Dienstag, 3. August 2021
Dienstag, 27. April 2021

Romina Barth: "Ein kleines Naturdenkmal setzen"

Romina Barth: „Wir alle können uns über eine komplexe Stadtentwicklung freuen.“ Foto: SVT/E. Jack

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Romina Barth über Skepsis, Dornröschen, Baumpaten und Ein-Kreuz-Machen

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Torgau.  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Romina Barth, Oberbürgermeisterin der Stadt Torgau, warum die Arbeiten zur Landesgartenschau Torgau 2022 im Zeitplan liegen.

 

SWB: In einem Jahr wird die Landesgartenschau 2022 in Torgau eröffnet sein. Können Sie ob der bevorstehenden Aufgabenfülle noch gut schlafen, Frau Oberbürgermeisterin?
Romina Barth:
Das habe ich mittlerweile gelernt. Anfangs war das mit dem Gut-Schlafen schwieriger. Da wir uns aber bei den wichtigen Arbeits-Aufgaben als Team zusammengeschweißt haben und gut zusammenarbeiten, habe ich ruhige Nächte.


Die Finanzierung ist gesichert, die Ausschreibungen sind gemacht, aber die Zeit drängt. Können die Baufirmen mit dem geforderten Tempo Schritt halten? Lieferengpässe bei Baumaterialien gibt es nicht?
Ob es irgendwo Lieferengpässe gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Davon ist nicht auszugehen. Was ich aber sagen kann: Wir liegen super im Zeitplan. Die Baustellen sind besser aufgestellt und bei den Arbeiten weiter, als es von den Planern gefordert. Großauftragnehmer wie die Firma EZEL reagieren flexibel von Baustelle zu Baustelle. Alles in allem geht es supergut voran.  


Wie sehr bremst Corona die Anstrengungen aus? Mussten Sie irgendwo Zugeständnisse machen? Und wer sagt uns, dass im April des kommenden Jahres die Pandemie besiegt ist?
Das sagt uns natürlich keiner. Aber die Fortschritte beim Impfen stimmen mich zuversichtlich, dass wir  bald schrittweise in die Normalität zurückkehren. Corona hat uns dahingehend ausgebremst, dass wir beispielsweise größere Baubesprechungen nicht so durchführen konnten wie gewohnt, sondern sie in virtueller Form abhielten. Organisatorisch und struktuell sind wir gut aufgestellt. Einschränkungen gab es bezüglich des geplanten Spaziergangs für die Bevölkerung über die Laga-Baustellen am Oster-Wochenende. Auch der Termin am Pfingst-Wochenende ist vage und wird wohl – ohne den Dingen vorzugreifen – erst Ende Juni/Anfang Juli stattfinden können.


Und wenn es dann auch nicht klappt?
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, die Torgauer über den aktuellen Stand informieren zu wollen, auch wenn in Sachen Inzidenzwerten wieder neu gewürfelt wurde. In diesem Jahr werde ich auf jeden Fall über die Fortschritte unterrichten.


Wer in Torgau wohnt, hat das Gefühl, in manchen Teilen der Stadt auf einer Baustelle zu wohnen: Wie ist der Ist-Zustand der Arbeiten?
An allen Ecken und Kanten wird in der Innenstadt gebaut. Neben unseren eigenen Projekten realisieren auch die Torgauer Wohnstätten GmbH, bekanntlich ein Tochterunternehmen der Stadt, und der Trink- und Abwasserzweckverband ihre Vorhaben. Eines kann ich versprechen: Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau werden alle Maßnahmen abgeschlossen sein. Sicherlich haben einige Torgauer aktuell mit Lärm und Dreck zu kämpfen. Aber im kommenden Jahr können wir uns alle über die komplexe Stadtentwicklung freuen.


