Mittwoch, 23. Juni 2021
Freitag, 28. Mai 2021

"So ein Frühjahr hatten wir lange nicht mehr" 

Mario Vogel vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb mit seiner Technik bei der Blütenbehandlung im Raps. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Nach einem kühlen und nassen Mai hoffen die Landwirte der Region nun auf eine sehr gute Ernte. Die Bestände haben sich prächtig entwickelt.

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"Wir würden uns mal wieder über ein nasses und kühles Frühjahr freuen!“ Das waren die Worte von Christine Richter, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Torgau/Oschatz, Ende März im Gespräch mit TZ. Damals glaubte sie nicht wirklich an ein solches Szenario. Zu oft gab es in den vergangenen Jahren trockene und heiße Frühlingsmonate. Nun, acht Wochen später, sieht man Christine Richter mit einem Lächeln im Gesicht. „Der Regen ist super. Ein solches Frühjahr hatten wir lange nicht!“, strahlt sie.

Noch aufnahmefähig 

Es ist Freitagvormittag und es gießt im Raum Torgau immer noch in Strömen. Fast 100 Millimeter Niederschlag je Quadratmeter sind mittlerweile als Durchschnittswert für den ganzen Monat Mai zusammen gekommen. Hier und da könnten es sogar noch ein bisschen mehr, oder eben weniger, gewesen sein. „Auf jeden Fall war diese Menge Gold wert. Und man sieht: die Böden sind nach der Dürre immer noch aufnahmefähig“, stellt die Chefin fest. Vor allem in den tieferen Schichten hatte sich ein deutliches Wasser-Defizit eingestellt. Christine Richter kann die Situation mit Zahlen belegen. Der Mai 2020 kam mit lediglich 47 Liter Niederschlag je Quadratmeter daher, 2019 im Mai waren es sogar nur 40 Liter im Durchschnitt für Nordsachsen. Einige Ecken bekamen damals fast gar nichts ab. 

Getreideernte erst im Juli

„So paradox es klingt: Jetzt würden wir uns doch langsam wieder Wärme wünschen. Denn vor allem bei Mais und Rüben sieht man, dass es in den letzten Wochen zu kühl war. Insgesamt, schätzt die Geschäftsführerin ein, befinde sich die Vegetation gut eineinhalb bis zwei Wochen im Rückstand im Vergleich zu anderen Jahren. Deshalb sei diesmal auch damit zu rechnen, dass die Getreideernte im Raum Torgau erst im Juli beginnt. Sonst war es meist Ende Juni der Fall. Immerhin sagen die Meteorologen für die nächsten Tage sommerliche Temperaturen voraus. Damit könnte die Pflanzenwelt in der Region förmlich explodieren. 

Eigentlich liegt der erste Ernte-Einsatz schon hinter vielen Landwirtschaftsbetrieben. Damit ist der erste Gras-Schnitt gemeint und der war gut, was die Erträge betrifft. Ende Juni soll ein zweiter Gras-Schnitt erfolgen und dann – wenn es passt – später noch ein dritter. Wurde jetzt noch Gras-Silage erzeugt, ist die Mahd später für die Heu-Gewinnung wichtig. 

Ebenso wurde Futterroggen gemäht. Doch hier gibt es keinen zweiten Schnitt. „Die Flächen werden nun gegrubbert und gedüngt und dann überwiegend mit Mais bestellt“, erklärt Christine Richter. Ob es in diesem Jahr zusammen mit den Mitgliedern des Regionalbauernverbandes wieder eine Flurschau geben wird, stand vergangene Woche nicht fest. Schon im letzten Jahr musste die Veranstaltung wegen Corona ausfallen. Überhaupt fand nicht eine einzige Mitgliederversammlung 2020 statt, wie Christine Richter bedauert. 

Gute Preise 

Diesmal könnten die Landwirte aber mal auf eine gute Ernte hoffen getreu dem Sprichwort: Ist der Mai kühl und nass, füllt´s dem Bauern Scheun und Fass. Selbst die Getreide-Preise seien derzeit ganz gut. Die Erlöse betragen aktuell zum Beispiel 20 Euro je Dezitonne Weizen, 46 Euro je Dezitonne Raps oder 18 Euro je Dezitonne Gerste. Damit liegt das Niveau höher als im vergangenen Jahr. „Allerdings kann bis zur Ernte noch viel passieren“, schränkt die Geschäftsführerin ein. Getreide überwiegt nach wie vor in der Region. Weizen, Gerste, Raps seien die Hauptfruchtarten. 

Dass in diesem Jahr mehr Raps angebaut wurde, kann Christine Richter so nicht bestätigen. Der Anteil liege bei 16 Prozent im Vergleich zu den anderen Kulturen. „Durch die Fruchtfolge wächst der Raps aber jedes Mal auf anderen Flächen. Dann entsteht manchmal dieser Eindruck, wenn mehrere Standorte dicht nebeneinander liegen“, vermutet sie.

Als Soja-Ersatz 

Raps sei als Eiweißfutter wichtig und komme zunehmend als Ersatz für Soja zum Einsatz (Rapsextraktionsschrot). Aber natürlich stände die Rapsöl-Gewinnung im Vordergrund. Mais macht dagegen etwa zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Region aus. Neun Prozent davon werden als Silo-Mais geerntet, um Futter für die Rinderhaltung zu gewinnen.

Der Milchabnahmepreis stagniere leider. Er sei mit 32 bzw. 31 Cent je Liter immer noch viel zu niedrig, führt Christine Richter aus. Leicht gestiegen ist der Schweinepreis. Er liegt bei 1.54 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. „Das ist leider zu wenig, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Erzeuger müssten schon 1.70 oder 1.80 Euro je Kilogramm erhalten, damit sich das Geschäft rentiert“, fasste die RBV-Geschäftsführerin zusammen.


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