Mittwoch, 28. Juli 2021
Freitag, 25. Juni 2021

Olaf Gambke: "Ein großartiges Storchenjahr"

Vier Jungtiere zieht das Jahnishausener Storchenpaar in diesem Jahr groß.Foto: Olaf Gambke

Von unserem Redakteur Heiko Betat

Olaf Gambke: „So viele Brutpaare gab es noch nie!“

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Riesa. In den Vorjahren hatte er noch für – vor allem medialen – Wirbel gesorgt: der Jahnishausener Storch. Vor allem Fensterscheiben wurden seinerzeit attackiert, die Anwohner befestigten schützende Pappen vorm Glas. Warum Adebar in dem Riesaer Ortsteil, in dem sonst das Jahr über wohltuende Ruhe herrscht, austickte, bleibt Vermutung. Eine Theorie besagt, dass der Storch in seinem Spiegelbild einen Konkurrenten erblickte und ihn mit seinen Schnabelhieben in die Flucht schlagen wollte. Aber so genau weiß das niemand. Auch nicht Olaf Gambke.

 

Ebensowenig hat der für den Altkreis Riesa zuständige Storchenbeauftragte eine hundertprozentig triftige Erklärung für die urplötzliche Friedfertigkeit parat. „Entweder ist er geläutert“, meint der Experte augenzwinkernd, „oder das Weibchen hat einen anderen Partner.“ Was sehr wahrscheinlich ist. Da er aber unberingt ist, wie sich dieser Tage bei der alljährlichen Beringungstour durch den Altkreis Riesa herausstellte, ist das allerdings nicht eindeutig feststellbar. „Auf jeden Fall ist es das gleiche Weibchen wie früher“, ist sich Gambke sicher, der vier Jungstörche in dem Horst vis-à-vis der Schlosskirche zählte.
Seit über 50 Jahren werden im Altkreis Riesa Störche beringt, seit mehr als 25 Jahren geht Olaf Gambke dem Beringungsbeauftragten zur Hand und erklimmt die Nester in oft schwindelerregenden Höhen, um aller Jung-störche habhaft zu werden.  Es seien höchstens drei bis fünf im Jahr, zu denen er nicht vordringen könne, schränkt er ein. Für die sich meist schnell einfindende Zuschauerschar ist dies stets ein unterhaltsames Ereignis, „wenn ich die Jungstörche aus den Nestern raushole“, so der Storchenexperte. In dem Alter stellt sich Adebars Nachwuchs tot und lässt sich ohne größere Probleme am Boden ablegen, wo ihn seit 1990 der Nünchritzer Ornithologe Dr. Peter Kneis beringt und im Team die Jungtiere gewogen und vermessen werden. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Davonfliegen noch nicht möglich. Das ändert sich ein bis zwei Wochen später. Dann ist die Phase des gefahrlosen Beringens vorüber, weil der Fluchtinstinkt erwacht ist.


In diesem Jahr wartet viel Arbeit auf das Beringungsteam. „30 Brutpaare sind es definitiv. Das gab's noch nie“, sagt Olaf Gambke, und die Freude darüber ist deutlich herauszuhören, nachdem es in den Vorjahren nicht gar zu rosig ums Brutgeschäft der Langbeine bestellt war. „Vielleicht kommen sogar noch ein bis zwei Brutpaare dazu“, mutmaßt er.
Die Ursache für die regelrechte Storchenschwemme? „Das hat mit dem Wetter zu tun“, ist sich der Fachmann sicher. Das Frühjahr war durchwachsen und somit storchenfreundlich. „In trockenen Jahren fliegt vor allem die Ende April, Anfang Mai eintreffende letzte Ankunftswelle einfach durch.“ Doch in diesem Jahr wurden im Mai zeitiger als sonst große Flächen gemäht. „Das zieht in Verbindung mit dem durchwachsenen Wetter an, da gibt es Nahrung ohne Ende“, weiß der Pulsener, der am Pfingstsamstag 14 Rotstrümpfe auf frisch gemähten Feldern bei Mehltheuer erblickte. Am 27. Mai wurde ein Acker an der JVA Zeithain umgepflügt. „Das lockte acht Störche an.“


Und am ersten Beringungs-Nachmittag am 11. Juni wurden bei Erntearbeiten in Canitz 25 bis 30 Störche auf Nahrungssuche gesichtet. In zwei bis drei Wochen werden die Jungstörche flügge und begeben sich dann selbst auf Nahrungssuche. Bleibt zu hoffen, dass auch in den nächsten Tagen und Wochen der Tisch für die majestätischen Vögel reichlich gedeckt ist.

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