Mittwoch, 28. Juli 2021
Montag, 21. Juni 2021

Betroffenheit nach Taucher-Drama

Am Wochenende ereignete sich im Steinbruch von Wildschütz ein schwerer Tauchunfall mit zwei Toten und zwei Verletzten.Foto: Wolfgang Sens

Team

Wildschütz. Die Ermittlungen zum Unfall-Hergang im Wildschützer Steinbruchsee laufen auf Hochtouren.

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Nach der Taucher-Tragödie in der Kiesgrube im nordsächsischen Wildschütz gibt es noch immer viele Fragen, wie es zu dem tragischen Unfall am Sonnabendmittag kommen konnte. Zwei erfahrene DRK-Taucher aus Brandenburg waren dabei ums Leben gekommen. Der Havelstädter Ferry E. (57) und Uwe K. (69) aus Rathenow konnten gegen 12.15 Uhr nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden. Zwei weitere Sporttaucher wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Neue Erkenntnisse zum Hergang lagen bis gestern Mittag aber noch nicht vor.

Tauchschule: Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen

In Sachsen gilt: Wer tauchen will, muss sich vorher bei der zuständigen Stelle anmelden. Im Falle des Steinbruchsees Wildschütz besitzt die Tauchschule Buder die Tauchrechte. Aufgrund zahlreicher Unterwasser-Attraktionen wie einem Flugzeug, Kiosk oder Aufzug ist das 74 Meter tiefe Gewässer mit seinem klaren Wasser ein beliebter Tauchspot, doch durch die fehlende Flachwasserzone und das steil abfallende Ufer auch sehr anspruchsvoll. „Wir lassen keine Anfänger in unseren See, sondern nur erfahrene Taucherinnen und Taucher“, erklärt Tauchschulen-Inhaber Alexander Buder, der sich nach dem tragischen Unglück vom Wochenende noch immer tief betroffen zeigte.

Vor dem Einstieg werden alle Nachweise kontrolliert

Die beiden Verunglückten seien sehr erfahrene Taucher gewesen. Um für größtmögliche Sicherheit zu sorgen, kontrolliere man vor dem Einstieg von allen Beteiligten den Tauchschein und das Logbuch, in dem vermerkt ist, welche Tauchgänge und Tauchtiefen bisher absolviert wurden. Zudem sei der Nachweis über eine ärztliche Untersuchung vorzuzeigen, die Auskunft über die gesundheitliche Verfassung gebe und regelmäßig durchgeführt werden müsse. „Bevor es ins Wasser geht, belehren wir die Taucher schließlich noch und führen ein Briefing durch, bei der die Route besprochen wird.“ Doch sobald die Taucher im Wasser sind, handeln sie eigenverantwortlich.

Die Wildschützer Tauchschule gibt es seit 1998

Alexander Buders Vater, der Bergwitzer Volker Buder, hatte im Alter von 55 Jahren die Tauchschule Ende der 1990er-Jahre eröffnet, nachdem er zuvor seine Tauchschule auf der griechischen Insel Kreta aufgelöst hatte. Volker Buder, der auf einem Grundstück am Steinbruch wohnt, seit seinem 13. Lebensjahr taucht und sich in allen Weltmeeren auskennt, kann zum tragischen Geschehen derzeit auch nur Mutmaßungen anstellen. In der Tiefe des Sees gebe es mehrere Attraktionen, die Taucher hätten sich entlang des Führungsseils eines Obelisken gehangelt. Offenbar habe einer der beiden Probleme bekommen, wahrscheinlich habe der andere noch versucht, zu helfen. Andere Taucher hätten die Hilfeschreie vernommen, seien auch sofort hingeschwommen, um den Betroffenen zu helfen. Retten konnten sie die beiden Männer aber nicht mehr, alle mit Atemluft gefüllte Flaschen waren leer.

Trotz der tragischen Ereignisse sagt Volker Buder, dass der Tauchsport eigentlich ein sicherer Sport sei. Die Taucher hätten immer zwei Flaschen mit Atemluft am Mann und auch unter Wasser meistens die Möglichkeit, einem in Not geratenen Kameraden zu helfen.

Warten auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei

In Brandenburg und speziell im betroffenen Kreisverband Brandenburg an der Havel wird auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei gewartet. Christin-Marie Lux, Pressesprecherin des DRK-Landesverbandes Brandenburg: „Wir können uns nicht erklären, wie es zu dem Unfall kommen konnte.“ Wichtig war ihr jedoch darauf hinzuweisen, dass es sich um einen privaten Sporttauchgang gehandelt habe, bei dem wie üblich die DRK-Ausrüstung zum Einsatz gekommen ist. „Und diese war neu und geprüft.“ Zudem, so führt Lux weiter aus, hätten die beiden erfahrenen Taucher der Wasserwacht auch alle vorgeschriebenen Weiterbildungen absolviert.

Trauerbekundung in 
Brandenburg

Am Montag gab es für die Familien und die Leute im DRK-Kreisverband eine Trauerbekundung für die beiden Rettungstaucher, die oft selbst gerade bei Badeunglücken in Seen und Flüssen zum Einsatz gekommen sind. „Leider“, so die Pressesprecherin, „können Rettungstaucher Verunglückte bei Badeunfällen oftmals nur noch tot aus Seen, Teichen und Flüssen bergen.“ Dass es jetzt die Kameraden selbst getroffen habe, sei schwer zu begreifen.

In Sachsen gibt es beim DRK 17 Rettungstaucher

Auch beim DRK Sachsen herrscht Betroffenheit. „Von uns waren am Samstag aber keine Leute im Einsatz. Daher können wir auch nichts Näheres zum Geschehen vor Ort sagen“, erklärt Dr. Kai Kranich, der die Öffentlichkeitsarbeit für das DRK in Sachsen verantwortet. Bei den Betroffenen habe es sich zudem nicht um Sachsen gehandelt. Interessant sei aber vielleicht in diesem Zusammenhang der Fakt, dass es beim sächsischen DRK insgesamt 17 Rettungstaucher gibt. 

Wie es zu dem tragischen Geschehen kommen konnte, ist noch immer unklar. Die am Sonnabend aufgenommenen Ermittlungen der Polizei laufen weiter, so eine Sprecherin am Montag. Es seien zwei Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden, die Staatsanwaltschaft Torgau habe zudem die Obduktion der tödlich Verunglückten angeordnet. Auch die Ausrüstung sei sichergestellt worden und werde nun untersucht. Es werde aber eine längere Zeit brauchen, bis Ergebnisse vorliegen, so die Sprecherin.

 sec, if, ws, ka

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