Mittwoch, 23. Juni 2021
Dienstag, 11. Mai 2021

Andrea Schmidt: "Wir geben nicht auf!"

Andrea Schmidt: „Mit dem Aufziehen der Sämlinge für die Kürbispflanzen kehrt ein Stück Hoffnung zurück.“ Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Andrea Schmidt über Gastronomie, Kürbisverkauf und „ihre Männer“

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Zwethau. Im SonntagsWochenBlatt erklärt Andrea Schmidt, Inhaberin des Kürbisdomizils in Zwethau, warum sie seit Corona umdenken musste und neue Wege beschreitet.


SWB: Können Sie uns einen kleinen Einblick in Ihr Innenleben gewähren? Wie geht es Ihnen, seit Corona im März 2020 in unser aller Leben trat?
Andrea Schmidt:
Um ehrlich  zu sein: Nicht besonders gut. Seit dem vergangenen Jahr hat sich alles verändert. Meine Familie und ich können unsere Arbeit nicht hundertprozentig wie gewohnt ausüben. Das fällt schwer, vor allem die fast zum Erliegen gekommene Gastronomie bereitet uns Sorgen. „Meine Männer“, Jörg und Aaron, können ihre Kreativität in der Küche nicht ausleben. Corona betrifft uns als Familie. Wir haben alle damit zu kämpfen.


Welche Einschnitte sind für Sie am härtesten?
Es ist ein komisches Gefühl, wenn ich in unseren Gastronomiebereich komme und die leeren Tische sehe, wo sonst immer Hochbetrieb bei Familienfeiern herrschte. Dabei ist es doch erwiesen, dass die Gastronomie nicht für die hohen Inzidenzzahlen veranwortlich ist. Natürlich haben wir finanzielle Einbußen: Aber wir werden durchhalten.


Aus Ihren Worten höre ich Verzweiflung.
Wir geben nicht auf! Ohne Wenn und Aber. Irgendwie halten wir durch, hoffen auf eine politische Einigung und auf eine Entscheidung, die uns Hoffnung gibt. Das Auf und Ab der Regierung macht mürbe.


Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag?
Ich kann nichts planen. Dinge, die ich im Kopf habe, kann ich nicht umsetzen. Es gibt keine Perspektive, weil keiner weiß, wie lange die Maßnahmen noch andauern werden. Ich persönlich rechne in diesem Jahr nicht mehr mit Normalität. Meine Hoffnung ruht auf dem Kürbisverkauf im Herbst. Ob wir die Gastronomie wieder hochfahren dürfen, wird sich zeigen.


Wie halten Sie das Kürbisdomizil über Wasser?
Wir haben uns eine Zwischenlösung mit einem Mittagstisch-Angebot von Montag bis Freitag überlegt. Dazu gibt es am Sonntag und den Feiertagen dreigängige Menüs. Wir freuen uns über die Unterstützung, die uns von vielen Leuten zuteil wird und sind dankbar über jeden, der sein Mittagessen bei uns bestellt. Ich weiß das sehr zu schätzen!


Das berühmte Kürbisfest musste im vergangenen Jahr abgesagt werden. Wie war das für Sie?
Es wäre unser 15. Kürbisfest gewesen. Das Paradoxe im vergangenen Jahr war: Wir hatten eine gute Ernte – so wie lange nicht. Als sich eine Absage des Hoffestes abzeichnete, habe ich umgedacht.


Wie sah das aus?
Von September bis Ende Oktober hatte ich täglich geöffnet, es gab zusätzlich verkaufsoffene Sonntage, an denen ich meine Kürbisse an den Mann und die Frau brachte. Außerdem boten wir Essen und Trinken im Außenbereich an. Baulich mussten wir wegen der Abstandsregeln einiges verändern.


Gab es noch zusätzlich Probleme?
Da Gastronomie-Betriebe und der Leipziger Zoo weniger Kürbisse als gewohnt abnahmen, stand ich kurz vor der Frage: Was machen wir mit den ganzen Kürbissen? Aber am 31. Oktober, zu Halloween, verkaufte ich den letzten: Am 2. November griff wieder der Lockdown. Das Schönste war, dass sich viele Leute bedankten, dass sie mehr Zeit als sonst bei uns sitzen und essen konnten. Für mich ist es nach wie vor schön, wenn ich Leuten ein bisschen Freude schenken kann.


In diesem Jahr haben Sie sich wieder entschlossen, Kürbisse aufzuziehen.
Wir haben lange überlegt, ob und wie und in welchen Größenordnungen wir Kürbisse anbauen. Es werden weniger als gewohnt – rund 7.000 Sämlinge, die, wenn alles gut geht, 28.000 Früchte tragen werden.


Keimt damit auch ein wenig die Hoffnung?
Uns war klar: Ein Kürbisdomilzil ohne Kürbisse geht nicht! Der Kürbisverkauf ist unser Zugpferd, wenn die Gastronomie weiter geschlossen bleiben muss. Im vergangenen Jahr konnte ich viele Gäste aus Dresden und Leipzig begrüßen, die sehr interessiert waren und vieles wissen wollten. Durch den geringeren Andrang war alles entspannter und ruhiger.


Was haben Sie in der Pandemie gelernt?
Dass man offen für Veränderungen sein sollte, wenn es sinnvoll und notwendig ist. Ich war bereit, umzudenken und neue Wege zu gehen. Es fällt mir leichter, Entscheidungen zu treffen, die uns hoffentlich durch die Pandemie bringen können.


Sind Sie verletzlicher geworden?
Ich bin wütend, weil die Grundlagen, die Ideen umzusetzen, die wir vor der Pandemie hatten, weggebrochen sind – das die Lebensfreude mit Essen, Trinken und Kultur so enorm eingeschränkt über so einen langen Zeitraum ist.


Gibt es dennoch Neuerungen?
Wir haben neue Kürbissorten im Angebot. Dann habe ich eine dritte Ausstellung im Kürbismuseum gestaltet. Auf dem Hof wird sich noch das Ambiente verändern. Mein Ziel ist es: Alle, die zu uns kommen, sollen sich wohlfühlen.
 

Aktuelle Speisekarte für Mittagstisch und Menüs unter
www.kuerbisdomizil.de
Bestellungen per Telefon 0174 9914582 oder
E-Mail: kuerbis-domizil-schmidt@freenet.de


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