Dienstag, 27. Juli 2021
Freitag, 7. Mai 2021

"Viele flüchten mit Büchern aus der beklemmenden Gegenwart"

Torgau. Zwar ist aufgrund der Pandemie-Bestimmungen nach wie vor kein persönliches Stöbern vor Ort nach interessanten Büchern, Zeitschriften oder Filmen möglich, dafür bietet die Stadtbibliothek aber eine Vorbestellung der Wunschmedien mit anschließender Abholung an. Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Seit dem 12. April bietet die Stadtbibliothek Torgau einen erweiterten Service an. Bibliotheksleiterin Claudia Eilenberger spricht darüber, wie das Angebot angenommen wird, welche Medien in der Corona-Krise am beliebtesten sind und welche Neuheiten es sonst noch gibt. 

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Seit dem 12. April bietet die Stadtbibliothek Torgau einen erweiterten Service an. Dieser beinhaltet, dass die Ausleihe nach Voranmeldung nun neben donnerstags auch dienstags jeweils von 10 bis 18 Uhr möglich ist. Die Vorbestellung von Medien kann telefonisch oder per E-Mail erfolgen. Im TZ-Gespräch  spricht Bibliotheksleiterin Claudia Eilenberger darüber, wie das Angebot angenommen wird, welche Medien in der Corona-Krise am beliebtesten sind und welche Neuheiten es gibt.

Wie ist die Resonanz der ersten Wochen, sprich wird das erweiterte Angebot gut angenommen?

Als wir am 11. März 2021 mit der eingeschränkten Ausleihe nach Voranmeldung mit einem Tag pro Woche wieder starten durften, sind wir von der großen Resonanz regelrecht überrollt worden. Nun freuen wir uns, dass wir dieses Angebot für unsere Leser erweitern konnten. Der extra Tag wird sehr dankend angenommen, da er den Nutzern ermöglicht, schneller einen Termin zu bekommen.

Wie kommt das System der Vorbestellung allgemein bei den Bibliotheksnutzern an?

Natürlich fehlt allen das ausgiebige Stöbern in den Regalen, das Schmökern und Entdecken unterhaltsamer und neuer Medien. Zudem vermissen viele den sozialen Austausch und das persönliche Miteinander. Und natürlich reagieren einige wenige Nutzer auch mit Unverständnis auf das Betretungsverbot für unsere Räumlichkeiten. Die Mehrheit aber ist sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, diese Alternative zur Medienausleihe zu schaffen. Sie stöbern dafür im Online-Katalog nach Büchern, Spielen und mehr und bestellen das Gewünschte per Mail oder Telefon. Die Bibliotheksmitarbeiterinnen stellen dann ein Paket mit den gewünschten Medien zusammen. Und auch wenn dieser eingeschränkte Ausleihservice einen Mehraufwand bedeutet, ist er doch ein kleiner Lichtblick.

Wie kommen die Kunden mit der kontaktlosen Vorbestellung zurecht?

Die Vorbestellung per Mail und Telefon wird sehr rege genutzt, auch wenn ältere Kunden ab und an Probleme mit der technischen Umsetzung haben und auf Beratung angewiesen sind. Nicht jeder hat Zugang zum Internet, um vorab seine Medienwünsche zu recherchieren. Aber auch hier finden wir zumeist eine Lösung. Durch die erweiterten Servicezeiten können die Mitarbeiter telefonisch individuell bei der thematischen Auswahl beraten und auf Ausleihwünsche eingehen.

Welche Medien sind zurzeit am beliebtesten und werden am häufigsten ausgeliehen?

Am beliebtesten sind nach wie vor Romane, die zurzeit verstärkt ausliehen werden. Ratgeber und Bücher zu Garten und Hobbys sind sehr gefragt. In den schwierigen zurückliegenden Wochen haben viele Menschen die Zeit genutzt, um ein altes Hobby wieder aufleben zu lassen oder mit einem Neuen zu beginnen. Zahlreiche Bücher geben Tipps und Hinweise, zum Beispiel für den kreativen Bereich angefangen von der Malerei, übers Zeichnen bis hin zur Fotografie und zum Basteln. Aber auch Bücher zum Kochen, Yoga, Handarbeit und vieles andere sind gerade sehr gefragt. Passend zum Homeschooling sind Lernspiele für Vor- und Grundschule sowie Erstlesebücher zum Lesenlernen sehr beliebt. Brettspiele für die ganze Familie und interaktive Medien wie Tonies und Tiptoi sind der Ausleihrenner.

Durch die Corona-Krise haben sich auch die Themen verändert, mit denen Menschen sich auseinandersetzen. Merkt man das ebenfalls an der Wahl der ausgeliehenen Medien?

Ja, auf jeden Fall. Für ganz viele Menschen sind Bücher und andere Medien lebensnotwendig. Gerade jetzt ist ausreichender Nachschub an geistiger Nahrung wichtig, um gut durch diese schwierigen Zeiten zu kommen. Nicht nur, weil so mancher damit die Zeit in sozialer Isolation vernünftig füllt – sondern auch, weil Bücher die willkommene Flucht aus der beklemmenden Gegenwart bieten und man Genuss und Inspiration findet. Das merkt man natürlich bei der Ausleihe der Medien. Insgesamt leihen die Nutzer mehr Unterhaltungsliteratur aus und beschäftigen sich weniger mit Problemthemen. Die Menschen wollen sich mit einem guten Buch zu Hause ablenken und in fremde Leben, Welten eintauchen. Durch den Wegfall vieler Freizeitaktivitäten fehlen insbesondere Familien mit Kindern gerade die Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie haben jetzt Zeit zu lesen und vorzulesen, zu spielen und gemeinsam Filme zu schauen. Durch die Corona-Krise hat sich auch der Trend verstärkt, Medien in digitaler Form über das reichhaltige Angebot Onleihe zu nutzen. Der Bedarf nach digitalen Angeboten wächst sichtlich.

