Dienstag, 22. Juni 2021
Freitag, 11. Juni 2021

Alte Dame braucht Pflege

Ein Pflegeschnitt könnte der alten Dame zu neuem Lebensmut verhelfen.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Oelzschau. Der mächtigen Platane im Oelzschauer Schlosspark fehlt es ein wenig an Lebenskraft.

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Frank Schäfer genieß diesen Anblick. „Malerisch, einfach traumhaft“, sagte der zertifizierte Baumkontrolleur aus Hermsdorf nahe des alten Sachsenrings. Schäfer hält inne. Solche Momente kommen auch in seinem Arbeitsalltag nicht all zu häufig vor. Kurz noch ein Blick auf eine Infotafel geworfen, geht es für ihn dann auch schon in den Hubsteiger. Mit Tobias Neubert von der Grünland GmbH fährt er nach oben, um auch von hier einen guten Blick auf das Astwerk zu haben. 

Keine Frage: Die Platane im Oelzschauer Schlosspark ist selbst für Baumlaien eine imposante Erscheinung. Im Jahre 1668 gepflanzt zählt sie zu den ältesten ihrer Art im Lande. Möglicherweise ist sie sogar die älteste. Und wer so alt ist, kann schon mal gesundheitliche Gebrechen haben. Um dem Baum beim Tragen der Kronenlast zu helfen, wurden vor Jahren verschiedene Sicherungssysteme verbaut. Kontrolleur Schäfer verweist auf Stahlstäbe, Stahlseile und verschiedene Gurte. Ein Großteil davon ist bereits verwachsen.

Dass Frank Schäfer in dieser Woche zu einer sogenannten Baumregelkontrolle nach Oelzschau kam, verdankt der ausladende Baum seinem Nachbarn – Andreas Riedel, dem Eigentümer des Herrenhauses. Dieser hofft darauf, mit den neuen Erkenntnissen Behörden davon überzeugen zu können, dem Naturdenkmal einen Vitalisierungsschub  zu geben. Denn die 353 Jahre haben zu deutlichen Verschleißerscheinungen vor allem in der Oberkrone geführt. 

Wie Baumexperte Schäfer angibt, sei  nicht nur des Totholzes wegen sondern auch aus statischer Sicht ein Pflegeschnitt sowie möglicherweise die Einkürzung der lichtwerdenden Krone notwendig. Dadurch könnte dem Baum wieder genügend Kraft gegeben werden, neu auszutreiben. Unter den gegebenen Umständen schaffe es die alte Dame jedenfalls nicht mehr. Zudem müssten die im Astwerk gesetzten Sicherungen durch neue ergänzt werden. 

Alles in allem bedarf es einer weiteren eingehenden Untersuchung des Baumes, dessen zahlreiche Spechtlöcher durch Dohlen derart vergrößert wurden, dass an jenen Stellen nur die Vermessung der Restwandstärke eine verlässliche Auskunft über die Haltbarkeit der Äste geben können. Allein jene Untersuchung schlage wahrscheinlich mit einem vierstelligen Betrag zu Buche, schätzt Schäfer, der in einem Punkt jedoch Entwarnung geben konnte: Seit Jahren gibt es immer wieder Berichte über Platanen, denen ein Schlauchpilz mächtig zu schaffen macht: Der Übeltäter heißt Massaria. Die Baumkrankheit kann durch unbedachte Baumpflege begünstigt beziehungsweise sogar  hervorgerufen werden. 

Der Pilz befällt nach Angabe des Internetseite www.baumpflegeportal.de vor allem geschwächte Äste und Zweige. „Fruchtkörper und Sporen sind schwarz gefärbt, weshalb diese in vielen Fällen ein erster Hinweis auf einen Befall sein können. Die Rinde verliert ihren grünlichen Schimmer, verblasst oder färbt sich rosa. Meist auf der Oberseite der Äste kommt es zur Rindenablösung beziehungsweise Rindennekrose. Die relativ schnelle Holzzersetzung kann innerhalb einiger Monate zu einem Sprödbruch führen. Werden die auf Massaria hinweisenden Symptome nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Astbrüchen ... kommen“, heißt es dort. Bei seiner Fahrt durch die Krone seien derartige Erscheinungen jedoch nicht sichtbar gewesen, sagt Schäfer, als er wieder aus dem Hubsteiger steigt. 

Noch einmal blickt er auf den imposanten Baum und nickt anerkennend. „Ja, so etwas sehe man nicht alle Tage“, verabschiedet er sich nach gut einer Stunde. Ihn störe es auch nicht, dass die Höhenangabe mit 42 Metern ein wenig übers Ziel hinausschießt. Schäfer kam bei seiner Messung nämlich auf 28 Meter. Der Stammumfang in Brusthöhe gemessen liegt bei 9,10 m. Damit verfügt die Oelzschauer Platane über einen deutlich dickeren Stamm, als die Platane im Park der Landesschule Pforta in Naumburg. Obgleich dieser um 1825 gepflanzte Baumriese noch ein wenig höher zu sein scheint als jener in Oelzschau, beträgt sein Stammumfang doch „nur“ 7,22 Meter.


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