Mittwoch, 28. Juli 2021
Sonntag, 20. Juni 2021

Wachablösung bei der BI "HALT für Klitzschen"

Daniel WendtFoto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Klitzschen. In Sachen S-Bahnhalt geht es für die Bürgerinitiative „HALT für Klitzschen“ in die nächsten Runden. Auf Fritz Beck folgt nun aber an der BI-Spitze Daniel Wendt. Die Torgauer Zeitung sprach mit dem 45-Jährigen, nachdem mittlerweile auch die AfD der BI unter die Arme greift. 

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Herr Wendt, viele dachten, das Thema Bahnhof sei längst gegessen …

Keineswegs. Das hatte Fritz Beck auch deutlich kommuniziert, als er nach Jahren aus der ersten Reihe unserer Bürgerinitiative zurücktrat. 

Wie viel Bedeutung messen Sie dem Wirken von Fritz Beck bei?

Er ist neben Herold Fritzsche Hauptinitiator und Motor der Bürgerinitiative, seit diese aus der Taufe gehoben wurde. Seine Antriebskraft und Energie, Probleme beim Namen zu nennen und die Dinge anzupacken, sind beispiellos. Ohne ihn wäre das Thema tatsächlich längst keines mehr. Sein Engagement spiegelt sich in den zahllosen offenen Briefen und Schriftwechseln mit Gleichgesinnten und Widersachern in der Historie der BI Klitzschen wider, so auch in der von ihm gepflegten Seite www.mein-klitzschen.de. Ihm gehören mein Respekt und meine volle Anerkennung.

Warum spannen Sie sich nun vor den Karren?

Die eben erwähnte längere Geschichte um einen Bedarfshalt hat viel Zeit und Kraft gefordert und vonseiten der Politik stürmte es uns geradezu entgegen. Dies bewegte Herrn Beck letztendlich, das Schicksal der Bürgerinitiative in die Hände von Eckhard Baumbach und meiner Person zu übertragen. Vielleicht erhoffte er sich so frischen Wind und andere Blickwinkel, neue Perspektiven. Wir nehmen diese Herausforderung gern an und versuchen, das in uns gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Warum sitzt plötzlich die AfD mit im – um im Bild zu bleiben – Waggon?

So plötzlich ist das gar nicht. Die Landtagsabgeordnete Gudrun Petzold und ihre Mitstreiter verfolgen die Geschichte rund um unsere Bewegung schon von Anfang an und fühlten sich durch die zuletzt vom CDU-Bundestagsabgeordneten Marian Wendt angebrachten Äußerungen hinsichtlich der Unrealisierbarkeit des Projektes animiert und auf den Plan gerufen.

Glauben Sie, dass durch das Wirken der AfD das Projekt noch einmal an Fahrt aufnehmen kann?

Das hat es bereits. Wie unlängst aus der TZ ersichtlich, gab es im April ein erstes Vor-Ort-Treffen  zahlreicher Vertreter, Herrn Baumbach und mir, um erst einmal die Lage zu sondieren und die Möglichkeit einer gemeinsamen Basis zu erkunden. Daraufhin wurde unsere Problematik durch den Landtagsabgeordneten Tobias Keller beim Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im Zuge eines weiteren Projektes „Heidelandbahn“ in Dresden vorgestellt. Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek nahm den Kontakt mit der DB Regio auf – um nur einige der Bemühungen zu nennen. Dieser Einsatz ist schon bemerkenswert. Die Damen und Herren MdL und MdB haben andere Einflussgrößen, öffnen hier und da eine Tür, die uns verschlossen geblieben wäre.

Wären andere Parteien dazu nicht in der Lage gewesen?

Aus der Historie des Kampfs um den Haltepunkt geht hervor, dass bisher schon DIE LINKE in Person von Herrn Dr. Friedrich in das Geschehen involviert war. Unsere Bemühungen um unseren Bahnhof sind aus der Lokalpresse allgemein und hinlänglich derart bekannt, dass es auch anderen Parteien möglich gewesen wäre, diesbezüglich Stellung zu nehmen. Aber das Interesse an den Belangen unserer Bürger scheint nicht groß genug. Man bemüht sich wohl lieber um Lippenbekenntnisse zum Umweltschutz und zur ländlichen Anbindung als um Basisarbeit. Selbstverständlich sind politische Organisationen und Interessengruppen aller Couleur herzlichst eingeladen, insofern sie für einen offenen Umgang miteinander und den Erfolg der Sache als solches zu haben sind. Wir hoffen, dass der Bundestagswahlkampf neue, gleich-wohl alte Interessen neu erweckt.