Gibt es sonst etwas Neues?

In der Stadtbibliothek herrscht kein Stillstand. Die Mitarbeiter streben stetig an, die Bibliothek noch attraktiver zu gestalten und neue Bibliotheksangebote zu entwickeln. So wurde zum Beispiel für die Kinderbibliothek ein mobiler Zeitschriftenturm mit vielen offenen Fächern zur übersichtlichen und kindgerechten Präsentation der Zeitschriften sowie ein mobiles Comicregal angeschafft. Zurzeit wird auch der Jugendbereich umgestaltet. Es entsteht eine gemütliche Leseecke mit zwei neuen mobilen Regalen für Manga, Hörbücher und Neuerscheinungen sowie einem gemütlichen Lesesofa.

Eine weitere große Neuerung ist die Einrichtung eines „Medienlabors“ gemeinsam mit dem MPZ-Plus als Spiel- und Lernzone. Es wird ein kreativer Treffpunkt mit Gaming-Angeboten, VR-Brillen und sogenannten Makerspaces - eine Art offene kreative Werkstatt mit 3D-Druck und Grafik für eigene Ideen und Projekte.

 

Statistik zum Nutzungsverhalten in der Corona-Pandemie

Aufgrund der pandemiebedingten Verordnungen und der deswegen fehlenden Veranstaltungen sowie der kontaktlosen Ausleihe ergab sich für die Stadtbibliothek ein verändertes Verhalten der Nutzer. Die Zahl der Nutzer war Corona-bedingt leicht rückläufig.

Die Zahl der aktiven Entleiher – Nutzer, die sich mindestens einmal im Jahr 2020 ein Medium außer Haus ausgeliehen haben – sank von 1478 im Vorjahr auf 1179. Die Zahl der aktiven Kinder bis einschließlich 12 Jahre sank von 421 im Vorjahr auf 187. Auch die Zahl der aktiven Nutzer über 60 Jahre sank von 299 im Vorjahr auf 259.

Das reichhaltige Sortiment wurde im schwierigen Corona-Jahr trotz starker Einschränkungen gern genutzt. Aus Sorge vor möglichen weiteren Lockdowns wurde sich reichlich mit Lesefutter eingedeckt. Die Gesamtzahl der Entleihungen sank nur gering von 69 067 im Vorjahr auf 67 453, das entspricht rund 57 Medien pro aktiven Nutzern im Jahr. Die Nutzung an sich ist also gestiegen, von 47 auf 57 ausgeliehene Medien pro Nutzer im Jahr. Den größten Zuwachs gab es entsprechend bei der Nutzung digitaler Medien in der Onleihe, die von 4311 Entleihungen im Vorjahr auf 5403 Entleihungen stieg.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Nutzer, die uns trotz der Corona-bedingten Schließungen und anschließenden starken Einschränkungen die Treue gehalten haben!

Gespräch: Nadine Huber

 

INFO

Aktuelles aus der Stadtbibliothek

Seit dem 23. April 2021 bietet die Stadtbibliothek das Literaturforum digital. Dieses stellt Lesungen sächsischer Autoren als Podcast zur Verfügung. In zahlreichen Lesungen präsentieren jedes Jahr Autorinnen und Autoren aus Sachsen Zeugnisse ihres Schaffens in sächsischen Bibliotheken.

Pünktlich zum Welttag des Buches sollte Ralf Pannowitsch (Übersetzer) in der Stadtbibliothek Torgau aus dem Roman „Es war einmal ein blauer Planet“ von François Lelord“ lesen. Mit Hector hatte François Lelord einen unvergesslichen Helden geschaffen, dem Millionen Leserinnen und Leser folgten. In seinem neuen Roman lässt er den liebenswerten Robin in einer abenteuerlichen Mission die große Frage erkunden, wie wir in Zukunft leben wollen. Eine inspirierende Geschichte über das, was wir in Zukunft brauchen, um glücklich zu sein.

Um diesem Vergnügen nicht ganz entsagen zu müssen, findet die Veranstaltung in einem digitalen Format statt. Anstelle der Lesungen vor Ort liest Ralf Pannowitsch ab dem 23. April in einem Podcast vor. Auch alle anderen teilnehmenden Autoren werden jeweils in einem Audiopodcast eine kleine Kostprobe aus ihrem aktuellen Buch vorlesen. So können Sie Beiträge von Ralph Grüneberger, Andreas Heidtmann, Kerstin Hensel, Patrick Hofmann, Birgit Jasmund, Constanze John, Verena Keßler, Anselm Oelze, Deniz Ohde, und Ulrike Almut Sandig genießen. Alle Podcasts stehen seit dem 23. April für drei Monate zur Verfügung. Die Bücher dazu sowie weitere Werke der Autoren können in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden. Hören Sie rein unter: http:// bibliotheksverband-sachsen.de/literaturforum-bibliothek/lesereihe-fuer-erwachsene/.

 Über das Projekt: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Literaturforum Bibliothek - Autorinnen und Autoren aus Sachsen in sächsischen Bibliotheken“ bekommen in Sachsen lebende oder aus dem Freistaat stammende Autoren und Übersetzer die Möglichkeit, sich und ihr aktuell erschienenes Werk einer großen Öffentlichkeit vorzustellen. Das Projekt wird vom Landesverband Sachsen im Deutschen Bibliotheksverband e.V. unter finanzieller Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst durchgeführt.

Presseinfo

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