Montag, 29. November 2021
Dienstag, 6. Juli 2021

Nach Brand-Inferno jetzt Neustart 

Von links: Florian Köhler, Steffen Hesselbarth (beide Staatsbetrieb Sachsenforst), der geschädigte Waldbesitzer Lukas Kühnel und Jakob Spannfellner von der Spannfellner Holz GmbH begutachten angekohlte Stämme.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Der Großbrand in der Falkenstruth hat im August 2020 den gesamten Landkreis beschäftigt. Beinah jede Gemeinde schickte eine Ortswehr nach Beilrode. Jetzt planen die Waldbesitzer eine riesige Neuaufforstung. 75 000 Bäume sollen wachsen. 

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Es ist wohl für jeden Waldbesitzer der Alptraum schlechthin. Das, was jahrzehntelang gewachsen ist – was mühsam gehegt und gepflegt wurde – geht binnen Minuten in Flammen auf und ist unwiederbringlich verloren. 

Alptraum 

Lukas Kühnel hat diesen Alptraum erlebt. Beim Großbrand im August 2020 in der Beilroder Falkenstruth waren zum überwiegenden Teil seine Flächen betroffen. Der Münchner erfuhr noch am gleichen Nachmittag von der Forstbehörde davon. Gleich am darauffolgenden Sonntag setzte er sich in sein Auto, um sich selbst ein Bild zu machen. Was ihm während der 350 Kilometer langen Strecke durch den Kopf ging, will er lieber nicht beschreiben. Den Wald hatte vor gut 20 Jahren sein Vater erworben. Mehr oder weniger durch Zufall war die Familie auf die Flächen aufmerksam geworden. „Zum Glück stand die Bahn schnell als Verursacher fest“, sagt Lukas Kühnel. Somit durfte man auf Schadensersatz hoffen. Denn eine teure Waldbrand-Versicherung besitze kaum ein Landeigentümer in der Region. 

Dieser Tage nun gab es gemeinsam mit dem Forstbezirk Taura, Staatsbetrieb Sachsenforst, einen Vor-Ort-Termin in der Falkenstruth. Dabei wurde über die umfangreiche Aufforstung informiert. Erfreuliche Nachricht dabei: Schon im Herbst und im Frühjahr werden die Flächen wieder neu bepflanzt. „Hier wachsen künftig Mischbestände aus Laub- und Nadelholz“, so Steffen Hesselbarth, Sachbearbeiter für Forstförderung. Roteichen, Pappeln, Ahorn, Birken, Ess-Kastanien, Baum-Haseln, Douglasien, Küsten-Tannen und Kiefern kommen ins Erdreich. „Neu ist auch, dass künftig ein zehn Meter breiter Waldrand-Streifen aus Obst- und Waldsträuchern angelegt wird“, fügt Steffen Hesselbarth hinzu. 

Finanzielle Hilfe

Hagen Großmann vom Forstbezirk Taura und zuständiger Revierleiter für das Privat- und Körperschaftswaldrevier Belgern steht den insgesamt fünf geschädigten Waldbesitzern beratend zur Seite. Diese wiederum können über die Richtlinie WuF/2020 eine forstliche Förderung in Anspruch nehmen. Etwa 70 Prozent der Aufforstungskosten bekommen die Flächenbesitzer erstattet, für die restlichen 30 Prozent soll die Bahn als Verursacher eintreten, so die Theorie. Denn ob die neuen Bestände tatsächlich wie geplant sprießen und gedeihen, wird sich erst in etwa acht Jahren zeigen, wenn die Bäume etwa zwei Meter hoch sind. Die Gefahr, mit Einbußen leben zu müssen, sei groß.

