-Mails mit sehr unschönem Inhalt und es hat mich schon beschäftigt, was dahinter steckt. Jetzt interpretiere ich den Inhalt als Kritik an der aktuellen Situation und nicht als persönlichen Angriff.“ Geantwortet habe sie auf die Schmäh-Mails nicht, genauso wenig verfolge sie die Kommentarspalten zum Video in den sozialen Netzwerken. 

Und das ist gut so. Denn am Ende zählt vor allem eines: Unzähligen Kindern und Eltern konnte über dieses Video die Scheu und die Sorge vor den Selbsttests genommen werden.

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