Mittwoch, 23. Juni 2021
Dienstag, 8. Juni 2021

Konkurrenz für staatliche Grundschule?

Heißer Kandidat für den Einzug der evangelischen Grundschule: Das ehemalige DRK-Heim in Belgern.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Nachdem die Torgauer Zeitung die Idee einer evangelischen Grundschule in Belgern bereits Mitte April der Öffentlichkeit präsentierte, befassten sich nun auch die Belgern-Schildauer Stadträte zum ersten Mal in öffentlicher Sitzung mit dem Vorhaben der Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz.

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Davor habe es nach Angabe von Vize-Bürgermeister Ingolf Gläser ein Treffen gegeben, an dem nicht nur Vertreter von Schulgemeinschaft, Verwaltung und Ältestenrat teilgenommen haben, sondern auch die Schulleitung der staatlichen Grundschule. Knackpunkt des Treffens war die Frage, wie es der Schulgemeinschaft mit ihrem Projekt gelingen kann, einerseits genügend eigene Schüler zu finden, andererseits aber den Fortbestand der staatlichen Schule nicht zu gefährden. Dass dieses Unterfangen schwierig werden könnte, machte allein ein Blick auf die im Schildauer Volkshaus in der vergangenen Woche durch Hauptamtsleiterin Katrin Benndorf präsentierten Schülerzahlen deutlich.

Benndorf hatte diese nach den Einzugsbereichen Belgern und Schildau getrennt. Auffällig dabei, dass Belgern gegenüber Schildau ab dem Jahr 2027 nach der Prognose deutlich weniger Erstklässler hätte. Während in Schildau 2027 von einer Anzahl von 25 ausgegangen wird, kommt Belgern im gleichen Jahr gerade einmal auf 15. Davor pendeln die Zahlen in Belgern von 30 bis sogar 44, in Schildau von 26 bis 35.

Wie auch Benndorf während der Präsentation im Stadtrat betonte, wolle die Evangelische Schulgemeinschaft den Fortbestand der staatlichen Einrichtungen nicht gefährden. Das hatte bereits Geschäftsführer Stefan Branig so im April bestätigt. „Doch was ist, wenn es 2027 wirklich einen Kampf um jeden einzelnen Schüler geben sollte?“ fragte Ingolf Gläser am Montag im TZ-Gespräch. Und was ist, wenn Stefan Branig die Führung der Schulgemeinschaft irgendwann einmal an eine andere Person abgeben werde? Halte die sich dann auch an das Versprechen?

„Ich möchte  betonen, dass das, was die Schulgemeinschaft hier mit ihrer Oberschule auf die Beine gestellt hat, für Belgern ein regelrechter Glückstreffer ist“, sagte Gläser. Auch ein neues Grundschulangebot werde dafür sorgen, dass der Schulstandort Belgern an Attraktivität für Familien gewinne. Doch auch Gläser merkte man an, dass der Bruch in den prognostizierten Schülerzahlen in Belgern über dem Ganzen wie ein Damoklesschwert schwebt.

Angesichts der  Schülerzahlen drückte Stadtrat Ingo Henjes (SPD) aus Schildau sein Bedauern aus, dass sich die Schulgemeinschaft statt für Schildau – wo es offensichtlich genügend Schüler für zwei Schulen gebe – nun doch für den Standort Belgern entschieden habe. Auch er sehe in Belgern die Gefahr einer Konkurrenz. Dem widersprach Matthias Schulze (B90/Grüne) sofort. Der Schildauer warnte vor einem Angstszenario, das um einen möglichen Verlust der staatlichen Schule kreist. „Das geht doch an der Realität vorbei“, sagte er. Vielmehr sei ein zweiter Grundschulstandort in Belgern eine Chance für die gesamte Kommune, weil es vielfach Eltern gebe, die genau nach solchen speziellen Angeboten privater Träger suchten und sogar lange Anfahrtzeiten in Kauf nehmen, ist sich Schulze sicher.

Nach Meinung von Dr. Wolfgang Ender, der für die CDU im Stadtrat sitzt, ziele Stefan Branig durch den Grundschulstandort in Belgern bewusst auf das Nachbarbundesland Brandenburg – der Heimat der Schulgemeinschaft –, um  Brandenburger Eltern in Sachsen eine Alternative zur 6-jährigen  Grundschulzeit zu bieten.

Nach TZ-Information ist das ehemalige DRK-Heim in Belgern ein heißer Kandidat für die Heimstatt der evangelischen Grundschule, die 2022/2023 an den Start gehen soll und nach Angabe Stefan Branigs zunächst noch in der bestehenden Oberschule untergebracht werden könnte. 


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