Auch so sei der Schaden nicht leicht zu verschmerzen. Bei dem Großteil der verbrannten Kiefern handelte es sich um etwa 70 Jahre alte Bäume, die noch nicht hiebsreif waren. In gut 20 Jahren hätten sie als Bauholz garantiert gute Erlöse gebracht. So aber können die angekohlten Stämme allenfalls noch als Hackschnitzel weiterverarbeitet werden. Lediglich ein geringer Teil sei als Industrieholz für die Paletten-Produktion brauchbar. Für die Waldbesitzer stellt dieser Verkauf ein Minusgeschäft dar. „Wenn Sie hier ein Sägeblatt ansetzen, zieht es den ganzen Ruß in den Stamm hinein. Das nimmt Ihnen kein Sägewerk ab“, zeigt Lukas Kühnel auf das Schadholz. Zudem sei die Rinde durch das Ablöschen voller Sandkörner. Eine enorme Belastung für die Holzrücke-Technik, die ständig gesäubert werden muss, erklärt Jakob Spannfellner.

Seine Firma, die Spannfellner Holz GmbH, hat in den vergangenen Wochen das gesamte Areal beräumt. Rund 17 Hektar sind dem Großbrand zum Opfer gefallen. Was Hitze und Flammen nicht schafften, besorgte hinterher in Windeseile der Borkenkäfer. Die gestressten angekohlten Bäume hatten dem Ungeziefer nichts entgegen zu setzen. Rund 7000 Festmeter Holz wurden auf riesigen Holzpoltern zusammengetragen. „Damit sich der Käfer nicht auf den gesunden Wald ausbreitet, sollten die befallenen Stämme mindestens 500 bis 600 Meter weiter weg gelagert werden. Die Betroffenen haben zu diesem Zweck eine frühere Düngerhalle, rund vier Kilometer entfernt, in Beilrode angemietet und nutzen auch hier eine Förderrichtlinie. HIT-Holz sei der Abnehmer. Übrigens werde selbst das Kronenholz gehackt und abgefahren. 

Nur den günstigen Windverhältnissen sei zu verdanken gewesen, dass der Brand im August nicht auf die Wipfel übergriff, sondern überwiegend am Boden loderte. 

Schutz-Riegel 

Sogenannte Waldbrandschutz-Riegel, die schon zu DDR-Zeiten bewusst angelegt wurden, verhinderten ebenfalls Schlimmeres. „Hier sieht man einen dicht gewachsenen Roteichen-Bestand mit viel Grün im Unterholz. Der wirkte wie ein Gürtel. Die Flammen konnten nicht durchlaufen“, erklärt der für die Forstförderung zuständige Steffen Hesselbarth. 

Was die tatsächlichen Kosten der Wiederaufforstung betrifft, lassen sich nur vage Einschätzungen treffen. Die staatliche Förderung besteht aus zwei Teilen. Zum einen aus einer Festbetragsfinanzierung von 1625 Euro pro Hektar für Flächenvorbereitung, Pflügen, für den Schutzzaun sowie für Hege und Pflege. Zum anderen werden pro Pflanze nochmals zusätzlich zwischen 99 Cent und 1,71 Euro (je nach Baumart) gezahlt. Man geht davon aus, dass je Hektar rund 4500 Bäume zu pflanzen sind. Zusammengefasst habe also ein Waldbesitzer zwischen 10 000 und 12 000 Euro je Hektar an Kosten zu tragen. Davon zahlt der Staat eine Förderung von rund 7500 Euro je Hektar.

Lukas Kühnel ist Flugzeugingenieur, arbeitet auf dem Flughafen München. Der vernichtete Wald in der Falkenstruth ist nicht unbedingt seine Existenzgrundlage. Dennoch war das Großfeuer im Sommer 2020 auch für ihn ein herber Schlag. „Da steckt die Arbeit von mehreren Generationen und unendlich viel Herzblut drin. Es ist eine Katastrophe, wenn die in so kurzer Zeit völlig zerstört wird“, sagt der junge Mann, der jetzt mit der Wiederaufforstung  aber wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schaut.

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