Mittwoch, 23. Juni 2021
Samstag, 5. Juni 2021

Alte Elbe Döbern: Der schwierige Weg zurück zur Normalität

Die Alte Elbe Döbern, im Volksmund "Grube" genannt. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbern. Das einst beliebte Angelgewässer ist zwar derzeit gut mit Wasser gefüllt, aber Fachleute sehen noch keinen Grund für Euphorie. Die Alte Elbe Döbern bleibt ein "Sorgenkind". 

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Es ist fast Sommer und die Alte Elbe in Döbern ist sehr voll. Das gab es ewig nicht mehr. Die letzten Jahre hatte das Gewässer immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, weil es komplett ausgetrocknet war und der gesamte Fischbestand verloren ging. Nach dem nassen und kühlen Frühjahr 2021 bietet die Grube, wie sie im Volksmund genannt wird, jetzt reizvolle Fotomotive. Schwäne und Enten kreisen, kleine Wellen brechen sich am Ufer, ringsum blühen Bäume und Sträucher. Eigentlich ist es wie früher – oder? 

„Nicht ganz“, lächelt Rolf Wilsdorf, Vorsitzender des örtlichen Anglervereins, und blickt ein wenig skeptisch. Die Euphorie, die vielleicht den einen oder anderen Spaziergänger erfasst, will er nicht teilen. Grübelnd steht er auf der kleinen Überfahrt, die zugleich als Elberadweg genutzt wird, und schaut auf die Wasserfläche, die Stirn in Falten gezogen. „Sehen Sie die kleine Halbinsel dort? Solange die fast trocken liegt, ist es nicht gut“, sagt er. 

Natürlich bezieht er sich bei seinem Vergleich auf normale Jahre, wie man sie von früher kennt. Seit 2015 ist wettertechnisch jedoch nichts mehr normal. Eine Dürre jagt die nächste. Zeitweise hätte man in der Alten Elbe spazieren gehen können. Man hätte noch nicht mal Gummistiefel gebraucht. Das einstige Flussbett war Staub trocken. Bezogen darauf macht der Juni 2021 natürlich  Freude. Aber die könnte auch schnell schwinden. „Die Dürre-Jahre haben in der Natur ihre Spuren hinterlassen. Es hat sich ein Niederschlagsdefizit aufgebaut und das ist noch lange nicht ausgeglichen. Was die Alte Elbe in Döbern betrifft, fehlt einfach die Konstanz“, erklärt der Anglerchef. Nach einer Hochstimmung im März, als nur noch 40 Zentimeter bis zum maximal zugelassenen Pegel fehlten, ging es auf und ab. Ende April sah es besonders gut aus. Aber jetzt sei die Grube schon wieder um 60 bis 80 Zentimeter gefallen. Zwar hat der Anglerverband Leipzig, der für die Region zuständig ist, schon Fischbestand zugeführt. Unter anderem Karpfen. Doch weitere nennenswerte Aktionen sind nach Aussage von Rolf Wilsdorf in den nächsten Wochen erst einmal nicht geplant. Dafür ist das Risiko einfach zu groß. Schließlich sei es mit erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. 

In den Dürre-Jahren 2015, 2018 und 2019 mussten die Angler schmerzlich Lehrgeld bezahlen. Der zugeführte Bestand hatte keine Überlebenschance. Nun drücken die Vereinsmitglieder die Daumen. „Wir brauchen einfach Regen, Regen, Regen. Das ist das einzige, was hilft“, zuckt Wilsdorf mit den Schultern. Immerhin sei fast Mitte Juni. Im September wird bereits angefangen, den Großen Teich in Torgau abzulassen. Das Wasser fließt über den Schwarzen Graben und die Weinske ab. Ein Teil gelangt in die Alte Elbe. „Vielleicht klappt es“, überlegt der Vorsitzende. Vielleicht bleibt die Grube ja dieses Jahr gefüllt. 

Ein kleines Stauwehr habe der Verein in Absprache mit den Behörden zum Glück bauen dürfen. Die Verständigung klappte zuletzt, nachdem es in der Vergangenheit größere Differenzen gab. In der Gemeinde Elsnig hatte man kritisiert, dass in der Weinske kein Wasser angestaut und zurückgehalten werden dürfe. Das ist zu einem Dauerproblem geworden, weil der Fluss ständig verlandet und austrocknet. Die Angler hatten über Facebook einen Video-Hilferuf gestatet, der auch überregional breite Resonanz fand. Der Clip ging viral, wie es modern heißt – verbreitete sich im Internet explosionsartig. Bürgermeister Stefan Schieritz hatte sich der Sache angenommen, wollte eine Podiumsdiskussion starten. Doch dann kam Corona. „Im Bereich des Großen Teiches und im Stadtgebiet wird das Wasser zig mal angestaut. Nur bei uns geht es nicht“, spielt Rolf Wilsdorf nochmal auf die Hintergründe an. 

Allein der Döberner Anglerverein zählt 130 bis 150 Mitglieder. Die Vereine in Elsnig, Dahlenberg, Dommitzsch und Mockrehna beispielsweise haben auch guten Zulauf. Die Wasserproblematik brennt zumindest in der Weinske-Region vielen Petrijüngern unter den Nägeln. 

Selbst wenn jetzt Besserung eintritt – vor 2023/24 werde die Alte Elbe in Döbern nicht mehr das sein, was sie mal war: Ein viel frequentiertes und sehr beliebtes Anglergewässer. Solange, glaubt zumindest Rolf Wilsdorf, dürfte es dauern, bis sich der Fischbestand wieder regeneriert hat. Selbst wenn es derzeit schon möglich ist, wieder zu angeln. Die meisten Mitglieder steuern derzeit jedoch Gewässer im Raum Eilenburg oder Dahlen an, fahren an die Stromelbe oder ans Torgauer Hafenbecken, nach Kathewitz, Schildau, Prettin oder Falkenberg, um ihren Hobby zu frönen. Möglichkeiten gäbe es in der Region zum Glück noch genug. „Ihre Grube“ behalten die Angler trotzdem fest im Blick.


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