Samstag, 16. Oktober 2021
Mittwoch, 7. Juli 2021

Endstation Arbeitslager oder Tod

Heinz Galle (l.), Frank-M. Nemetz sowie Elisabeth Kohlhaas bei der Gedenkfeier am ehemaligen Fort Zinna.Foto: TZ/C. Wendt

Presseinfo

Torgau. Das aktuelle Kalenderblatt des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Torgau – verfasst von Johanna Kreische – blickt auf die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers Nr. 10 im Fort Zinna vor 75 Jahren.

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Am Dienstagvormittag gab es am Memorial aus diesem Anlass eine Gedenkveranstaltung, bei der neben Vertretern des DIZ auch der Leipziger Frank-M. Nemetz, Landesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, sowie dessen Stellvertreter Heinz Galle aus Schildau teilnahmen. 

Vor 75 Jahren, im Sommer 1946, errichtete die sowjetische Besatzungsmacht ein Lager der Geheimpolizei NKWD im Fort Zinna in Torgau. Es bestand zwei Jahre lang bis zum August 1948. Vermutlich waren in dieser Zeitspanne etwa 28 000 Gefangene dort inhaftiert, die von sowjetischen Militärgerichten (SMT) verurteilt worden waren. Ungefähr 24 000 Häftlinge wurden von Torgau aus in die Arbeitslager in der Sowjetunion verbracht. Die große Mehrheit von ihnen waren sowjetische Staatsangehörige.

Während der Haft in dem Lager litten die Häftlinge unter den unzureichenden Bedingungen, unter der totalen Isolation und unter der Ungewissheit über die Zukunft. Etwa 130 Gefangene wurden hingerichtet. Hunderte Häftlinge verstarben an Krankheiten und den schlechten Lebensbedingungen.

Die sowjetische Besatzungsmacht richtete nach Kriegsende 1945 zehn Speziallager in der Sowjetischen Besatzungszone ein, von denen sich zwei in Torgau befanden. Sie dienten dazu, „feindliche Elemente […] in Gewahrsam zu halten”, wie es in dem entscheidenden Befehl formuliert war. Dabei ging es um die Entnazifizierung der Gesellschaft und die Bestrafung von NS-Tätern wie in allen Besatzungszonen. Bald ging es aber auch darum, (mögliche) politische Gegner festzusetzen.

Von August 1945 bis Ende März 1946 war das Fort Zinna in Torgau das Speziallager Nr. 8. Aus Platzgründen wurde dieses Lager in die benachbarte Seydlitz-Kaserne (heute „Husaren-Park“) verlegt. Anschließend fand der Umzug des NKWD-Lagers Nr. 7 aus Frankfurt (Oder) nach Torgau statt. Nicht viel später erhielt es den Namen „Speziallager Nr. 10”. Mit der Verlegung kamen am 17. Mai 1946 bereits 719 Gefangene in das Fort Zinna. 90 Prozent dieser Häftlinge waren sowjetische Staatsbürger, die wegen „unerlaubter Entfernung“ von ihrer Einheit oder wegen „Vaterlandsverrat“ inhaftiert wurden.

Die Einweisung von weiteren 4 793 Häftlingen bis August 1946 führte zu einem rapiden Anwachsen der Häftlingsanzahl. Das Fort Zinna war stark überbelegt. In den kleinen Zellen des Kreuzbaus, jeweils ausgelegt für einen Häftling, waren bis zu sechs Gefangene untergebracht. In die Sowjetunion deportiert, waren die Gefangenen dort in verschiedenen Lagern festgehalten, wie zum Beispiel in dem nördlichen Urallager oder in Besserungs-Arbeitskolonnen. Im Mai 1948 ordnete Generaloberst Serow die Auflösung des Speziallagers Nr. 10 an. Der Großteil der verbliebenen Häftlinge wurde nach Sachsenhausen verlegt, 177 Insassen wurden entlassen.

Einer der in Torgau Inhaftierten war Hans Corbat. Er wurde am 29. Juli 1926 in Berlin-Lichtenberg geboren. Er erlebte das Kriegsende als Wehrmachtsoldat in der Kesselschlacht von Halbe bei Berlin. Corbat geriet nicht in Kriegsgefangenschaft und konnte in seinen Heimatort Berlin-Kaulsdorf zurückkehren. Er trat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und arbeitete in einem antifaschistischen Jugendausschuss mit. Die bevorstehende Zwangsvereinigung mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) brachte ihn dazu, aus der Partei auszutreten. Kurze Zeit später wurde er verhaftet und fünf Monate von der sowjetischen Geheimpolizei festgehalten. Er wurde bei den Verhören misshandelt und schließlich zu einem erfundenen Geständnis gezwungen. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn wegen „Spionage” und „antisowjetischer Propaganda” zu 20 Jahren Arbeitslager. Hans Corbat verbrachte bis zu seiner Entlassung am 31. März 1956 insgesamt zehn Jahre in Haft in Torgau und Bautzen.

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