Donnerstag, 24. Juni 2021
Donnerstag, 20. Mai 2021

Breitbandausbau mit Folgen

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Dreiheide. Während sich die Menschen auf schnelles Internet freuen, trüben unangenehme Begleiterscheinungen den Breitbandausbau in der Gemeinde.

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Es gibt kaum einen Ort im Landkreis, in dem nicht in den vergangenen Monaten am Breitbandausbau gearbeitet wurde. Schnelleres Internet als Segen vor allem für den ländlichen Raum, um der fortschreitenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen gewappnet zu sein?

Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten, manches Ding gar mehrere. Eine Seite, die vielfach Bürgermeister, Gemeinderäte, Anwohner und Grundstückseigentümer bei den Tiefbauarbeiten in ihren Orten beschäftigt: Wie werden die Baustellen in den Straßen und Plätzen verlassen?

Fakt ist: Der Landkreis Nordsachsen hat den Breitbandausbau zu seiner Sache gemacht, in der Behörde wird das Vorhaben in einer extra dafür eingerichteten Projektstelle gesteuert und koordiniert. Sie schrieb den Breitbandausbau im Kreisgebiet aus, das Rennen machte die Deutsche Telekom. Diese wiederum vergab die Bauleistungen an verschiedene Firmen wie die SNG. Die Arbeiten selbst vor Ort werden von durch sie beauftragte Subunternehmen durchgeführt, die nicht nur aus Deutschland kommen.

Die SNG überwacht die Arbeiten und koordiniert den Einsatz. Sind die Arbeiten abgeschlossen, erfolgt die Bauabnahme. Hier wiederum sind die Bürgermeister oder Mitarbeiter der kommunalen Behörden der Akteur vor Ort, nehmen ihre Baustellen ab. Klar, in ihren Gemeinden haben sie die Hoheit auch für Tiefbauarbeiten.

Doch hier tut  sich die Frage auf: Wo sind bei den Bauabnahmen die Vertreter des Landkreises und der Telekom bei der Bauabnahme? Sind sie es doch, die schließlich die einzelnen Firmen mit den Arbeiten beauftragten. Die Kommunen konnten nicht mitreden und entscheiden, wer auf ihren Territorien baggert, schachtet, Gräben zieht oder Verteilerkästen baut, aber nun sollen sie die Baustellen abnehmen und sich mit den ausführenden Firmen auseinandersetzen?  

Bei einer der Bauabnahmen in der Gemeinde Dreiheide war die TZ mit dabei und erlebte den Einsatz von Ortsschaftsräten und die Unterstützung durch örtliche Fachleute. Erlebte aber auch Bürgerunmut, Arroganz und Großspurigkeit von Vorarbeitern westlicher Firmen  gegenüber den Menschen, die sich für ihre Gemeinde einsetzen.

Kurz vor Wintereinbruch im letzten Jahr begann auch in den drei Ortsteilen der Gemeinde Dreiheide der Breitbandausbau. Das Gemeindegebiet gehört gemeinsam mit Torgau, Arzberg, Beilrode, Dommitzsch, Elsnig, Trossin und Torgau zum Projektgebiet 4 im Landkreis. Hier sind auf rund 250 Kilometern Tiefbauarbeiten notwendig.

In Süptitz, Großwig und Weidenhain müssen zudem 16 Netzverteilerkästen aufgebaut und angeschlossen werden. Sie sind nötig, um rund 500 Adresspunkte an das Breitbandnetz anzuschließen. Nun sind die Arbeiten zum Großteil erledigt.

Es ist früher Morgen, Bürgermeisterin Karsta Niejaki hat zur Bauabnahme in Süptitz Verstärkung an ihrer Seite. Ingbert Rabe, Fachmann und Geschäftsführer von Ezel Bau Süptitz sowie Elektrotechnikermeister und Mitglied des Ortschaftsrates Tino Dachsel. Im Arm hält Niejaki einen Ordner – gefüllt mit Mängelanzeigen von Bürgern. Straße für Straße ist der Tross unterwegs.

