Dienstag, 27. Juli 2021
Mittwoch, 12. Mai 2021

Stillsitzen ist nix für Willi

Willi Kanitz beim Rennsteiglauf 2011.

Von unserem Redakteur Norbert Töpfer

Eine Ärztin gab vor Jahren Willi Kanitz den Hinweis: Sie müssen gesünder leben, sollten sich sportlich betätigen.Willi wurde ein leidenschaftlicher Läufer.

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Freizeitsport. Es ist kaum zu glauben: Der Klitzschener Ausdauerläufer Willi Kanitz will in knapp zwei Jahren den Berlin-Marathon laufen. Eigentlich nichts Besonderes für Sportler, die selbst regelmäßig laufen. Doch der Senior ist dann 80 Jahre alt. Und er war bei diesem Rennen in der Hauptstadt schon mehrfach unterwegs. Aber hält sich noch für stark genug, es noch einmal zu schaffen. 

„Willi hat eben das Glück, dass seine Gelenke noch in Ordnung sind. Er hat nur manchmal Probleme, wenn er beim Training mehrfach hintereinander den Schildberg hinauf und hinab läuft“, verrät seine Frau Ilona (75) lächelnd. Doch der Berlin-Marathon ist noch weit weg. „Dieses Jahr möchte ich den Rennsteiglauf rennen. Das wäre für mich das sechszehnte Mal“, sagt Willi. Bei diesem wohl größtem Volkslauf in Ostdeutschland lief der Oldie von der SG Klitzschen bisher nicht nur mit. In der Altersklasse 75 mischte er 2018 ganz vorne mit und belegte den 2. Platz. „Das war ein super Lauf. Ich bin die 42 Kilometer in 5:11 Stunden gelaufen.“ 

Unglaublich ist, dass Kanitz, der derzeit bei einer Größe von 1,71 m nur 74 kg auf die Waage bringt, schon mal Gewichtsprobleme hatte. „Ich habe mit 53 Jahren immerhin 87 kg gewogen. Damals hatte ich solch einen Bauch, dass ich meine Schuhe nur schwer anziehen beziehungsweise sehen konnte. Zum Glück hat damals meine Ärztin Dr. Pia Jahn mit mir Klartext gesprochen, was passieren könnte, wenn ich so weiter mache. Danach habe ich die Kurve gekriegt. Ich habe angefangen zu joggen“, erzählt der Senior, der nicht wie 78 Jahre aussieht. 

Zum Laufen ist er durch den in der Region Torgau bekannten Jürgen Wernitz gekommen. „Er war ein fanatischer und angenehmer Sportkamerad. Ihn werde ich nie vergessen. Schade, dass er so jung aus dem Leben geschieden ist.“ 

„Ich kann mich noch an meinen ersten Teiche-Lauf in Torgau erinnern. Da bin ich die 10-Kilometer-Strecke in 48 Minuten gelaufen. Ein Jahr später waren es 41 Minuten. Das hat mir Mut gemacht.“

Bei der diskreten Frage vom TZ-Autor dieses Beitrages, ob er laufsüchtig sei, antwortet Willi ohne zu zögern. „Ja, ich bin süchtig.“ Kein Wunder, dass er bisher 55 000 Kilometer gelaufen ist. „Wenn ich mal nicht krank werde, will ich so lange laufen wie ich kann.“ Willi rennt aber nicht aus langer Weile. Er hat mit seiner Frau ein Haus auf einem großen Grundstück von 2500 Quadratmetern, auf dem auch seine Kinder mit Familie wohnen. „Da gibt es schon immer was zu tun“, sagt Kanitz lachend. 

Bei der „Kanitzer Lauferei“ ist manches auch eigenartig. Obwohl er der Klitzschner Laufgruppe angehört, ist er nun schon viele Jahre allein unterwegs. Seit zehn Jahren ist das nicht mehr so, weil er mit Pia Jahn aus Audenhain läuft. Sie sind meist dreimal in der Woche unterwegs und legen stets zehn Kilometer zurück. Aber nicht etwa im nahegelegenen Wald. Nein, das Duo dreht seine Runden auf dem Klitzschener Sportplatz (!). Eigentlich unfassbar, Willi Kanitz und Pia Jahn müssten eigentlich jeden Grashalm ihrer Runde kennen. „Ganz so ist es nicht“, sagt Kanitz lachend und fügt an: „Es sind immerhin 32 Runden. Um mir zu merken, in welcher Runde ich gerade bin, spreche ich die Zahl laufend vor mich hin.“ Durch den Wald zu laufen, ist für Kanitz kein Thema mehr. „Ich bin mal am Benkenteich mit dem Rad schwer gestürzt. Da war ich froh, dass jemand kam. Aber mit meinen Runden um den Sportplatz droht diese Gefahr nicht. Und mit Ärztin Pia erst recht nicht. Zum Glück ist sie genauso laufverrückt wie ich. Unterwegs reden wir nicht viel, weil das einem die Luft nimmt.“ 

Verletzt hat sich Kanitz bei seinen Läufen noch nie ernsthaft. Einmal habe er sich in Bad Düben mal eine Muskelverletzung eingefangen. „Aber ich hatte auch schon schlimme Schmerzen bei Wettkämpfen und im Training. Aber aufgegeben habe ich nie.“ 

Laufen ist nicht der einzige Sport des Sport-Seniors. „Ich kämpfe jeden Morgen 45 Minuten bei meiner Frühgymnastik. Sie beinhaltet unter anderem 200 Rumpfbeugen und 95 Liegestütze. Das ist schon manchmal eine Quälerei. Aber ich ziehe es durch.“ 

Froh ist der Klitzschener über sein beachtliches Durchhaltevermögen. „Ich kann schon noch durchlaufen. Ich bin auch bei den schwierigen Läufen noch nie an die Grenzen gelangt. Ich habe nie gekotzt dabei“, charakterisiert Spätstarter Willi seine sportliche Herangehensweise. 

Zurück zu seinen läuferischen Highlights. Sie hat er alle in einem Buch verewigt. Meist sind es Fotos mit Texten in der Torgauer Zeitung. „Dort könnte ich nachschauen, wenn ich mal was im Laufe der Jahre vergessen habe. Aber das brauche ich nicht. Ich habe noch alle Zeiten meiner Läufe im Kopf. Auch wenn es schlecht lief.“ 

Der Rennsteiglauf gehört zu den Höhepunkten der Karriere von Willi. „Seit meinem ersten Rennen dort über die 42 Kilometer nehme aller fünf Kilometer einen Traubenzucker. Damit ist es meist gut gelaufen.“ Kanitz ernährt sich trotz seiner zum Teil hohen Belastungen normal. „Ein Bierchen gehört auch dazu. Als Belohnung für meine Anstrengungen.“  

Die starken Leistungen des Spätstartes blieben in der Region Torgau nicht verborgen. 2013 wurde Kanitz in der Umfrage der Torgauer Zeitung zum Sportler des Jahres des Altkreises Torgau gewählt – und das mit 70 Jahren. Norbert Töpfer 

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