Montag, 26. Juli 2021
Mittwoch, 19. Mai 2021

Der 20.5. ist Weltbienentag! Zur Erinnerung an ein jahrelang unterschätztes Insekt.

Viele heimische Wildbienenarten haben eine hohe Bedeutung als Bestäuber unserer Kulturpflanzen. Hier ein Weibchen der Rotpelzigen Sandbiene (Andrena fulva) an einer Stachelbeerblüte. Foto: Andreas Hurtig

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Wild- und Honigbienen tragen zu einer großen Artenvielfalt bei. Doch ihre Existenz ist seit Jahren bedroht und viele Bienenarten sind schon ganz verschwunden. Zum Weltbienentag am 20. Mai haben wir mit einem Hobbyimker, einer Berufsimkerei und einem Wildbienen-Experten darüber gesprochen, warum dieses kleine Insekt so schützens- und erhaltenswert ist. 

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Stellen Sie sich einmal eine Welt ohne blühende Bäume, frisches Obst und bunte Blumenwiesen vor. Klingt wie ein übertriebenes Szenario? Angesichts des fortschreitenden weltweiten Bienensterbens ist diese Vorstellung gar nicht mal so weitab von der Realität - zumindest wenn sich diese Entwicklung eiter fortsetzen sollte. Denn Bienen sind ein sehr wichtiger Faktor für Artenvielfalt und tragen einen wesentlichen Anteil daran, dass andere Tiere und Menschen mit Nahrung versorgt werden können.

Von Bestäubung abhängig

„Bienenarten spielen eine große Rolle für die Biodiversität. Für etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion ist die Bestäubungsleistung von Insekten wichtig. 91 der 107 weltweit am meisten angebauten Kulturpflanzen werden in unterschiedlichem Maße bestäubt. Dabei leisten Wildbienen einen wesentlichen Anteil“, erklärt Andreas Hurtig, beim NABU Sachsen tätiger Experte für Wildbienen. Salopp könnte man also sagen: Ohne Bienen zum Beispiel keine Obstbäume, ohne Obstbäume keine Nahrung.

Umdenken findet statt

 Nachdem die enorme Bedeutung der Biene für den Kreislauf der Natur viele Jahre lang unterschätzt beziehungsweise nicht entsprechend gewürdigt wurde, findet nun seit einigen Jahren ein Umdenken statt. TZ ließ es sich nicht nehmen, am heutigen Weltbienentag, der durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen als World Bee Day ausgerufen wurde, an den Erhalt dieser schützenswerten Tierart, deren Population weltweit zurückgeht, zu erinnern. TZ sprach mit der Imkerfamilie Grabein aus arzberg, einem Wildbienenexperte des Naturschutzbundes (NABU) Sachsen Andreas Hurtig und hagen Rösner, Mitglied des Imkervereins Torgau und Umgebung e. V., über verschiedenste Themen rund um die Honig- beziehungsweise Wildbiene.

Dass die Biene in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten ist, zeigt auch die gestiegene Zahl von Imkern. Vor allem im Freizeitbereich als geliebtes Hobby hat diese Tätigkeit enorm an Beliebtheit zugenommen.

Hagen Rösner, Hobbyimker

Einer, der das Imkern in seiner Freizeit betreibt, ist Hagen Rösner. Das Mitglied des Imkervereins Torgau und Umgebung e. V., geht seiner Leidenschaft als Hobbyimker nun seit mittlerweile 8 bis 9 Jahren nach. Seine Ausstattung, die für das Imkern notwendig ist, wie zum Beispiel Bienenkästen, Rähmchen und ähnliches, hat er selbst hergestellt - auch für genügend Nisthilfen für Wildbienen ist in seinem Garten, einer grünen Oase im Herzen Torgaus, gesorgt.

Lehrgang unerlässlich!

Er absolvierte zu Beginn einen vierwöchigen Lehrgang in Köllitzsch, um sich optimal auf seine Tätigkeit als Hobbyimker vorzubereiten. Für ihn ist das Imkern vor allem auch mit dem Bewusstsein verbunden, dass man hierbei mit Tieren arbeitet. „Allen, die darüber nachdenken, mit dem Imkern anzufangen, kann ich nur dringend empfehlen, vor der eigentlichen Arbeit mit den Bienen einen Lehrgang zu absolvieren - nur auf diese Weise erhält man wichtige Informationen, die man für den Umgang mit den Insekten braucht. Jeder, der mit Tieren arbeitet, sollte wissen, was er tut, denn hierbei trägt man eine gewisse Verantwortung. Man stellt sich nicht eben mal so ein paar Bienen hin.“

Von erfahrenen Imkern lernen

Eine weitere Möglichkeit für Neulinge in diesem Bereich sehe er darin, bei einem erfahrenen Imker mitzulaufen oder einem entsprechenden Verein beizutreten. Eine wichtige Voraussetzung und Pflicht sei auf jeden Fall eine Anmeldung bei der Tierseuchenkasse. Er selbst sei durch seinen Garten zur Imkerei gekommen: „Ich fing irgendwann an, mich mit Fragen zu beschäftigen, wie: ‚Warum funktioniert die Bestäubung manchmal so schlecht‘ oder ‚Warum tragen meine Bäume keine Früchte‘. Auf diesem Weg fing ich an, mich für das Imkern zu interessieren.