Ein Ärgernis ist sicherlich der Umstand, dass einige Zeitgenossen das Betretungsverbot im Glacis ignorieren, ja sich häufiger am Bauzaun zu schaffen machen.
Ja, das ärgert mich in der Tat und sorgt für Unverständnis, nicht nur bei mir. Es ist ein Sicherheitsproblem, weil es im Glacis zurzeit offene Gräben und unbeleuchtete Wege gibt, was man nicht unterschätzen sollte. Wer das Betretungsverbot missachtet, riskiert Verletzungen und Unfälle. Ich habe Verständnis dafür, dass Hundebesitzer mit ihrem Vierbeiner spazieren gehen. Warum aber nicht an der Elbe? Es gibt genügend Grünflächen in Torgau.
Wie schwer ist es unter den gegebenen Umständen, die Bevölkerung für die Landesgartenschau zu begeistern? Es gibt mittlerweile auch kritische Stimmen, die sagen: Die anfängliche Begeisterung ist der Skepsis gewichen.
Davon habe ich noch nichts gehört. Sicherlich gibt es die bekannten Kritiker, die sich über alles und nichts beklagen. Mich stimmen die Gesamt-Entwicklung und Baufortschritte zuversichtlich.  Von Skepsis keine Spur. Im Gegenteil. Der Förderverein begeistert die Menschen, freut sich über immer neue Mitglieder. Und dann liegen mir die Baumpatenschaften am Herzen. Die Aktion ist sehr gut angelaufen.


Was hat es damit auf sich?
Die Menschen können sich mit einem eigenen Bäumchen beteiligen, gemeinsam etwas für Torgau tun und ein Stück Zukunft gestalten. Familien, Vereine oder Institutionen können sich gern zusammenschließen und ein Bäumchen für 600 bis 2000 Euro unter patenschaft@laga-torgau.de erwerben. Zur Auswahl stehen Obst- und Laubbäume für 600 Euro, Kastanien für 1000 Euro und die Graditzer Linden für 2000 Euro. Wer sich für ein Bäumchen entschieden hat, bekommt sozusagen eine exklusive Führung über das Laga-Gelände, um einen Baum auszusuchen, eine Stele und eine Urkunde. Jeder kann sich sein eigenes, kleines Naturdenkmal in Torgau setzen.


Waren Sie zuletzt an irgendeiner Stelle einmal skeptisch?
Was das große Ganze betrifft, nie. Die Liegestuhl-Aktion im vergangenen Jahr habe ich zunächst mit Skepsis beäugt, weil die hochkarätigen Stühle doch etwas preisintensiv waren. Ich habe mich dann von meinem Team aber schnell eines Besseren belehren lassen. Dass so viele Torgauer ihre Begeisterung für die Landesgartenschau entwickeln und auch zeigen, erfüllt mich mit Stolz.


Kann die Laga auch eine Anschub-Funktion für die verwaiste Innenstadt haben?
Sie kann es nicht nur, sie muss es sogar. Die Innenstadt soll voll und ganz mit in die Laga integriert werden – das Geschehen soll sich für alle positiv auswirken. Wege führen ganz bewusst über den Markt. Beispielsweise zum Apotheker-, Kentmann-, Schloss und Rosengarten, die mit der Laga verknüpft sein werden. Wenn es möglich ist, wollen wir mit Händlern und Gastwirten ins Gespräch kommen – Möglichkeiten und Chancen für alle Seiten abklopfen. Aber auch Museen, unsere herrliche Architektur und die Kultur sollen mit eingebunden werden. Der Besucher hat an 170 Tagen vom 23. April bis 8. Oktober 2022 die Möglichkeit, sich von Torgau ein umfassendes Bild zu machen. Ich sage es mal so: Dornröschen, welches ja immer im Zusammenhang mit Torgau genannt wird, soll immer strahlen. Aber bis dahin sind noch einige Kraftanstrengungen vonnöten.


Abschließend noch ein Wort zur Nachhaltigkeit.
Darauf legen wir selbstredend großen Wert. So beim Verwenden der Baustoffe und beim Bauen selbst. Nachhaltigkeit und Ökologie sind wichtige Bausteine.


Sie werden die Laga als OBM eröffnen, aber werden Sie sie auch als OBM beenden?
Da müssen Sie den lieben Gott fragen (lacht). Nein, das entscheiden  die Fraktion, die Partei und letztendlich natürlich der Bürger, ob er das Kreuz noch einmal hinter meinen Namen setzen möchte.

¦  Landesgartenschau Torgau 2022 vom 23. April bis 9. Oktober 2022
    Mehr Informationen auf www.landesgartenschau-torgau.de

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