Donnerstag, 24. Juni 2021
Donnerstag, 27. Mai 2021

Mit dem Herzensthema ins Klassenzimmer

Grit Nitzsche.Foto: TZ/Bärbel Schumann

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Torgau/Falkenhain?. Die Falkenhainer Kräuterexpertin Grit Nitzsche will das „Grüne Klassenzimmer“ auf der LAGA bereichern. Ihr aktuelles Buch widmet sich dem Löwenzahn.

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Was kam heute bei Ihnen auf das Frühstücksbrötchen oder den Toast? Bei mir steht in dieser Woche, sofern ich am Morgen Hunger auf Süßes habe, Löwenzahnblütensirup auf dem Tisch. Selbst gemacht. Die Anregung bekam ich vor Jahren von Kräuterexpertin Grit Nitzsche in einer Sendung des MDR. Auch wenn viel Kochzeit vergeht, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, lohnt es sich, die gelben Blüten des Löwenzahns auf einer Wiese dafür zu sammeln und mit relativ wenigen Zutaten den Sirup herzustellen.

Pflanzenliebe seit Kinderzeit

Grit Nitzsche, Jahrgang 1970, lebt mit ihrem Partner in Falkenhain seit 2005 auf einem Kräuterhof. Sie beschäftigt sich vor allem mit heimischen Wildkräutern, essbaren Blumen und Blüten, Biogärtnern, Kräutermärchen und -geschichten. Sie hält Vorträge, gibt Workshops und Kochkurse zu ihren Lieblingsthemen rund um Kräuter und Wildpflanzen. Und sie freut, wenn sie ihr Wissen auch an Kinder, junge Leute weiter geben kann. Das ist ein Herzensthema für sie, denn als Kind fing bei ihr mit Korbine Früchtchen, einer Figur aus dem Kindermagazin Frösi, einst alles an. Die kleine Korbine aus der beliebten DDR-Kinderzeitschrift hatte Kinder aufgefordert, Huflattich, Kamillen- und Lindenblüten für Tee zu sammeln. Die kleine Grit hat das brav gemacht und ist seitdem vom Kräutersammeln und -verarbeiten nicht mehr losgekommen. 

Freude auf die LAGA 

All ihr Wissen möchte sie nun auch im Rahmenprogramm der 9. Sächsischen Landesgartenschau in Torgau einbringen. Ihr Focus liegt dabei auf dem „Grünen Klassenzimmer“, wo sie jetzt schon vorbereitet, wie ihre Ideen sich dann mit Mädchen und Jungen verschiedenen Alters umsetzen lassen. „Eine große Küche, die mit allem ausgerüstet ist, wird es da sicher nicht geben und auch nicht all zu viel Zeit wie bei einem thematischen Kochkurs werde ich da zur Verfügung haben. Aber trotzdem lässt sich da eine Menge mit den Kindern machen“, ist sich die Wahl-Falkenhainerin da sicher und freut sich auf die LAGA-Herausforderung. 

Früher hat sie als Kind zum Beispiel zusammen mit ihrer Großmutter Holundersuppe gekocht und sich von ihr Rezepte abgeguckt. Das war der Grundstock für ihr Wissen und ihre Kochkünste, die sich im Laufe der Jahre aber weiter entwickelt haben. Auf dem Kräuterhof in Falkenhain, bei geführten Wildkräuterwanderungen, bei Kochseminaren zur Ernährung mit Wildkräutern, bei ihren Auftritten im Nachmittagsprogramm des MDR oder bei Vorträgen gibt sie gern davon etwas preis und weiter. Und Grit Nitzsche hat inzwischen auch einige Bücher geschrieben. Das Jüngste ist jetzt im Frühjahr im Buchverlag für die Frau in Leipzig, einem Verlag der Verlagsgruppe Grünes Herz, erschienen. Es heißt „Löwenzahn – aromatisch und gesund“.  