Imkerei Grabein Arzberg

Ähnliche Ratschläge für interessierte angehende (Hobby-)Imker gibt es von der Imkerfamilie Grabein aus Arzberg zu hören: „Bei der Haltung von Bienen, handelt es sich um eine Form der Tierhaltung die natürlich ein großes Fachwissen beinhaltet. Deshalb raten wir jedem Interessierten sich unbedingt an den jeweiligen Landesverband oder Imkerverein zu wenden. Der Grundkurs sollte als „Bienen-Führerschein“ auf jeden Fall gleich am Anfang der Imker-Karriere stehen.“

110-jährige Tradition

Die Familie kann bereits auf eine 110-jährige Imkertradition zurückblicken. An der Arbeit mit den honigliefernden Insekten schätzen die leidenschaftlichen Berufsimker vor allem, dass es sich um ein „vielseitiges, natürliches und handwerkliches Arbeitsfeld mit langer Geschichte handelt, dass im stetigen Wandel ist.“ Beim Stichwort „Wandel“ beschäftigt die Familie vor allem die veränderten Lebensbedingungen für (Honig-)Bienen und andere Insekten.“Die fehlenden Lebensräume für Bienen, Insekten und Kleinstlebewesen beschäftigen uns sehr. Weniger ist der Klimawandel dabei im Fokus, sondern vielmehr das fehlende Verständnis von vielen Menschen und einiger Landwirte.

Bienen leisten Erstaunliches

Angesichts des zunehmenden Bienensterbens sehen sie in ihrer Arbeit als Imker eine „Verantwortung und Möglichkeit, um zumindest im Kleinen einen Beitrag zu ihrem Erhalt zu leisten.“An ihrem Beruf begeistert sie das Arbeiten „in und mit der Natur. Wir erfreuen uns an den vielen wunderbaren Phänomenen, die es in den unterschiedlichen Jahreszeiten zu entdecken gibt. Die Bienen sind faszinierende Tiere, die in ihrer geringen Größe allerlei erstaunliche Dinge tun.“

Für die Tradtionsimker gibt es auch im Kleinen schon diverse Möglichkeiten, sich für den Schutz von Honig- und wildlebenden Bienen einzusetzen, zum Beispiel „Der Verzicht auf Insektizide, Perstizide und ähnliches in den Vorgärten oder an der Straße oder eine Förderung von bienenfreundlichen Pflanzen auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Größer kann man sich an Kommunen wenden oder engagierte Vereine, um zu erfahren, wo bereits Projekte in der Entwicklung sind, die natürliche Lebensräume für Insekten schaffen.

Wer mehr über diese bienenfreundliche Familie erfahren möchte, kann sich unter https://imkerei-grabein.de/ einen Eindruck verschaffen.

NABU Sachsen

Der NABU Sachsen setzt sich für den Erhalt von (Wild-)Bienen beziehungsweise Insekten allgemein ein und dafür, ihnen ein lebenswertes Umfeld zu schaffen. So entstand beispielsweise in Loßwig ein kleines Paradies für Insekten. „Der Bahndamm in Loßwig ist Eigentum des NABU Landesverbandes und wird als Insektenfreundlicher Streifen in der Landschaft bewirtschaftet. Neben Schmetterlingen und Wildbienen finden hier auch Zauneidechsen einen Rückzugsort“, erklärt Monique Altmann, Leiterin der NABU-Naturschutzstation Biberhof in Torgau.

Wichtiger Teil des Ökosystems

Für Wildbienen-Fachmann Andreas Hurtig vom NABU Sachsen sind die wild lebenden Bienen auch aus dem Grund so schützenswert, „da sie ein Teil der vielfältigen Leistungen unserer Ökosysteme sind. Darüber hinaus wissen wir noch nicht, wie die Ökosysteme – die uns beispielsweise mit sauberer Luft, sauberem Wasser, Rohstoffen und Nahrung versorgen – funktionieren und was es bedeutet, wenn immer mehr Fäden aus diesem Netz an Wechselwirkungen und Beziehungen gezogen werden. Auch die Wildbienen sind Teil unserer Ökosysteme.“

So sei die Wildbiene eine  „hochinteressante Lebensformen mit hochinteressanten Lebens- und Verhaltensweisen.“ Umso mehr Sorge bereiten die folgenden Zahlen: „Rund die Hälfte unserer einheimischen Wildbienen steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, fast ein Drittel ist vom Aussterben bedroht und sieben Prozent sind bereits ausgestorben oder verschollen. Für einige einheimische Arten sieht es für ihren Fortbestand zwar im Grunde noch gut aus, dennoch sind auch sie großflächig verschwunden. In der ausgeräumten Agrarlandschaft mit intensivem agrochemischen Mitteleinsatz fehlen mittlerweile die erforderlichen Lebensräume, wie etwa blütenreiche Wiesen oder Heckensäume mit Totholzstrukturen weitgehend vollständig.

Im Siedlungsbereich sieht es in Grün- und Gartenanlagen mit einem fragwürdigen Pflegeideal oft auch nicht viel besser aus. Alle heimischen Wildbienenarten sind gesetzlich besonders geschützt.“ Für Hurtig kann schon jeder Einzelne durch sein Handeln und seine Entscheidungen viel bewegen.

Jeder kann Beitrag leisten

„Das Wirken des Einzelnen ist nicht vom großen Ganzen zu trennen. Eigentlicher Beweger der erforderlichen Veränderungen „im Großen“ ist jede Einzelne und jeder Einzelne, die beziehungsweise der sich um Nachhaltigkeit bemüht. Dabei ist die Entscheidung für bienenfreundliche Produkte ein kleiner, aber eben nur ein kleiner Beitrag. Wesentlich ist das Anstreben einer grundsätzlich bewussten Lebensweise ohne die  verbreiteten Konsumzwänge.

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