Mittwoch, 23. Juni 2021
Sonntag, 30. Mai 2021

LAGA gibt Denkanstöße für besondere Orte

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Torgau. Neben Musterkleingärten, riesigen Blumenbeeten oder Staudenanlagen werden auch eine Mustergrabanlage auf dem Ausstellungsgelände der LAGA in Torgau zu finden sein. Dort werden neben Friedhofsgärtnern auch Steinmetze ihr Können zeigen.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Am frühen Morgen mitten im Glacis, unter hohen Bäumen. Vogelgezwitscher. Ein Windhauch bewegt die jungen Blätter der Bäume. Im Spiel mit der Morgensonne sorgen sie für ein einmaliges Licht- und Schattenspiel, genau an dem Ort, wo auf der 9. Sächsischen Landesgartenschau 22 Mustergrabanlagen entstehen. Besonders ideal ist ein Platz mit einem Efeu umrankten Baum dafür, auf dem auf 42 Quadratmetern halbkreisförmig ein Naturruh-Bereich entsteht. Doch auch Einzel- und Doppelgrabanlagen, Urnengräber werden angelegt. Darunter wird auch in der Größe eines Doppelgrabes ein Abschiedsort für Sternenkinder sein. Neben den Friedhofsgärtnern werden hier auch Steinmetze nicht nur neue Trends aufzeigen, sondern auch die Vielfalt ihrer Arbeit präsentieren können. Beide Berufssparten arbeiten seit Jahren erfolgreich zusammen.

Wir brauchen diese Orte

Ja, Licht und Schatten, wie im Leben. Zu den Schattenseiten gehört das Abschiednehmen von lieben Menschen. Das  fällt allen schwer. 

„Abschied zu nehmen für immer besonders. Niemand kann uns die Trauer und unser Leid abnehmen. Wir müssen selbst daran arbeiten. Gespräche mit Familien und Freunde helfen oft durch schwierige Zeiten. Ebenso ein fester Ort, an dem wir unserer Verstorbenen gedenken können, ihr Andenken bewahren und der Nachwelt zeigen können, was für ein Mensch von uns gegangen ist. Einen Ort, an dem nicht nur die Familien, sondern auch Freunde, Bekannte und Weggefährten der Verstorbenen ihrer Gedenken können. Wir brauchen diese Orte, denn sie geben uns Halt, Trost und Hoffnung“, sagt Sandra Theusner, von der Dauergrabpflegegesellschaft Sächsischer Friedhofsgärtner und zugleich Beauftragte für den Bereich der Mustergrabanlagen auf der LAGA in Torgau. 

Aus der Sicht der Fachleute

„Der Friedhof ist ein würdiger Ort für die Beisetzung und das Bewahren der Erinnerungen. Mit einem individuell gestalteten Grab, mit einem besonderen Grabstein oder einer farbenfrohen Wechselbepflanzung können wir ganz persönliche Akzente bei unserer Trauerarbeit einfließen lassen. Denn dort wo uns Worte fehlen, können wir Blumen und Steine sprechen lassen. Mit dieser Mustergrabanlage wollen der Gestaltungskreis der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Chemnitz und Leipzig und die sächsischen Friedhofsgärtner Beispiele für außerordentlich lebendige und individuelle Grabgestaltung geben. Denn wir als Gestalter, die wir als letztmögliche Wortgeber die Zwiesprache von Hinterbliebenen und Verstorbenen im Stein und der Bepflanzung zum Ausdruck bringen können, haben uns dazu intensive Gedanken gemacht. Jeder Einzelne von uns hat versucht, die Emotionen der Zurückgelassenen und die Persönlichkeit der oder des Verstorbenen in einem letzten „Schlussstein“ zu vereinen - als Vorschlag - und als Annäherung zu einem Thema, welches in unserer hochentwickelten Welt ein immer noch Unterentwickeltes in unseren Köpfen ist.“, so heißt es im Vorwort der Broschüre zu den Mustergarbanlagen auf der letzten Landesgartenschau.

Kleine Sonderschau zu 
Grabkunst

So individuell unser Leben ist, so individuell können Grabanlagen gestaltet werden. Jede Bepflanzung und jedes Grabmal, kann bei der Gestaltung die jeweiligen individuellen Lebenswege des Verstorbenen widerspiegeln. 

Seit der ersten Landesgartenschau 1996 in Lichtenstein gestalten der Gartenbauverband Mitteldeutschland, die Dauergrabpflegegesellschaft sächsischer Friedhofsgärtner im Bunde mit der berufsständischen Vereinigung der Steinmetze einen Teil mit Mustergrabanlagen. „Uns kommt es darauf an, das fachliche Können und die handwerklichen Fähigkeiten bei der Gestaltung aufzuzeigen. Außerdem wollen wir auf Modeerscheinungen aufmerksam machen, die es auch auf diesem Gebiet gibt“, erklärt Sandra Theusner. Sie betreut auch die Anlage auf dem Torgauer LAGA-Gelände. Im Bereich der Mustergrabanlagen wird es einen Pavillon geben, in dem auch eine kleine Sonderschau – in Kombination mit den Gräbern – zur Grabkunst geben. Es kann gut sein, dass darunter auch Meister- und Gesellenstücke sich befinden. 

Friedhof und Ökologie

In der Elbestadt wird es eine Besonderheit im Vergleich zu den vorherigen Landesgartenschauen geben. „Ein ,NaturRuh-Areal’ wird erstmalig gestaltet, da es sehr gut zu dem Parkcharakter vor Ort passt.“ Das ist aber auch eine besondere Herausforderung, da in Torgau die Grabstellen viel Schatten und wenig Sonne haben werden. Klassiker, die hier für einen Einsatz als Bodendecker geeignet sind, wären Efeu oder Kriechmispeln. Die Fachfrau nennt aber auch Pflanzen wie Thymian oder verschiedene Arten von Mauerpfeffer. 

Beim Vor-Ort-Termin zeigt sie aber auch auf, welche Bedeutung natürliche Grabfelder für das ökologische Gleichgewicht haben können. „In einem solchen Gebiet, wo wir uns gerade befinden, sind auch das Aufstellen von Insektenhotels oder das Aufhängen von Nistkästen denkbar, ohne den Ruhecharakter der Anlage negativ zu beeinflussen“, sagt die Fachfrau. Untersuchungen in Großstädten hätten ergeben, dass große Friedhöfe mit Parkcharakter Einfluss auf das jeweilige Stadtklima haben.


Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. Hier können Sie ihn bestellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mountainbikemagazin

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de