Mittwoch, 23. Juni 2021
Freitag, 4. Juni 2021

"Was will ich Trübsal blasen?"

Sybille Tietze hat die Nitzsche Stiftung seit 2020 gepachtet. Jetzt hat sie zum dritten Mal ihre Gaststätte eröffnet. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Die Wirte in Torgaus Gartenlokalen lassen sich nicht unterkriegen und öffen mit Optimismus wieder für ihre Gäste.

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Abendidyll bei Nitzsche: „Mach uns noch vier“, winkt der Gast der Wirtin mit dem leeren, maximal 4 Zentiliter fassenden Glas zu. Kurz darauf kommt sie auch wieder, stellt die Gläser auf den Tisch. Das Kleeblatt prostet sich auf bessere Zeiten zu und stürzt die grüne Flüssigkeit in die vier Kehlen hinunter. Lautstark wird der Sieg der Lokschen im Sachsenpokal diskutiert. Derweil lässt sich am Nachbartisch die Familie das Abendbrot schmecken. „Wie im Interhotel“, lautet das Fazit des Familienvaters zu der Komposition aus Bockwurst an Pommes frites, die Würzsaucen in Glasschälchen auf dem Tisch drapiert. Eine Szene so typisch für ein Gartenlokal – doch in diesem Frühjahr etwas Besonderes.

Den Außenbereich aufgewertet

Nach etlichen Querelen mit früheren Pächtern dürfte der Gartenvereinsvorsitzende Volker Meißner im Februar des Vorjahres vorsichtig optimistisch gewesen sein, was die Zukunft der Gaststätte mitten in seiner Anlage „Eilenburger Straße“ anbelangte. „Wir hatten am 29. Februar 2020 unser Lokal eröffnet“, sagt Pächterin Sybille Tietze. Das Führen einer Gastwirtschaft ist ihr in die Wiege gelegt – lange Jahre betrieb ihr Vater die Gartengaststätte „Abendfrieden“ an der Dahlener Straße.

Doch das Glück der Jungunternehmerin währt nicht lang – Mitte März kommt der erste Lockdown mit Schließungen auch der Gaststätten. Im Mai darf auch die Nitzsche-Stiftung den erneuten Neustart wagen. „Der Sommer war gut“, blickt Sybille Tietze zurück. Doch bereits im Oktober schloss sie ihre Pforten wieder. „Etwas eher als nötig – aus Rücksicht auf unsere vor allem älteren Gäste“, erläutert Sybille Tietze.

Vor der Eröffnung im Frühjahr 2020 wurde der Innenraum renoviert. „In den Zeiten des Lockdowns nutzten wir die Chance und erneuerten das Vordach“, sagt Sybille Tietze. In dem Zuge erhielt auch die Terrasse eine Überarbeitung samst neuem Pflaster. Seit rund einer Woche ist nun wieder geöffnet, empfängt hier Sybille Tietze ihre Gäste. „Stück für Stück geht es aufwärts“, gibt sie sich optimistisch. Dazu passt auch die Zusammenstellung von Bockwurst mit Pommes.

Momentan steht Sybille Tietze mit ihrem Team immer von Freitag bis Sonntag ab 16 Uhr  für ihre Gäste bereit. Am Sonntag sogar schon ab um 10 Uhr – zum Frühschoppen. „Alles ganz entspannt“, lautet ihr Motto. Schließlich sei noch alles recht schwierig mit den Regelungen wie zum Beispiel tagesaktuellen negativen Schnelltests. „Außerdem müssen auch die Leute erstmal wieder aus ihrem persönlichen Lockdown rauskommen.“

Tagesessen lohnte nicht

In der Eigenen Scholle herrscht ein bisschen verkehrte Welt – normalerweise übernimmt der Junior vom Senior. „Bei uns ist es umgekehrt“, erläutert Steffen Beindorf. Dafür führt der Pächter der Gartengaststätte familiäre Gründe an. „Unter diesen sollte unser Lokal zwischen Teich- und Röhrweg nicht leiden müssen“, begründet Steffen Beindorf.

Idyllische Lage: Gartenlokal Eigene Scholle.

Ob er auch die Zeit zur Renovierung genutzt habe? „Nein, ich habe alles so gelassen“, sagt Steffen Beindorf. Auch seine Preise seien stabil geblieben. „Etwa ein, zwei Wochen vor der sich abzeichnenden Öffnung habe ich ein wenig klar Schiff gemacht“, umreißt er seine Tätigkeiten am Ende des Lockdowns. Zu Beginn dessen habe auch er  Speisen zur Abholung angeboten. „Jedoch das hat sich das nicht gelohnt“, blickt er zurück.

Der Saal fasst 30 Personen und sei beliebt für Familienfeiern. Diese mussten aber in den zurück liegenden Monaten ebenso ausfallen wie Männertags- und Pfingstveranstaltungen. „Eigentlich alles die Umsatzbringer“, ordnet er ein. „Aber was will ich Trübsal blasen?“, bleibt er optimistisch. Wenigstens habe der Verein „Eigene Scholle“ der Gaststätte die Pacht während der erzwungenen Schließung erlassen. Mittlerweile kämen die Gäste aber wieder. „Die erste Anfrage für einen 70. Geburtstag habe ich schon erhalten.“

Von Donnerstag bis Freitag empfängt Steffen Beindorf seine Gäste von 15 bis 19 Uhr. Am Wochenende hat er sogar ab 9.30 Uhr geöffnet. Hierbei kann er sich noch Änderungen vorstellen. „Erstmal die Coronazeiten abwarten“, macht er klar. Es müsse eben langsam wieder anlaufen. „Dann kann ich auch ganz vorsichtig ein Gartenfest für den Sommer planen.“

Frisch renoviert in die nächste Öffnung

Noch riecht es nach frischer Farbe – doch bald schon wird hier wieder das beißende Aroma unvollständig verbrannten Tabaks herrschen. „Vorne ist wieder Raucherbereich und der Saal ist für Nichtraucher“, erläutert Carola Lehmann die Raumaufteilung im Gebäude. Diese werde die Pächterin auch nach der abgeschlossenen Renovierung so beibehalten. Dabei hat sie neben der Farbe auf der Wand auch die Türen erneuert. „Nur die zum Saal fehlt noch“, ist sie mit dem bisherigen Ergebnis der Arbeiten zufrieden.

Das Team der Mohrrübe: Carola Lehmann (r.) mit iher Angestellten Martina.

Vor Beginn der Pandemie bot Carola Lehmann zumindest freitags ein Tagesessen an. Diese Idee weitete sie während des Lockdowns auf fünf Tage von Montag bis Freitag aus. „Das Angebot werde ich bis auf den Dienstag beibehalten“, kündigt die Betreiberin der Mohrrübe an. Der Dienstag sei  wieder der Ruhetag, den Carola Lehmann während des Lockdowns ruhen ließ. Wie es ihr während des Lockdowns erging? „Wir haben uns über Wasser gehalten“, ordnet sie ein. Immerhin lief der Sommer 2020 richtig gut. „Wir haben es manchmal kaum geschafft.“

Laut Carola Lehmanns Aussage wird ihr Angebot bereits jetzt schon gut angenommen. Auch im Außenbereich brumme es. „Den haben wir auch aufgewertet“, weist sie auf den neuen Pavillon hin. Geöffnet hat sie von Mittwoch bis Montag immer ab 11 Uhr.

 



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