Mittwoch, 23. Juni 2021
Dienstag, 1. Juni 2021

Die Reiselust der Torgauer kehrt zurück

Reiseverkehrskauffrau Ivonne Sachert nahm im Frühjahr an einem Tourismus-Workshop in der Türkei teil.Foto: privat

Von Marie-Luise Dreßen

Torgau. Hinter den Reisebüros liegte eine schwere Zeit. Die Hauptarbeit waren zuletzt Stornierungen. Der Blick auf den Sommer lässt die Branche aber hoffen - wie ein Beispiel aus Torgau zeigt.

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Eine Safari in Kenia, eine Kanarenkreuzfahrt, Party auf Mallorca, Kunst in Florenz – monatelang träumten die Menschen in Deutschland von Fernreisen, Erholung und einem Tapetenwechsel. Durch Corona blieb es beim Träumen und auch, wenn die Beschränkungen rund um das Reisen langsam immer weiter aufgehoben werden, sieht es für die Tourismusbranche seit über einem Jahr wirklich sehr bedenklich aus. 

Ivonne Sachert vom Reisebüro „Günstiger-Reisen.de“ in der Bäckerstraße in Torgau kommt ins Stocken, wenn sie versucht zu beschreiben, wie gravierend sich die Coronakrise auf Reisegeschäft ausgewirkt hat. „Momentan haben wir zehn Prozent des Umsatzes, den wir normalerweise in diesen Wochen verbuchen konnten“, klagt die sympathische Mitarbeiterin des Reisebüros. 

„Viel Arbeit, die momentan zu erledigen ist, ist Arbeit, die ja nicht honoriert wird. Das Reisebüro erzielt seine Gewinne aus Provisionen. Wenn es allerdings ausschließlich Stornierungen gibt, gibt es zwar Arbeit, aber keinen Gewinn.“ Um überhaupt so viele Monate ohne die Erwirtschaftung von Mitteln zu überstehen, musste das Reisebüro „Günstiger-Reisen.de“ genau wie alle Branchenkollegen Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen. 

Dankbar für Staatshilfen

Die Chefin des Reisebüros, Toni Tobianke, erklärt dazu: „Wir haben Rücklagen gebildet, wie jedes andere Unternehmen auch. Damit wäre aber, ohne staatliche Hilfe, im Spätsommer Schluss gewesen. Immerhin haben wir einen Totalausfall von 100 Prozent der Reisen Mitte März bis Anfang Juni und über 90 Prozent aller Reisen während des Sommers. Über den Winter hätten wir wieder 100 Prozent Ausfall gehabt. Das hält keiner lange durch. Ohne die Hilfen vom Staat wären wir nicht durch diese Zeit gekommen und sind sehr dankbar dafür. Allerdings hätten wir uns ein besseres Management und Öffnungsperspektiven für den Tourismus gewünscht – ich denke, da wurden viele Fehler gemacht.“ 

Um den Staat und die Politik überhaupt nachhaltig dafür zu sensibilisieren, dass mit dem Tourismus ein wirklich wichtiger Wirtschaftszweig stark zu leiden hat und Unterstützung benötigt, gab es im vergangenen Jahr mehrere Demonstrationen der Branchenmitarbeiter in Berlin. Eine Initiatorin dieser Proteste war Ivonne Sachert. Sie lebt für ihren Beruf und es geht ihr auch seelisch sehr nahe, dass der Tourismus und das Reisen im Moment quasi auf dem Abstellgleis stehen. Doch langsam kommt das Geschäft wieder in Fahrt. 

Ivonne Sachert selbst hat sich im April dieses Jahres in einem von Anex-Tour/Öger-Tour und Bucher veranstalteten Workshop in der Türkei davon überzeugen können, dass Reisen auch in der Pandemie sicher und erholsam sein kann. „Wir wurden alle mehrmals getestet und Abstände wurden eingehalten. Ich habe mich immer sicher und wohl in den Hotels gefühlt und wurde gut betreut.“ 

Lehrreicher Austausch

Der Austausch mit den angereisten Kollegen und dem Personal vor Ort war äußerst lehrreich, was den Umgang mit Tourismus in Coronazeiten betrifft. Momentan ist das Reisen auch noch recht günstig. „Natürlich habe ich keine Glaskugel und möchte keine Prognosen abgeben, aber wer weiß, wie die Situation in ein paar Monaten aussieht, wenn die Beschränkungen immer weiter aufgehoben werden“, überlegt die engagierte Reiseverkehrskauffrau. 

„Die Torgauer sind äußerst reiselustig – in diesem Jahr geht der Trend eindeutig auf die griechischen Inseln.“ 

Junge und ältere Menschen besuchen das Reisebüro im Herzen Torgaus. Denn eine so fachkundige Beratung wie dort findet man im Internet nicht. Da muss man sich alle Informationen selbst mühsam zusammensuchen, während man im Reisebüro einen Ansprechpartner und Berater für alle Fragen rund um das Reisen hat. Einige Reiseanbieter erheben neuerdings Beratungsgebühren in den Reisebüros. Die Gebühren werden individuell festgelegt und kommen zu den selbst zu tragenden, eventuellen Kosten für beispielsweise Visa oder Einreiseformulare, hinzu. 

„Service steht an erster Stelle“

Das Torgauer Reisebüro von Frau Tobianke hat sich dagegen entschieden. „Service steht an erster Stelle, dafür kommen die Leute ja zu uns, das darf nichts kosten“ erklärt Ivonne Sachert. Man wünscht dem kleinen Geschäft von Herzen, dass es diese turbulenten Monate einigermaßen unbeschadet übersteht und bald wieder viele Torgauerinnen und Torgauer bei ihren Reiseplänen unterstützt und Traumurlaube von der Mecklenburger Seenplatte bis auf ferne Kontinente mit seinem Rund-um-Service begleiten kann.


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