Hier zeigt sich schnell, wie die Lage ist: Gezogene Kabelgräben in Grasrandstreifen wurden statt mit Mutterboden mit Schotter gefüllt – darauf wächst kein Gras, Mähfahrzeuge können durch Steine beschädigt werden. An Hofeinfahrten hat man einst gesetzte Bordsteinkanten einfach auf der einen Seite durch Holz ersetzt, während auf der anderen Seite die steinerne Abtrennung noch steht. Ausgebaute Bordsteine wurden mitgenommen. An Verteilerkästen wurden Gräben der Zuleitungen mit einem Gemisch aus Schotter und Erde verfüllt. Wie soll hier die einst gepflegt anmutende Rasenfläche wieder ansehnlich werden?

Nach dem verlegten Anschluss an einem Privatgrundstück suchte der Grundstücksbesitzer vergebens nach den Absperrschächten für Wasser und Abwasser. Wo sie sich einst befanden, konnte er sie nicht finden. Anderswo wurde Altpflaster einfach in Beton gelegt. Unmut kommt in den Gesprächen mit Anwohnern auf, die sich beschweren, dass abgesprochene Trassenführungen auf Grundstücken nicht eingehalten wurden, Keller von Eigenheimen für die Verlegung des Anschlusses angebohrt wurden.

Gut, denn der muss ja ins Haus. Schlecht, weil diese Öffnungen nicht fachgerecht geschlossen wurden, um Nässe fern halten zu können. Stattdessen wurde Bauschaum verwendet. Da können die örtlichen Fachleute nur mit den Köpfen schütteln. Beim Rundgang durch Süptitz sind aber die überall entstandenen Huckelpisten das größte Problem.

Ingbert Rabe kann da nicht ruhig bleiben. Immer und immer wieder muss er als Fachmann dem Vorarbeiter widersprechen und aufzeigen, wie man hier fachgerecht hätte arbeiten müssen. Manche der Aufwölbungen könnten mit einer Feinfräse beseitigt werden. An anderen Stellen, so der Fachmann, muss die neue Schwarzdecke mit den seitlichen Bitumenbändern  des Grabenstranges herausgenommen und neu eingesetzt werden.

Das passt dem Vorarbeiter gar nicht, er versucht sich zu rechtfertigen, erklärt, dass man das in Bayern so macht und die Kommunen dort eine derartige Verfahrensweise akzeptierten, ja sogar wünschten. Rabe holt schließlich eine Wasserwaage aus dem Auto, legt sie an eine besonders markante Stelle. Die Waage kippt immer wieder erheblich ab. Ein Bild, das alles sagt. „Es ist kein Akt, das hier abzufräsen“, kommentiert der Süptitzer Fachmann. An vielen Stellen beweist er noch an diesem Morgen, warum Bürgermeisterin Karsta Niejaki die Baustellen in Süptitz so nicht abnehmen kann.

Der Ordner mit den Mängeln wird nicht nur sie noch in den nächsten Wochen beschäftigen. Wann werden die Mängel behoben? Die ausführenden Firmen sind mit ihren Trupps längst weitergezogen. Versprochen haben sie, die Mängel abzustellen. Aber wann? Wie kann die Kommune sie greifen, wenn sie nicht der Auftraggeber für die Arbeiten ist?

Der Bauleiter verspricht zu klären. Die Bürgermeisterin fühlt sich an dieser Stelle alleingelassen, weil sie am Ende beim Bürger das ausbaden muss, woran sie eigentlich keine Aktie hat. Zum anderen bewegt sie: Die in den vergangenen Jahren mit vielen kommunalen Geldern und Fördermitteln angelegten und ausgebauten Straßen und Plätze in der Gemeinde haben nun Schaden genommen. Das heißt auch Wertminderung. Muss das hingenommen werden? Könnte es Folgeschäden geben? Wenn ja, wer kommt dafür auf?

„Ich glaube, mit diesen Fragen beschäftigen sich auch andere meiner Amtsdkollegen. Hier müssten wir uns als Bürgermeister zusammenschließen, um unsere berechtigten Forderungen auch einfordern zu können. Wir sind es doch, die den Bürgern vor Ort Rede und Antwort stehen“, so Niejaki. Das Thema Breitband wird garantiert in den nächsten Wochen und Monaten nicht ohne Grund noch viele beschäftigen. 


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