Rezepttip von der Expertin

Als ich mich mit ihr in Falkenhain treffen, kommen wir schnell ins Gespräch und ich selbst glaubte, über das „Unkraut Löwenzahn“ schon eine Menge zu Wissen und für mich genutzt zu haben. Bei ihr muss ich mit Erschrecken feststellen, dass mein Wissen über diese Pflanze nur einen Teil ausmacht. Von der Kräuterhexe, wie sich Grit Nitzsche gern selbst bezeichnet, lerne ich an diesem Tag zum Beispiel, dass die gerade jungen, ungeöffneten Knospen des Löwenzahns ein hervorragender Salatbestandteil sein können. „Sie kurz in Butter gebraten und dann über den Salat geben, das schmeckt“, sagt die Expertin. Die Knospen verliehen Buttergemüse gebraten aber auch eine besondere Note. 

Der Löwenzahn biete zudem zu allen Jahreszeiten etwas Brauchbares. Während im Frühjahr die jungen Blätter hervorragend in einen Wildkräutersalat passen, später aus Blüten Sirup und anderes gezaubert werden kann, sind getrocknete Wurzeln nicht nur gute Bestandteile für einen Verdauungstee. „Im Winter, wenn der Boden nicht gefroren ist oder man sie zuvor ausgegraben und in eine Sandkiste an kühlem Ort gelegt hat, können die später gebratenen Löwenzahnwurzeln als Gemüse manche Speise bereichern. Andere Anregungen von ihr: Semmelknödel mit Löwenzahnblättern und -wurzeln, ein selbst hergestellter Magenschnaps, Wurzelkaffee-Panacotta. An den Wurzelkaffee könnte sich vielleicht noch die Nachkriegsgeneration erinnern. Denn wo es kaum Bohnenkaffee gab und der zudem für viele kaum erschwinglich war, stellte man sich oft Ersatz aus getrockneten Löwenzahnwurzeln her. 

Von Kinder-Pflanze und Bäumen

„Löwenzahn ist auch eine echte Kinderpflanze, nicht nur geeignet für gelbe Blumenhaarkränze. Deshalb habe ich in dem Buch auch diesem Thema einige Seiten gewidmet“, so die Autorin. Kleine Experimente findet man, die mit Enkeln oder den eigenen Sprösslingen in der Natur unkompliziert ausprobiert werden können. 

Irgendwann in unserem Gespräch kommen wir auf Bäume zu sprechen. Früchte, die an Obstbäumen wachsen, kennen wir alle viele. Doch auch andere Bäume haben etwas zu bieten, was für uns Menschen und auch Tiere nützlich und schmackhaft sein kann. Nadeln von Lerchenbäumen, Maigrün von Fichten, selbst die Zapfen von dem von vielen Kleingärtnern wegen seiner schwer zu bändigen Vermehrung gehassten Essigbaum sind nur drei Beispiele, was von Bäumen auch nutzbar ist. Aber Bäume sind wieder ein anderes, Zeit füllendes Thema, dem Grit Nitzsche schon früher ein ganzes Buch gewidmet hat. Auch Dinge von Bäumen kredenzt sie bei ihren Kräuter-Essen und Kochkursen auf. Wer das mal ausprobieren will, der findet auf ihrer Internetseite Angebote und kann dann beim Besuch auch das Baum-Buch erwerben.

Im Einklang mit der Natur

Wenn man ihr zuhört, wird schnell klar, dass sie im Einklang mit und von der Natur lebt. Eine ihrer Maxime „Man kann morgen nur das essen, was man gestern kannte!“. Erkennen, Blicke schulen, dem Lauf des Jahreskreises folgen, sind ihr wichtig. Bei ihren Vorträgen und anderen Veranstaltungen ist ihr daher auch wichtig, aus den Köpfen anderer vorhandene Klischees zu beseitigen. Ein ihr wichtiges ist, dass nur das Frühjahr die Zeit der (Wild)Kräuter ist. Falsch, denn es gibt interessante Kräuter zu jeder Jahreszeit.  Grit Nitzsche jedenfalls freut sich auf die Tage der LAGA, auf die Tage im „Grünen Klassenzimmer“, um mit ihrem Wissen andere für Dinge in der Natur und wie wir sie nutzen und schützen können zu begeistern. 


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