Dienstag, 27. Juli 2021
Mittwoch, 23. Juni 2021

Praktische Krebshilfe

Treffen zum Plausch im Juni: Fine Popp (l.) und Sarah Platz mit ihrer Frisörin Ramona Hempel (m.) Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Geld für krebskranke Kinder spenden? Zu trivial dachten sich offenbar Fine Popp und Sarah Platz. So gaben sie lieber jeweils rund 30 Zentimeter ihrer Haare ab.

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Normalerweise kappen im Salon „Spiegelbild“ Scheren zu lang gewordene Haare und streichen Kämme störrische Strähnen in Position. Dazu der immer wieder prüfende Blick des Frisörs auf den Kunden und in den Spiegel, ob noch irgend eine Spitze vergessen ward.

Doch an diesem Mittwoch im Juni herrscht hier schwatzhafte Pausenatmosphäre. Die beiden Kundinnen haben ihre Haarkur schon hinter sich und wollen berichten, warum sie ihr Haar kürzen ließen und warum es nicht einfach entsorgt wurde.

Gerne regelmäßig
„Ich wollte schon immer mal kurze Haare haben“, sagt Fine Popp. Das elfjährige Mädchen aus Belgern ist die Jüngere der beiden Gesprächspartnerinnen. Sie traf die Entscheidung ganz allein. So ließ sie sich im Juli des Vorjahres die Haare beim Frisör ihres Vertrauens in Beckwitz drastisch kürzen. „Ursprünglich waren sie etwa hüftlang“, blickt Fine Popp zurück. Die Haare spendete sie für die Kinderkrebshilfe. „Geprägt durch meinen Opa, der selbst an Krebs litt“, ordnet sie ihre Spende ein. Ihr Großvater sei immer sehr begeistert von ihren langen Haaren gewesen.

Das Umfeld reagierte unterschiedlich. Bei Freunden und Verwandten etwa kam die Aktion gut an. „Meine Klassenkameraden staunten zwar, fragten aber nicht weiter nach“, berichtet Fine Popp über ihre Mitschüler an der Mittelschule Belgern. Nachahmer habe es nicht gegeben.

 „Ich möchte das gerne wieder machen“, kündigt sie an. Gerade lasse sie deshalb die Haare auch wieder wachsen. „Ein Zweijahresrhythmus ist dabei durchaus möglich“, so Fine Popp.

Wenigstens was Gutes getan
Die Langenreichenbacherin Sarah Platz ließ im Mai ihre Haare fallen. Genau wie bei Fine Popp reichten auch ihre Harre ungefähr bis auf die Hüften. „Ich wollte einfach kurze Haare ausprobieren“, erläutert sie den aktuellen Bob-Schnitt. Auch sie gab die Haare für die Deutsche Kinderkrebshilfe. Dabei hatte ihre Spendenbereitschaft einen recht pragmatischen Grund. „Wenn mir meine kurzen Haare nicht gefallen, dann habe ich mit den abgeschnittenen wenigstens noch was Gutes getan“, macht sie klar.

„Ich kann mir vorstellen, dies zu wiederholen“, ist sich Sarah Platz ebenfalls sicher. Doch aktuell gefalle ihr der neue Haarschnitt , so dass sie diesen erstmal so lassen wolle.

„Kurze Haare – das habe ich vorher ausführlich mit meinen Freunden diskutiert“, sagt die Schülerin der Oberschule Mockrehna. Damit waren ihre Freunde nicht allzu erstaunt über das neue Äußere. „Bislang habe ich mit meiner Spende aber noch niemand weiter motiviert, es mir gleichzutun“, ordnet die Fünfzehnjährige ein.

Nur Naturhaar geht
Beide Schülerinnen haben sich über das Portal www.haare-spenden.de angemeldet. „Hier wählt man zwischen unterschiedlichen Hilfsorganisationen aus“, berichtet Fine Popp. Dabei sei es purer Zufall, dass beide die Kinderkrebshilfe wählten. Laut Sara Platz war ihr von vorn herein klar, dass es für Kinder sein muss.

„Aus den gespendeten Haaren entstehen Perücken“, sagt Ramona Hempel. „Sie ist unsere Langhaarspezialistin“, charakterisiert Salon-Inhaberin Jana Seidel ihre Schwester und Mitarbeiterin. Sonst überrede sie ihre Kunden, die Haare möglichst lang zu lassen. Doch in dem Fall war Ramona Hempel sofort Feuer und Flamme. „Dementsprechend werde ich zukünftig auf die Spendenmöglichkeit hinweisen, wenn jemand entsprechen geeignetes Haar hat“, so Ramona Hempel. Dazu müsse es mindestens rund 25 Zentimeter lang und ungefärbt sein. 

Zuerst habe sie die Haare in bis zu fünf einzelne Zöpfe zusammengefasst.  „Das gibt ringsum den wenigsten Verschnitt“, erläutert sie. Die Zöpfe habe sie oben und unten mit Haargummis fixiert. „Abgeschnitten habe ich dann über den oberen Gummis“, so Ramona Hempel weiter. Durch die Bündelung der Haare kämen diese nicht in Unordnung und seien für die Perückenherstellung gut einzeln entnehmbar.

„Ich habe mir überlegt, dass es so gut funktionieren könnte“, informiert Ramona Hempel. Dabei seien ihr auch die Erfahrzungen aus der Lehrzeit zu Gute gekommen. „Die Grundlagen des Perückenknüpfens gehörten dazu“, blickt sie zurück.

 


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