Mittwoch, 4. August 2021
Mittwoch, 23. Juni 2021

"Der Sender voller Müll ist bis in die Arktis gelangt!"

Das Forschungsschiff Aldebaran macht wieder Halt in Torgau. Nach dem Zwischenstopp im Juni letzten Jahres ging die Segeljacht am gestrigen Mittwoch nun erneut zu Forschungszwecken in der Elbestadt vor Anker. Hier trafen die Wissenschaftler auf die fleißigen Müllsammler vom vergangenen Samstag und klärten diese sowie interessierte Bürger über ihre Arbeit auf.Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Die Forscher des Medien- und Forschungsschiffs „Aldebaran“ machen erneut in Torgau Halt und sprechen mit interessierten Bürgern über die Wasserqualität der Elbe.

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Wie wichtig eine saubere und natürliche Umwelt für unser aller Leben ist, ist in den Köpfen vieler Menschen schon längst angekommen und um dazu beizutragen, zeigen sie auch gern vollen Einsatz. So auch die Forscher und Umweltschützer, die auf dem Medien- und Forschungsschiff „Aldebaran“ der deutschen Meeresstiftung unterwegs sind, um Gewässer nach ihrer Zusammensetzung zu untersuchen. Technisch voll ausgestattet mit Labor, Unterwasserkamera und -drohnen untersuchen die Forscher genau wie im Juni letzten Jahres auf der Strecke zwischen Schöna an der tschechischen Grenze und Cuxhaven an der Nordsee unter anderem in Meißen, Torgau, Magdeburg und Hamburg die Elbe nach Mikroplastik. Nun war es am gestrigen Mittwoch, 23. Juni 2021, erneut soweit und die bekannte Segeljacht legte in der Großen Kreisstadt an.

Ab 14 Uhr lag es am Bootshaus Torgau unterhalb des Rudervereins vor Anker. Dort konnten sich Jung und Alt bis 18 Uhr über den Anteil an Mikroplastik im Müll informieren, der in Gewässern und an deren Ufern angelandet wird. Im Zusammenhang mit der Ankunft des Schiffs stand auch das Ende der am vergangenen Samstag gestarteten Müllsammelaktion des Bürgerbüros Bündnis90/Die Grünen, der NABU-Naturschutzstation Biberhof und dem Landschaftspflegeverband, welche unter dem Motto „sELBEr saubere Ufer schaffen!“ stand. Der eingesammelte Unrat wurde anschließend zum Bootshaus gebracht und den Forschern der „Aldebaran“ als Ergebnis der Müllsammelaktion präsentiert. 

„Leider wurde ein Großteil des Mülls unbeabsichtigt bereits zu früh beseitigt, sodass wir heute nicht die komplette Menge präsentieren konnten, zum Beispiel die im Rahmen der Aktion ,Pinke Hände’ in Mehrwegflaschen gesammelten Zigarettenstummel, welche das Forschungsschiff zu Präsentationszwecken mitnehmen wollte“, bedauert Claudia Kurzweg vom Landratsamt Nordsachsen, die die Koordination sowohl für die Müllsammelaktion als auch für das Zusammentreffen der Sammler und der Crew des Forschungsschiffs übernommen hatte. „Die Idee dahinter war das Zusammenführen von lokalen Initiativen, Wissenschaft, Zivilgesellschaften und Politik“, erklärt sie. „Ansonsten sind wir mit der Resonanz auf unsere Müllsammelaktion sehr zufrieden und möchten uns ganz herzlich bei allen engagierten Bürgern bedanken“, betonen alle beteiligten Gruppen. 

Forscher klären auf

Auch die Wissenschaftler des „Aldebaran“-Forschungsschiffs waren mit der Resonanz innerhalb der Bevölkerung sehr zufrieden. „Die teilnehmenden Schüler mussten sich vorher anmelden und durften dann in Zweier- und Dreier-Gruppen auf unser Schiff, wo wir dann mit ihnen über unsere Forschung sprachen und über Ergebnisse aufklärten“, berichtet Sophie Steinhausen, Meeresbiologin vom Bundesverband Meeresmüll e. V. „Das Ziel unserer Arbeit ist es, die Meere vom Müll zu befreien und Lösungen zu finden, wie man der Meeresverschmutzung entgegenwirken kann. Dafür suchen wir gezielt nach Best-Practice-Beispielen, also zum Beispiel Unternehmen, die Plastikmüll einsparen, indem sie Mehrweg-Produkte verwenden und ähnliches.“ 

Ergebnisse für die Elbe

„Eine der aussagekräftigsten Erkenntnisse die wir bei unserer Forschungsreise im letzten Jahr über die Elbe (im Juni 2020, Anm. d. Red.) gewinnen konnten, war, dass ein Drifter, also ein Sender, den wir ins Wasser gelassen haben und an dem sich dann Müllpartikel gesammelt haben, von der Elbe bis in die Arktis gelangt ist“, berichtet die Meeresbiologin. „Das zeigt sehr deutlich, wie stark die Auswirkungen der Verschmutzung der Elbe sind und dass diese nicht nur lokal begrenzt sind, sondern global, denn der Abfall wird nicht nur an das nächstgelegene Ufer gespült, sondern gelangt von der Elbe in die Meere und sogar bis in die Arktis“, betonen sie und Frank Schweikert, Vorstand des Bundesverbandes Meeresmüll, Biologe und Kapitän, auf der Forschungsreise. 

Und wie steht es nun eigentlich um den Grad der Verschmutzung der Elbe? „Die Ergebnisse  vom letzten Jahr zeigen, dass der Verschmutzungsgrad  der Elbe in Torgau zwar unter dem Bestfall von zwei Milligramm je Kilogramm lag, trotzdem ist eine Verschmutzung mit Mikroplastik nicht auszuschließen“, klärt ein Wissenschaftler des Forschungsschiffs auf. „Denn die Sedimentproben sind in Torgau sehr fein und besonders die feineren Sedimente sind schwierig zu untersuchen. In dieser Hinsicht müssen wir unsere Forschungsmethoden noch verbessern.“

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