Montag, 21. Juni 2021
Mittwoch, 5. Mai 2021

Maik Pötzsch: "Das macht uns unvergleichlich"

Dachdeckermeister Maik Pötzsch (r.) und Marko Lindenlaub, Bauherr des Hauses in der Leipziger Straße 16, auf dem Dachfirst. Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Maik Pötzsch über alte Seilschaften, Lagerkapazität und seine Kinder als Nachfolger

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Beilrode. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Dachdeckermeister und Firmenlenker Maik Pötzsch, warum er sich am regionalen und globalen Markt orientiert.

SWB: Sie werben mit dem Slogan „Legen Sie Ihr Geld in Dachziegel an“.  Ist ein Dach mehr wert, als das Geld auf dem Konto liegen zu haben?
Maik Pötzsch:
Auf jeden Fall. Es hat einen Mehrwert, sein Geld lieber in seine Immobilie zu stecken, als auf der Bank zu haben, wo es eh wenig Ertrag bringt.


Die Baubranche boomt. Wie haben Sie das letzte Jahr erlebt?
Ich hatte keinerlei Probleme: Es gab keinen Abbruch in Sachen Aufträge. Durch die breite und schlagkräftige Aufstellung meiner Firma mit Dachdeckerei, Dachklempnerei, Zimmerei und Kranlogistik sind wir unvergleichlich und unabhängig. Der Auftraggeber hat den Vorteil, sich nur mit einer Firma abstimmen zu müssen. Die Planung und Ausführung der einzelnen Gewerke erfolgt bei uns aus einer Hand. Das garantiert einen reibungslosen und schnellen Bauablauf.


Also sind Ihre Auftragsbücher gut gefüllt?
Bis September des Jahres haben wir gut zu tun. Durch die Struktur meiner Firma entsteht keine Auftragslücke. Das ist nicht überall so.


Wie ist das gemeint?
Alteingesessene Baubetriebe werden perspektivisch in den nächsten Jahren Probleme bekommen. Zum einen aufgrund des fehlenden Nachwuchses und zum anderen, weil sich kein Nachfolger für die Betriebe finden lässt. Einige Firmen werden gänzlich ohne Meister geführt und sind nicht in der Lage, Lehrlinge auszubilden. Ein Meisterabschluss ist die Grundvoraussetzung, um einen Betrieb mit den entsprechenden Fachkenntnissen lenken und leiten zu können. Ich sage immer: Jeder in seinem Fach und der Dachdecker auf‘s Dach.  


Wie haben Sie vorgesorgt?
Durch eine vorausschauende Planung in den Firmenstandort in Beilrode. Der Kredit ist seit April 2020 abbezahlt. Dadurch sind wir wirtschaftlich gut in dieser schweren Zeit aufgestellt. Das zahlt sich langfristig aus.


Gibt es Probleme während der Corona-Krise?
Nein. Wir halten uns an alle Maßnahmen und Forderungen in unseren Fahrzeugen, im Betrieb und auf den Baustellen. Ich habe meine Leute sensibilisiert: Wir werden diese großen Herausforderungen gemeinsam meistern. Es ist gut, verständnisvolle und vertrauenswürdige Mitarbeiter und Meister hinter sich zu wissen, welche mit der nicht leichten Gesamtsituation umgehen können. Ich denke, dass wir gestärkt aus der Situation herauskommen und sehe es auch als Chance.


Können Sie das erklären?
Durch unser Alleinstellungsmerkmal mit mehreren Gewerken unter einem Dach werden wir in Zukunft gefragter denn je sein. Über kurz oder lang wird keiner an uns vorbeikommen (lacht).  


Das klingt sehr überzeugt.
Alte Seilschaften kommen Stück für Stück zum Erliegen. Zukünftig wird an der Auftragsvergabe kein Weg an uns vorbeiführen.


Fühlen Sie sich durch die Handwerkskammer gut vertreten?
Ich schätze Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, als jemand, der die Handwerker optimal vertritt. Als erfahrener Dachdeckermeister weiß er, wovon er spricht und wie man einen Betrieb führen muss. Er kümmert sich um unsere Probleme und Belange. Ein großes Dankeschön an ihn.


Baumaterialien und Rohstoffe werden knapp. Ist Ihre Firma betroffen?
Nein. Wir haben vorgesorgt mit dem Standort in Beilrode. Dort haben wir gute Lagerbedingungen, um den Schwankungen des Marktes entgegenzuwirken. Es ist unerlässlich, den regionalen und globalen Markt im Blick zu haben, um rechtzeitig auf Engpässe reagieren, bestehende Aufträge abarbeiten und Bauabläufe garantieren zu können. Für mich macht es sich bemerkbar, dass ich eine langjährige Zusammenarbeit mit Baustoffhändlern und der Industrie pflege.


Besonders Holz ist auf dem Weltmarkt gefragter denn je.
Ich habe vorausschauend gewirtschaftet und verschiedene Querschnitte, Dachbalken, Dachlatten etc.  eingelagert. Zudem ist mein Betrieb liquide, um Material vorzufinanzieren. So können wir auf Extreme des Marktes reagieren.


Die Dachdeckerei Pötzsch ist in der Torgauer Innenstadt sehr präsent.
Eine denkmalschutzgerechte Sanierung ist immer mit großen Herausforderungen verbunden. Es ist schön, sich mit seiner Arbeit und seinem Namen als Handwerker in der alten Renaissancestadt Torgau in die Liste alter Gebäude mit einzureihen und zu verewigen. Als Handwerker hinterlässt man einen Fußabdruck, sichtbare Spuren in der Stadt, um mit einem kleinen Teil an der Geschichte und Erhaltung der Architektur mitzuschreiben. Beim Rückbau alter Objekte, der Decken- und der Holzsanierung sind gewisse Fähig- und Fertigkeiten vonnöten, um den Urzustand wiederherzustellen. Für unseren Betrieb ist es auch eine Bestätigung der Fachkompetenz, vor allem für die Meister Thomas Friedrich und Daniel Schaller. Auch wir lernen auf jeder Baustelle noch dazu. Das macht es spannend und interessant.


Was waren die Herausforderungen in der Leipziger Straße 16?
Die alte Dachkonstruktion originalgetreu im Urzustand und nach den Vorgaben des Denkmalschutzes herzustellen. Die Deckenbalken mussten unter Volllast ausgetauscht werden.


Wo steht Ihre Branche in zehn Jahren?
Das Handwerk wird immer bleiben, weil viele Abläufe auf dem Bau nicht industrialisiert werden können. In Zukunft wird das Handwerk anders wertgeschätzt und geachtet. Da bin ich mir sicher. Dass Handwerker über den Preis geschröpft werden, sollte bald der Vergangenheit angehören. Kompetente und fachlich gute Handwerker werden gefragter denn je.


Ist im Hause Pötzsch die Nachfolge schon geregelt?
Ja, ich habe die Nachfolge schon vorbereitet. Ab August 2022 wird mein Sohn Karl-Lucas seine dreijährige Lehre als Dachdecker beginnen, später die Meisterschule im Dachdeckerhandwerk besuchen. Meine Tochter Antonia wird ab August 2025 ihre dreieinhalbjährige Lehre als Dachklempnerin beginnen mit anschließender Ausbildung zur Meisterin im Dachklempnerhandwerk. Somit werden meine Kinder mein Erbe fortführen und weiter ausbauen.


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