Was glauben Sie, wie viele Zugreisende würde ein Bahnhalt Klitzschen täglich zählen?

Die Frage zielt meines Erachtens nach auf die Rentabilität eines Bedarfshaltes ab. Hierzu möchte ich gern an meine Recherchen bezüglich eines Leserbriefes zum selben Thema erinnern, in welchem ich grobe Schätzungen zu den Einnahmen angab, welche durch die eingeschobene Zone 143 zwischen Torgau und Mockrehna zustande gekommen sein können. Diese bezifferten sich über die letzten mehr als zehn Jahre wohl auf einige Millionen Euro, sodass die logische Frage wohl heißen müsste, wann denn zu den bereits generierten, enormen Umsätzen endlich mal eine Leistung erbracht, sprich ein Bahnhof zur Verfügung gestellt wird. Wir haben eine Gleichbehandlung mit anderen, vergleichbaren Orten wie beispielsweise Pönitz oder Heiterblick verdient, was letztendlich die immer wieder geforderte Rechtfertigung hinsichtlich der Anzahl an Zusteigenden in meinen Augen obsolet macht.

Ein Hauptargument gegen eine Wiederinbetriebnahme des Bahnhalts in Klitzschen war bislang eine zu enge Taktung der Züge, die durch den Leipziger City-Tunnel fahren. Zieht das Argument noch immer?

Die Bahn hat im Bezug auf ihre Taktung bereits viel Fingerspitzengefühl und Flexibilität bewiesen. Es handelt sich für den Halt um zwei Minuten auf der Strecke Torgau nach Leipzig und umgekehrt. Die Problematik in diesem Punkt hat sich mir seit jeher nicht erschlossen, gerade mit Blick auf die minutenlangen Verspätungen, die den Fahrgästen wohl nur zu bekannt sind. Ich glaube, mit dieser Frage wären Sie bei Theoretikern des Bahngeschehens besser aufgehoben.

Sie selbst sind stellvertretender Ortsvorsteher. Steht denn der Ortschaftsrat geschlossen hinter dem Anliegen der Bürgerinitiative?

Dass sich beide Interessengruppen in meiner Person vereinen, ist kein Zufall. Die Interessen der Bürgerschaft sind das Hauptanliegen des Ortschaftsrates. Ich bin seinerzeit noch mit dem Rad zum Bahnhof gefahren und dann mit dem Zug zur Berufsschule. Diese Möglichkeit möchten wir auch zukünftigen Generationen ermöglichen. Zudem liegt Klitzschen bilderbuchhaft zwischen der Dübener und Dahlener Heide. Wir möchten unseren Bahnhof gern als Heidebahnhof etablieren.

Bei dem Arbeitstreffen vor wenigen Tagen in Klitzschen war auch Mockrehnas Bürgermeister Peter Klepel zugegen. Welche Unterstützung erhoffen Sie sich von der Gemeinde?

Faktische Unterstützung schätze ich eher schwierig ein, da die Entscheidungshoheit auf anderen Schreibtischen zu Hause ist. Uns war in erster Linie wichtig, dass wir den Bürgermeister über das Geschehen nicht im Unwissen lassen und dass er uns von seiner Seite volle Rückendeckung für unsere Absichten erteilt. Zum anderen wird die Gemeinde spätestens bei einer positiven Entwicklung des Vorhabens Partner bei der Beantragung von Geldern. Die Kommune sollte man generell bei allen Aktivitäten mit im Boot haben.

Wie geht es mit der BI jetzt weiter?

Bis zum nächsten Arbeitstreffen in einigen Wochen möchten wir auf die umliegenden Ortschaften zugehen, die Interessenten für unseren Bahnhalt oder Heidebahnhof haben könnten. Auf diese Weise wollen wir auch eine greifbare Nachfrage generieren, um unsere Argumentation zu stützen.

 Gespräch: Christian Wendt

Wer Interesse bekunden möchte, ?kann sich unter post@mein-klitzschen.de oder über ein Kontaktformular der gleichnamigen Seite melden.

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