Dienstag, 11. Mai 2021
Dienstag, 27. April 2021

Es gab große Herausforderungen und auch einige Überraschungen

Feierlich wird das Band durchgeschnitten. Bürgermeisterin Heike Karau in der Mitte. Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Es war ein Großprojekt, das nach mehr als zwei Jahren sein glückliches Ende gefunden hat: Jetzt wurde das sanierte Landambulatorium in Dommitzsch offiziell übergeben. 

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Bürgermeisterin Heike Karau hatte lange gehofft, dass sich die Corona-Situation wieder entspannt und dass sich die Einweihung des Landambulatoriums mit einer zünftigen Feier verbinden lässt. 

2,4 Millionen Euro: Es war immerhin die größte Investition in Dommitzsch in den vergangenen Jahren. Noch dazu eine, die für die Bevölkerung immens wichtig ist und die viele Einwohner ständig im Alltag direkt erleben dürfen. Hausarzt, Zahnarzt, Physiotherapie, Fußpflege, ambulanter Pflegedienst, Apotheke, Stadtbibliothek – das alles befindet sich unterm Dach des Gebäudes in der August-Bebel-Straße. Das „Ambu“ gilt neben  Grundschule und Kita als einer der meist frequentierten Anlaufpunkte in der Gänsebrunnenstadt. 

 

Kein Licht 

Allerdings: Mitten in der Pandemie scheint das Licht am Ende des Tunnels noch weit entfernt und so entschloss sich Heike Karau, die Übergabe des Landambulatoriums „corona-konform“ in kleinem Rahmen durchzuführen. Zum symbolischen Durchschneiden des Bandes waren somit letzte Woche nur die Vertreter des Architektenbüros, des Fördermittelgebers, die Bürgermeister aus Trossin und Elsnig sowie der stellvertretende Bürgermeister eingeladen. Selbstverständlich wurden bei diesem freudigen Anlass auch die Mieter des Landambulatoriums herzlich begrüßt. 

Die Stadt-Chefin betonte, dass das ganze Projekt gar nicht machbar gewesen wäre, wenn die Kommune in den letzten drei Jahren nicht starke Partner eng zur Seite gehabt hätte. Die Planer wurden mit ganz besonderen Herausforderungen konfrontiert. Zum Beispiel ist ein Geschoss des DDR-Typenbaus komplett in das Erdreich abgesenkt, obwohl auch hier bei der täglichen Arbeit Tageslicht benötigt wird. 

Bunker für den Krieg 

Wahrscheinlich hatte man damals bei der Errichtung einen atomaren Angriff im Hinterkopf. „Es war ja die Zeit des Kalten Krieges. Wäre eine atomar verseuchte Wolke über das Land hinweg gezogen, wäre vielleicht das Untergeschoss halbwegs verschont geblieben und die Bevölkerung hätte einen Schutzraum vorgefunden, so Heike Karau in ihrer Rede. Auf diese Überlegung weise zudem ein unter der Apotheke befindlicher betonierter Raum hin. Mit einer Schleuse ausgestattet, war er tatsächlich auch als Bunker konzipiert. 

Das Eingraben des Gebäudes bescherte der Nachwelt allerdings handfeste Probleme. Man stellte unter anderem eine Durchfeuchtung des Mauerwerkes fest und in Teilen der Bibliothek gab es Schimmelbildung an den Wänden. Das Gebäude erfuhr in den letzten 50 Jahren keine nennenswerten Sanierungsmaßnahmen. Die Missstände, wie fehlende energetische Sanierung von Dach und Fassade, barrierefreie Erschließung des Untergeschosses sowie die brandschutztechnische Ertüchtigung sollten durch die Großinvestition im Wesentlichen behoben werden, erläuterte die Bürgermeisterin. 

Bevor die Stadt jedoch mit den Arbeiten beginnen konnte, waren ein Städtebaulicher Vertrag und ein Konzept notwendig, um in dieses Stadtentwicklungs-Förderprogramm, sprich KSP-Programm, aufgenommen werden zu können. Denn das wusste man auch: Ohne Zuschusse, nur mit Eigenkapital, war das Ganze nicht zu stemmen. 

Im November 2017 dann nach vielen Beratungen, Abstimmungen und Ideenfindungen der Durchbruch: Der Stadtrat vergab die Planungsleistungen für die Entwurfsplanung an das Architektenbüro Schoener und Panzer aus Leipzig. Im Juli 2018 ein weiterer Meilenstein: Die Sächsische Aufbaubank bescheinigte, dass sie eine vollständige Sanierung des Landambulatoriums entsprechend dem Städtebauprogramm finanziell fördern wird. 

 

25 Beschlüsse 

Im Januar 2019 kam es schließlich zur ersten Bauanlaufberatung. Danach beschäftigte sich der Stadtrat fast monatlich mit den einzelnen Vergaben für die entsprechenden Gewerke. „Insgesamt waren für alle Baulose und Planungsphasen sage und schreibe 25 Beschlüsse notwendig. Rund 25 Firmen  haben sich hier sprichwörtlich die Klinke in die Handgegeben. Alle diese Arbeiten mussten abgestimmt, terminisiert und bei der Durchführung begleitet werden“, fasste Heike Karau zusammen. In den nachfolgenden Monaten wurde das Landambulatorium teilweise völlig neu umgestaltet. Es sollte künftig heller, freundlicher, moderner sein. Äußerlich wurde das Gebäude freigegraben und abgedichtet. Die Wände wurden gedämmt und neu verputzt. „Auch das Dach haben wir dämmen und neu eindecken lassen“, zählte die Stadtchefin zahlreiche Schritte auf. Sie ging unter anderem noch mal ausführlich auf die neu konzipierte Bibliothek ein, die zum Vorzeigeobjekt geworden ist. 

 

45 Arbeitsplätze 

„Die Bedingungen unserer Mieter in den Praxen haben sich wesentlich verbessert und mit ihrer Anwesenheit werden wir auch in Zukunft das Grundzentrum Dommitzsch weiter stärken“, so die Bürgermeisterin.  Das Landambulatorium biete für rund 45 Personen einen Arbeitsplatz. Heike Karau bedankte sich bei allen am Bau Beteiligten und insbesondere bei den Nutzern des Gebäudes, die während der gesamten Zeit  der Arbeiten im laufenden Praxisbetrieb Einschränkungen sowie Lärm- und Staubbelästigungen erdulden mussten. 

„Mit Stolz können wir das Landambulatorium jetzt wieder seiner vollen Bestimmung als Ärztehaus für die Bürger von Dommitzsch und den angrenzenden Orten übergeben“, so die Stadt-Chefin. In einem zweiten Bauabschnitt sollen noch das Umfeld und der Außenbereich gestaltet werden. Dazu seien demnächst weitere Fördermittel zu beantragen.


Das könnte Sie auch interessieren

DER MAZDA CX-3

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de