Montag, 26. Juli 2021
Donnerstag, 27. Mai 2021

Gläser und Thomas bekunden Bereitschaft

Ingolf Gläser (l.) und Tony Thomas würden sich zur Wahl stellen.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern-Schildau. Paragraf 50 Absatz 1 Satz 1, 3. Halbsatz regelt es ganz genau: Der Roland Gneisenau wird spätestens am Sonntag, dem 26. Dezember, zur erneuten Bürgermeisterwahl an die Wahlurne schreiten dürfen.

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Belgern-Schildau. Nachdem der aktuell krank gemeldete Bürgermeister Matthias Griem (FWG) nach gut einem Jahr im Amt zum 1. Juli das Handtuch wirft (TZ berichtete), muss innerhalb von 6 Monaten ein Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin gewählt werden. Das teilte die nordsächsische Kommunalamtsleiterin Carolin Lieder gegenüber der Torgauer Zeitung mit.

Griem hatte zuvor den Antrag auf Entlassung  bei der Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises  gestellt. „ Das weitere Prozedere stimmen die Mitarbeiter der Stadt und des Kommunalamtes in den nächsten Wochen ab. Den Wahltermin legt die Stadt fest“, erläutert Lieder. Dieser wiederum ist Fixpunkt für weitere Termine und Fristen, die eingehalten werden müssen.

Amtsverweser?

Ob vor der Bürgermeisterwahl noch ein Amtsverweser bestellt wird, richtet sich wiederum nach § 54 Abs. 4 der sächsischen Gemeindeordnung und ist fakultativ: „Ist die Stelle des Bürgermeisters voraussichtlich längere Zeit unbesetzt oder ist der Bürgermeister voraussichtlich längere Zeit in der Ausübung seines Amtes verhindert, kann der Gemeinderat mit der Mehrheit der Stimmen aller Mitglieder einen Amtsverweser bestellen. Der Amtsverweser muss zum Bürgermeister wählbar sein.“

Auf jeden Fall kann sich der aktuelle Vize-Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU)  nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Mal schnell ins Rathaus, um eine Unterschrift zu leisten, ist nicht. Sein Ehrenamtsposten verlangt unter den gegebenen Umständen eine Menge Kondition.

Fokus verändert

Nachdem der Plothaer bereits vor der letzten Bürgermeisterwahl als heißer Kandidat gehandelt wurde, er jedoch nicht gegen Griem antreten wollte, zumal sein Fokus noch voll und ganz aufs Speditionsunternehmen in Liebersee gerichtet war, hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Auf TZ-Nachfrage bestätigte er, dass er in Absprache mit der Familie seinen Hut in den Ring werfen würde, sobald er dafür von seinem Stadtverband grünes Licht bekomme. Dieser hatte sich 2020 noch für den Belgeraner Kalook Wollny ausgesprochen, der sich eine erneute Kandidatur indes verkneift. „Ich liebe meinen Job zu sehr, als dass ich mich zerreiben lasse“, sagte der Glasbläser und amtierende Stadtrat. Wollny wünschte Noch-Bürgermeister Griem alles Gute. Gleichwohl ist er sich sicher, dass der CDU-Stadtverband mit Ingolf Gläser einen ausgezeichneten Kandidaten hätte. 

Auch Thomas würde wieder

Gemeinsam mit Griem und Wollny kämpfte Tony Thomas als Einzelkandidat zuletzt um den Chefposten in den beiden Rathäusern von Belgern und Schildau. Am Mittwoch erklärte Thomas nun im Gespräch mit der Torgauer Zeitung, dass er sich eine erneute Kandidatur sehr gut vorstellen könne. Die Erfahrungen aus seinem Wahlkampf hatten ihn dazu beflügelt, sein Informatik-Studium gegen jenes der digitalen Verwaltung einzutauschen.

„Die Rücktrittsentscheidung von Matthias Griem kam auch für alle Stadträte und unseren CDU-Stadtverband überraschend“, blickte Martin Jerusalem auf die Knallermeldung der vergangenen Woche zurück. Man akzeptiere aber die Entscheidung und wünsche Matthias Griem alles Gute und vor allem Gesundheit, schob der CDU-Fraktions- und Stadtverbandschef nach.

„Sehr aktiver Vize“

Mit Blick auf eine mögliche Kandidatur Ingolf Gläsers gab sich Jerusalem zunächst noch ein wenig bedeckt: „Da dieser im vergangenen Jahr durch die Zusammenarbeit mit Matthias Griem einen guten Einblick in die Verwaltungsabläufe bekam und den Bürgermeister regelmäßig vertrat, wäre es sicherlich sinnvoll, ihn zunächst im Falle eines Amtsverwesers vorzuschlagen.“ 

Eine CDU-Stadtverbandssitzung, auf der über jene Thematik sowie über die Kandidatenkür gesprochen werde, sei aktuell noch nicht geplant. „Die Nachricht vom Rücktritt kam – wie gesagt – für alle überraschend.  Oberste Priorität wird bei unseren Überlegung die Frage haben, wer unsere Stadt am besten voranbringen kann“, sagte der Sitzenrodaer, um im gleichen Atemzug von einem sehr aktiven stellvertretenden Bürgermeister zu sprechen, der in den vergangenen Monaten im gesamten Stadtgebiet präsent gewesen sei, ohne sich jedoch in den Vordergrund gedrängt zu haben. „Ingolf Gläser hat wirklich sehr gute Arbeit geleistet, noch dazu ehrenamtlich. Eine bessere Bewerbung kann es meiner  Meinung nach eigentlich nicht geben. Ich glaube, mit dieser Meinung stehe ich aktuell nicht allein da.“

Wie reagiert die FWG?

So tönt beispielsweise auch Jerusalems Stadtratskollege Tobias Höll (FWG) ins gleiche Horn. Auch für den Chef der mit Abstand größten Stadtratsfraktion habe Gläser bewiesen, dass er dem Job als Bürgermeister gewachsen sei. Als schade empfindet Höll, dass er bislang keine Möglichkeit hatte, persönlich mit Matthias Griem über dessen Rückzug zu sprechen. 

Ob  die FWG letztlich vereint hinter Gläser steht oder Höll innerhalb der Fraktion mit seiner Einschätzung auf verlorenem Posten steht, wird spätestens im Juni  eine Wahlveranstaltung in Langenreichenbach zeigen. Bereits an diesem Wochenende wollen die FWG-Mitglieder über die anstehenden Aufgaben das erste Mal beraten, zur Not auch per Video-Konferenz. Dabei könnten nach Ansicht Hölls jedoch Weichen in Richtung einer ganz anderen Personalie gestellt werden: Denn falls Ingolf Gläser vom Vize-Posten auf den Chefposten rückt, steht die Frage, wer künftig den ersten Stellvertreter mimen wird. Ungeschriebenes Gesetz im Belgern-Schildauer Stadtrat: Belgern  und Schildau sollen sich in den beiden Posten widerspiegeln. 

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