Montag, 21. Juni 2021
Freitag, 14. Mai 2021

Rauf aufs Rad: Fahrradhändler wollen endlich wieder durchstarten

Wollen endlich wieder zurück zur Normalität: v.r.: Markus Höcke, Hagen Höcke, Oliver Oestermann, Florian Birnbaum vom Radhaus Höcke. Foto: U. Wolf

Ulrike Wolf

Torgau. Vom großen Interesse an Fahrrädern und warum Ersatzteile knapp werden. Lesen Sie hier: 

 

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Vor ungefähr einer Woche gab es einen Vorgeschmack auf den Sommer: Sonne satt, strahlend blauer Himmel, fast 30 Grad: Für viele Torgauer hieß das runter von der Couch, raus in die Natur, auf zu einer Radtour. Durchstarten wollen derzeit auch die Torgauer Fahrradhändler. Sie wollen endlich wieder ihre Läden öffnen und „ganz normal“ ihre Kunden beraten und Räder verkaufen. „Es ist Saisonstart. Alle wollen jetzt losradeln“, sagt Hagen Höcke, Geschäftsführer vom Radhaus Höcke in der Goethestraße. „Wir als Händler wollen zurück zur Normalität, aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch im Sinne unserer Kunden“, sagt er weiter.

Wunsch nach Normalität

Die Coronazeit ging an dem engagierten Radhändler Höcke nicht spurlos vorbei. „Das Hin und Her, wie es weitergeht, was noch kommt, das ist einfach anstrengend, nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Familienvater“, berichtet er. Ganz schließen musste Höcke nicht. „Unsere Werkstatt war und ist ganz normal geöffnet, wir sind systemrelevant, das hat uns oben gehalten.“ Höcke ist froh, dass er seine Mitarbeiter weiterbeschäftigen konnte. Aber: Corona brachte die ganze Weltwirtschaft ins Wanken, die Auswirkungen spürt auch er in seiner Werkstatt in Torgau. Durch die Unterbrechung der Produktion, der Logistik, der Lieferketten fehlt es bald an Ersatzteilen. „Ketten und Zahnkränze, Sättel und Federgabeln werden knapp“, erklärt Höcke besorgt. „Im Sommer rutschen wir in die Situation, dass die Leute ihre Fahrräder nicht mehr benutzen können, weil die Ersatzteile fehlen“, gibt er zu bedenken. 

Fahrradboom

Das Interesse an Fahrrädern ist seit Corona enorm. Statt Restaurant, Kino oder Familienfeier schwangen sich viele aufs Rad. Für mehr Bewegung, frische Luft und zum Zeitvertreib. An Rädern ist bei Höcke alles da: Kinder- und Jugendräder, Retro-Bikes, Trekkingräder, City-Räder, E-Bikes. „Auch Gravelbikes, geländegängige, stabile Rennräder mit breiten Reifen sind im Trend“, sagt Höcke. Und: „Die Nachfrage nach E-Bikes ist groß, vor allem bei Senioren, aber die Interessenten werden immer jünger“, resümiert der Radhändler. Da die Geschäfte vielerorts dicht sind, boomt der Onlinehandel. Klar, ein Fahrrad kann man im Internet bestellen. „Aber anfassen und ausprobieren geht da nicht“, gibt Höcke zu bedenken. Er schätzt das Gespräch mit den Kunden, das richtige Ausprobieren des neuen Fahrrads. Verbraucher legen nach wie vor Wert auf Qualität und Beratung, sagt auch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). 2020 lag der Anteil an im Fachhandel verkauften Fahrrädern und E-Bikes bei 67 Prozent, trotz Corona. Laut ZIV sind neben E-Bikes Trekkingräder, Cityräder und Mountainbikes heiß begehrt. Aufgrund von den coronabedingten Lieferengpässen, Rohstoffknappheit und hohen Kosten beim Import von Rädern rechnen Händler und Verbände mit einem moderaten Preisanstieg.

„Wenn keine Räder mehr nachgeliefert werden können, sieht es für uns Händler schlecht aus“, sagt Thomas Rieger vom Radsportstudio Torgau. Noch ist bei ihm alles da, was das Radler-Herz begehrt. „Rennräder sind bei mir gefragt und ich habe auch noch welche da“, freut er sich. Mit schnellen Rädern und Fahrradreparatur kennt sich Rieger, der Vorsitzender des Radsportvereins Team Isaac Torgau e.V ist, perfekt aus. Auch er hielt den Kundenkontakt während Corona durch die geöffnete Werkstatt aufrecht: „Die Kunden kommen, im Freien wird das Rad gezeigt und dann wird´s repariert“, berichtet er.

Das Coronavirus und der Lockdown brachten ein Umdenken im Bereich Mobilität und Freizeit. Laut Bundesverkehrsministerium sei das Interesse am Fahrrad „sprunghaft gestiegen“. Vergangenes Jahr wurden insgesamt fünf Millionen Fahrräder verkauft, zwei Millionen davon seien Elektroräder gewesen. Das große Interesse am klimafreundlichen Unterwegssein hat auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erkannt. Deutschland soll ein Fahrradland werden und die Radinfrastruktur verbessert werden. Dazu hatte die Bundesregierung vor wenigen Wochen einen neuen nationalen Radverkehrsplan beschlossen. Scheuer schwebt eine Steuervergünstigung für all diejenigen vor, die sich für den Kauf eines Fahrrads oder E-Bikes entscheiden, beschlossen ist das noch nicht. 

Fahrradstadt und Radtourismus

Der große Run auf Räder, ist er auch in Torgau angekommen? „Der Rad-Boom ist in den Großstädten, hier in Torgau hat doch jeder sein Rad“, meint der 60-jährige Rieger entspannt. Sein Radgeschäft betreibt er schon seit über 20 Jahren. Riegers Fazit: „In Sachen Corona sehe ich mich nicht als Verlierer, aber auch nicht als Gewinner.“

Die Nähe zur Elbe, viel Grün und egal mit welchem Rad, rund um Torgau kann man herrliche Touren machen. „Wir sind eine Fahrradstadt“, sagt Rieger. Aber aktuell bleiben die Radtouristen noch fern. „Solange der Campingplatz, die Hotels und Pensionen geschlossen sind, passiert hier kaum was auf dem Elberadweg“, meint Rieger, der sonst auch den Urlaubern und Gästen der Stadt bei einer Fahrradpanne hilft. Radhändler Hagen Höcke wünscht sich, dass er seine E-Bikes dieses Jahr wieder beim Autoherbst am Einkaufszentrum PEP präsentieren kann. 

E-Bikes, Ersatzteilmangel und die Sorge ums Geschäft, damit hat Rosemarie Busch abgeschlossen. Ihren Fahrradladen in Belgern gibt es leider nicht mehr. 30 Jahre lang hatte Busch ihr Radgeschäft und die Werkstatt allein geführt. Im November letzten Jahres ging die 71-Jährige in ihren wohlverdienten Ruhestand.


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