Mittwoch, 23. Juni 2021
Mittwoch, 12. Mai 2021

Haus-Abriss wegen Polder

Die Bagger leisteten in den vergangenen Tagen ganze Arbeit. Das Grundstück wird gänzlich verschwinden. Foto: G. Milling

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Wer auf der S 25 nach Dautzschen will und gerade Bockdamm und Wald hinter sich gelassen hat, sieht linkerhand auf freier Fläche die Abrissbagger. 

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Wer auf der S 25 nach Dautzschen will und gerade Bockdamm und Wald hinter sich gelassen hat, sieht linkerhand auf freier Fläche die Abrissbagger. Hier wird gerade ein ganzes Wohngrundstück dem Erdboden gleich gemacht. Noch ein paar Wochen, dann wird an das Gebäude so gut wie nichts mehr erinnern. 

Gerüchteküche 

In Dautzschen hingegen brodelt die Gerüchteküche. Denn der Abriss steht mit dem geplanten Elbepolder in Zusammenhang. Wird das Millionenprojekt des Freistaates Sachsen nun doch schneller realisiert als erwartet? Müssen noch andere Privatgrundstücke weichen? TZ nutzte beim Ministerbesuch vergangene Woche in Köllitsch die Gelegenheit, mit Verantwortlichen der Landestalsperrenverwaltung ins Gespräch zu kommen. Und da konnten die LTV-Vertreter beruhigen. Nach aktueller Einschätzung sei nicht damit zu rechnen, dass der eigentliche Polderbau in nächster Zeit beginnt. Zehn Jahre könnten da gut und gerne noch verstreichen, hieß es. 

Es bedarf nicht nur einer umfangreichen Planung, sondern auch die Finanzierung hat es in sich. Wenn sich aber die Gelegenheit ergibt, ein Privatgrundstück jetzt schon käuflich zu erwerben, dann nutze die Landestalsperrenverwaltung selbstverständlich die Gelegenheit. Das sei besser, als später mit eventuell neuen Mietern oder Grundstücksbesitzern verhandeln zu müssen. Und ein Haus wegzureißen, sei wiederum effizienter, als es später womöglich durch einen Ringdeich oder durch andere Maßnahmen schützen zu müssen. Im aktuellen Fall hätten die Eigentümer Bereitschaft signalisiert, die Fläche abzugeben. Somit läuft momentan der Abriss. Mit anderen Nutzern im künftigen Poldergebiet gibt es diese Einigkeit bislang nicht. So werde es vorerst bei dem einen Abriss bleiben.

 Mit dem Polderprojekt hatte sich die LTV schon vor zwei Jahren an die Öffentlichkeit gewandt. „Wir möchten dabei schon frühzeitig eine sachliche Diskussion mit Einwohnern und Institutionen beginnen“, sagte Axel Bobbe, Betriebsleiter der LTV in Rötha, damals. Mit dem geplanten Polder Dautzschen soll gesteuert die Spitze der Hochwasserwelle oberhalb eines HQ 100 (eines im Schnitt aller 100 Jahre wiederkehrenden Hochwassers, d. Red) gekappt werden. 

Im Zusammenspiel 

Die derzeit vorliegenden Berechnungen gehen beim Zusammenwirken der Polder Außig und Dautzschen von einer Absenkung des Hochwasserscheitels von ca. 40 Zentimetern aus. Rund 1300 Hektar Fläche würde der Polder Dautzschen in der jetzigen  Variante umfassen. Etwa zwölf Kilometer Deiche wären neu zu errichten. 

Das Millionenvorhaben in Köllitsch,  das dieser Tage durch den Besuch von Umweltminister Wolfram Günther offiziell zum Abschluss kam, hat angesichts dieser Zahlen nur eine geringe Wirkung auf den Elbepegel. Lediglich 43 Hektar Retentionsfläche entstanden. Zur Erinnerung: 1300 Hektar Fläche sind in Dautzschen das Ziel. Beim Polder Außig sollen 370 Hektar Fläche im Notfall geflutet werden. Vielmehr ging es in Köllitsch darum, die alte Deichlinie, die wie eine Nase in Richtung Elbe ragte, zu „entschärfen“ und die Strömungsverhältnisse zu verbessern. 

Nach der Veröffentlichung schlugen beim Thema Deichrückverlegung und Polderbau die Wogen auf der TZ-Facebookseite hoch. Leser gaben zu bedenken, dass durch solche Projekte die Deiche nicht entlastet würden, sondern dass das Gegenteil eintritt. „Mehr Wasser wird in der gleichen Zeit auf diese Deiche drücken, weil ganz einfach der überflutete Raum größer wird und deshalb mehr Wasser da ist“, behauptete zum Beispiel Detlef Menke. Zudem würde der Abfluss verlangsamt und das Wasser würde länger auf die Deiche einwirken. Falk Kortenhof, Projektleiter der Landestalsperrenverwaltung, wollte sich gegenüber TZ dazu nicht äußern. Eine Anfrage an die Pressestelle blieb leider seit Montag unbeantwortet. Wir bleiben dran.


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